Technologie

Angst vor Spionage: US-Delegation hat in China spezielle Handys

  • dts - 14. Mai 2026, 13:31 Uhr
Bild vergrößern: Angst vor Spionage: US-Delegation hat in China spezielle Handys
Begleiter des US-Präsident mit Koffer (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Peking (dts Nachrichtenagentur) - Beim Besuch des US-Präsidenten in China haben offenbar sowohl Trump selbst als auch zahlreiche Mitarbeiter und Sicherheitskräfte ihre gewöhnlichen Mobiltelefone und digitalen Geräte zu Hause gelassen. Stattdessen sollen sie speziell vorbereitete "Clean Devices" nutzen, also temporäre Laptops und andere vorab streng kontrollierte Kommunikationssysteme, um das Risiko von Überwachung, Hackerangriffen und Datendiebstahl zu minimieren.

Nach Angaben aktueller und ehemaliger US-Beamter gilt innerhalb der amerikanischen Regierung seit Jahren die Annahme, dass sämtliche nach China mitgebrachten Geräte - darunter Smartphones, Tablets, Laptops oder selbst Hotel-WLAN-Verbindungen - als potenziell kompromittierbar betrachtet werden müssen. Die Sicherheitsmaßnahmen bei der China-Reise des US-Präsidenten erschweren laut Insidern selbst alltägliche Kommunikationsabläufe erheblich, berichtet der US-Sender "Fox News". Nachrichten, die normalerweise über verschlüsselte Apps oder synchronisierte Geräte versendet würden, müssten stattdessen über andere kontrollierte Kanäle, temporäre Benutzerkonten oder persönliche Boten weitergegeben werden. Kontakte und Cloud-Zugänge seien oft eingeschränkt oder komplett deaktiviert.

"China ist ein Staat mit umfassender Überwachung", sagte Bill Gage, ehemaliger Agent des Secret Service und heutiger Sicherheitsberater der Safehaven Security Group, dem US-Sender. Bereits vor einer Reise würden US-Vertreter intensiv darüber informiert, dass praktisch jede Kommunikation überwacht werden kann. Ähnlich äußerte sich Theresa Payton, frühere IT-Chefin des Weißen Hauses und heutige Leiterin des Cybersecurity-Unternehmens Fortalice Solutions. Beamte müssten davon ausgehen, dass sowohl persönliche Gespräche als auch digitale Aktivitäten überwacht werden könnten.

Nach Angaben von Sicherheitsexperten betreffen die Vorsichtsmaßnahmen auch scheinbar banale Vorgänge wie das Aufladen von Mobiltelefonen. Denn US-Behörden warnen seit Jahren davor, unbekannte USB-Anschlüsse oder fremde Ladesysteme zu nutzen, da manipulierte Hardware zum Auslesen von Daten oder zur Installation von Schadsoftware verwendet werden könne. Diese Methode ist unter dem Begriff "Juice Jacking" bekannt. Deshalb reisen US-Vertreter in Hochrisikoländer häufig mit speziell zugelassenen Ladegeräten oder externen Akkus.

Für besonders sensible Gespräche richten US-Behörden im Ausland zudem temporäre Sicherheitsbereiche ein, sogenannte SCIFs ("Sensitive Compartmented Information Facilities"). Dabei handelt es sich um mobil aufgestellte improvisierte Räume, die elektronische Überwachung verhindern sollen, und beispielsweise innerhalb eines Hotelzimmers aufgestellt werden. Der US-Präsident muss sich dann zum Beispiel zum Telefonieren in einen solchen Raum begeben.

Die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen führen laut Bericht von "Fox News" dazu, dass Delegationen zeitweise wieder auf analoge Arbeitsweisen zurückgreifen müssen. So werden beispielsweise Papierdokumente wieder häufiger genutzt.

China nutzt nach Einschätzung westlicher Geheimdienste und Cybersicherheitsexperten eine Kombination aus klassischen Geheimdienstmethoden, Cyberangriffen, technischer Überwachung, aber auch Informationsbeschaffung über persönliche Beziehungen. Viele dieser Taktiken werden nicht nur von China genutzt - auch andere Staaten betreiben Spionage - allerdings gilt das chinesische System als besonders umfangreich und stark technologiebasiert.

"Staatlich geförderte chinesische Cyberakteure haben ihre Taktiken sowie Techniken in den letzten Jahren kontinuierlich angepasst", heißt es beispielsweise in einem Schreiben des britischen National Cyber Security Centre (NCSC), das in Zusammenarbeit mit dem deutschen Verfassungsschutz, dem Bundesnachrichtendienst und weiteren internationalen Partnern veröffentlicht wurde.

Angreifer aus China nutzen demnach verstärkt Netzwerke aus gekaperten Endgeräten von Unternehmen und Privatleuten, um Zielpersonen diskret auszuspionieren und die Spuren zu verwischen. Dafür würden etwa Computer oder Handys, aber auch Router oder Smart-Home-Geräte genutzt.

Die chinesische Regierung weist Vorwürfe systematischer Spionage regelmäßig zurück und erklärt, selbst Ziel westlicher Cyberangriffe zu sein.

Weitere Meldungen

Lehrerverband fordert Störsender gegen KI-Betrug bei Prüfungen

München (dts Nachrichtenagentur) - Der Bayerische Lehrerverband will härter gegen den Betrug mit Künstlicher Intelligenz (KI) bei Prüfungen an Schulen vorgehen. Künftig

Mehr
Großbritannien verbietet soziale Medien für Unter-16-Jährige

London (dts Nachrichtenagentur) - Der britische Premierminister Keir Starmer hat ein umfassendes Verbot von sozialen Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren

Mehr
Anthropic stoppt neues KI-Modell wegen Sicherheitsbedenken

San Francisco (dts Nachrichtenagentur) - Das US-Unternehmen Anthropic hat sein neues KI-Modell vorläufig vom Markt genommen. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken der

Mehr

Top Meldungen

Rentenkommission soll Empfehlung früher abgeben

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Rentenkommission der Bundesregierung soll ihre Empfehlungen für die Reform der Alterssicherung schon am Dienstag kommender Woche (23. Juni)

Mehr
Rückkehr deutscher Schiffe aus Persischem Golf könnte Monate dauern

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) - Die deutsche Handelsschifffahrt rechnet damit, dass die Rückkehr deutscher Schiffe aus dem Persischen Golf mehrere Monate in Anspruch nehmen

Mehr
Autohändler: E-Auto-Prämie fließt vor allem nach China

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die milliardenschwere neue E-Auto-Prämie der Bundesregierung fließt bisher offenbar fast ausschließlich an ausländische Autohersteller,

Mehr