Brennpunkte

Paderborner Erzbischof Bentz bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung

  • AFP - 13. März 2026, 13:19 Uhr
Bild vergrößern: Paderborner Erzbischof Bentz bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung
Kirchliche Würdenträger mit Kruzifix
Bild: AFP

Nach Bekanntwerden eines deutlich größeren Ausmaßes des Missbrauchskandals im Erzbistum Paderborn hat der Paderborner Bischof Udo Markus Bentz die Betroffenen um Verzeihung gebeten.

Nach Bekanntwerden eines deutlich größeren Ausmaßes des Missbrauchskandals im Erzbistum Paderborn hat der Paderborner Bischof Udo Markus Bentz die Betroffenen um Verzeihung gebeten. "Für das Leid, das Menschen im Raum unserer Kirche erfahren haben, für das Versagen von Verantwortlichen und für das zusätzliche Leid durch Schweigen, Wegsehen und Nichtglauben bitte ich um Verzeihung", sagte Bentz am Freitag in Paderborn.

Bentz persönlich werden keine Vorwürfe gemacht, der untersuchte Zeitraum lag vor Beginn seiner Tätigkeit in Paderborn. Die am Donnerstag vorgestellte Studie geht von 489 betroffenen sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1941 bis 2002 in Paderborn aus, für die Missbrauchstaten verantwortlich sollen 210 Beschuldigte sein. Dies sind deutlich mehr Fälle als bisher bekannt waren. Bentz sprach von einem institutionellen Versagen der Kirche.

Zu Vorwürfen gegen den verstorbenen Paderborner Kardinal Johannes Joachim Degenhardt sagte der Paderborner Interventionsbeauftragte Thomas Wendland, hier habe es am Donnerstag vor der Vorstellung der Studie eine nicht damit in Zusammenhang stehende Wortmeldung zu Degenhardt gegeben. Es handle sich nach ersten Erkenntnissen um Vorwürfe, die bereits in einem früher veröffentlichten Gutachten benannt wurden.

Es werde dazu ein vertiefendes Gespräch zu der Meldung vom Donnerstag geben, sagte Wendland. In dem vergangenes Jahr veröffentlichten Gutachten der Kanzlei Feigen und Graf waren die entsprechenden Vorwürfe gegen Degenhardt als nicht plausibel beschrieben worden.

Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, würdigte Erzbischof Bentz für seine Bitte um Verzeihung. Harnisch sagte zur Präsentation der Studie, "wir haben ein Stück Würde zurück." Die Studie hole die Opfer aus dem Dunkeln.

Harnisch schloss sich Forderungen an, in Paderborn nach den gegen Degenhardt und den früheren Kardinal Lorenz Jaeger erhobenen Vorwürfen der Vertuschung die Kardinal-Jaeger-Straße und den Kardinal-Degenhardt-Platz umzubennen. Solche Benennungen seien als Ehre gedacht. "Da habe ich so meine Zweifel, ob diese Ehre noch angebracht ist." Zurückhaltend äußerte sich Harnisch zu Forderungen, die beiden Gräber der verstorbenen Kardinäle aus dem Paderborner Dom zu entfernen. "Wir schätzen und ehren die Totenruhe", sagte der Vertreter der Missbrauchsopfer.

Im Erzbistum Paderborn soll die Aufklärung von Missbrauchsfällen durch unabhängige Wissenschaftler fortgeführt werden, dabei soll es vertiefend auch um Degenhardt gehen. Der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche in Deutschland wurde 2010 öffentlich und wird seitdem von den deutschen Bistümern aufgearbeitet. An Betroffene sexuellen Missbrauchs wurden mittlerweile 93 Millionen Euro ausbezahlt, wie Donnerstag bekannt wurde.

Weitere Meldungen

Pipelineleck in Rheinland-Pfalz: Polizei richtet Ermittlungsgruppe ein

Nach einem mutmaßlich durch Treibstoffdiebe verursachten Leck an einer Dieselpipeline in Rheinland-Pfalz intensiviert die Polizei die Suche nach den Tätern. Die Maßnahmen

Mehr
Kiesewetter fordert Beginn der Ausbildung von Ukrainern an Taurus

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter fordert, möglichst schnell mit der Ausbildung von ukrainischen Soldaten an

Mehr
Selenskyj: Lockerung von Sanktionen durch die USA stärken Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Lockern der Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA vor dem Hintergrund des Iran-Krieges scharf kritisiert. "Dies wird

Mehr

Top Meldungen

Breite Kritik an US-Freigabe von russischem Öl

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Politiker der schwarz-roten Koalition haben die Entscheidung der USA zu einer befristeten Lockerung von Handelssperren für russisches Öl scharf

Mehr
Finanzministerium: Keine Mehreinnahmen durch höhere Spritpreise

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Bundesfinanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) widerspricht Behauptungen, der Staat würde von den stark steigenden Spritpreisen

Mehr
Reiche zu US-Russland-Sanktionen: "Putins Kriegskassen nicht noch weiter füllen"

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich zurückhaltend zu den von den USA gelockerten Russland-Sanktionen geäußert. Die Lockerungen seien "auf wenige Mengen

Mehr