Belgien stoppt den Rückbau aller Atomreaktoren im Land. Die belgische Regierung und der bisherige Betreiber Engie würden über eine Übernahme der Reaktoren durch den belgischen Staat verhandeln und für diesen Zeitraum den Rückbau stoppen, damit "alle Optionen offenstehen", teilten beide Seiten am Donnerstag mit. Das belgische Parlament hatte im vergangenen Jahr den Atomausstieg des Landes rückgängig gemacht.
"Diese Regierung entscheidet sich für sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie", begründete Belgiens konservativer Regierungschef Bart De Wever die Pläne. "Mit weniger Abhängigkeit von fossilen Importen und mehr Kontrolle über unsere eigene Versorgung."
Die angestrebte staatliche Übernahme umfasst der gemeinsamen Erklärung zufolge "den gesamten Kernkraftwerkspark mit sieben Reaktoren, das betroffene Personal, alle nuklearen Tochtergesellschaften sowie sämtliche zugehörige Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, einschließlich der Abbau- und Stilllegungspflichten".
Der französische Betreiber Engie will sich damit aus der Atomkraft in Belgien zurückziehen. Beide Seiten wollen bis zum 1. Oktober die Rahmenbedingungen für die staatliche Übernahme festlegen.
In Belgien sind derzeit zwei Reaktoren in Betrieb: einer im Kraftwerk Doel an der niederländischen Grenze und einer im Akw Tihange bei Lüttich, rund 50 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Ursprünglich sollten beide Reaktoren im vergangenen Jahr abgeschaltet werden, ihre Laufzeit wurden jedoch bereits infolge der Energiekrise 2022 von der Vorgängerregierung bis 2035 verlängert.
Daneben gibt es fünf stillgelegte Reaktoren, drei in der Anlage Doel und zwei in Tihange. Darunter ist der umstrittene Reaktor Tihange 2, der 2023 abgeschaltet wurde. Deutsche Politiker und Atomkraftgegner hatten sich jahrelang dafür eingesetzt, nachdem Experten 2012 tausende kleine Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt hatten. Alle Reaktoren stammen aus den 1970er und 1980er Jahren.
Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund aus Aachen sprach von einem "riskanten Rückschritt" für die Region an der Grenze zu Belgien. De Wevers Regierung wolle "marode Altreaktoren künstlich am Leben erhalten", kritisierte Freund. "Damit verspielt er Vertrauen - auch bei den deutschen Nachbarn."
Belgien ist nicht das einzige EU-Mitglied, das seine Atomkraft ausbauen will. Neben Frankreich, das mehr als 65 Prozent seines Stroms aus Kernkraft bezieht, setzen auch osteuropäische Staaten sowie Schweden auf Atomenergie. In Polen ist der Bau des landesweit ersten Atomkraftwerks geplant.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Atomausstieg mehrerer EU-Länder - darunter Deutschland - als "strategischen Fehler" bezeichnet. Aus Sicht der EU-Kommission ist die Kernenergie ein zentrales Mittel, um unabhängiger von Öl und Gas zu werden.
Politik
Belgien stoppt Rückbau aller seiner Atomreaktoren
- AFP - 30. April 2026, 13:02 Uhr
Belgien stoppt den Rückbau aller Atomreaktoren im Land. Die belgische Regierung und der Betreiber Engie würden über eine Übernahme der Reaktoren durch den belgischen Staat verhandeln und für diesen Zeitraum den Rückbau stoppen, damit 'alle Optionen offenstehen'.
Weitere Meldungen
Grüne, SPD und Linke ziehen sich in einer untereinander abgestimmten Aktion vom Internetdienst X zurück. "X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken", hieß es in
MehrDas soziale Miteinander in Deutschland hat sich nach Einschätzung vieler Bundesbürgerinnen und Bundesbürger verschlechtert. In einer am Montag in Hamburg veröffentlichten
MehrDie Zahl der Beamtinnen und Beamten in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Zum Stichtag am 30. Juni 2024 gab es 1,96 Millionen Beamte, Richter und Soldaten, wie
MehrTop Meldungen
Bonn (dts Nachrichtenagentur) - Haribo hat im Jahr 2025 so viele Süßigkeiten verkauft wie nie zuvor. Der Absatz des Goldbären-Herstellers legte weltweit um 4,5 Prozent zu,
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hält den Tankrabatt nicht für gescheitert, erwartet aber mehr. "Erst mal sind die Preise ja gesunken, aber
MehrDie Folgen des Iran-Kriegs belasten laut dem Münchner Ifo-Institut die "ohnehin geschwächte Autoindustrie zusätzlich". In der Branche machten sich erste Anzeichen von
Mehr














