Politik

Bestürzung über Tod von Freie-Wähler-Chef Aiwanger

  • AFP - 5. November 2026, 12:47 Uhr
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Hubert Aiwanger
Bild: AFP

Der Tod von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat für große Bestürzung gesorgt. Er sei 'tief betroffen', erklärte etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Aiwangers Leichnam wurde in Berlin obduziert.

Der Tod von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat für große Bestürzung gesorgt. Er sei "tief betroffen", erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag. "Die Bundesrepublik verliert einen streitbaren Politiker, der leidenschaftlich für seine Überzeugungen eingetreten ist." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ordnete Trauerbeflaggung im Freistaat an. Aiwanger war am Mittwochabend tot in einem Hotelzimmer in Berlin-Mitte entdeckt worden.

Der 55-Jährige war in der Stadt, um das neue Hauptstadtbüro der Freien Wähler zu eröffnen, fehlte aber bei der Veranstaltung seiner Partei. Nach dem Fund der Leiche leiteten Polizei und Staatsanwaltschaft ein Todesermittlungsverfahren ein. Ziel sei es, "die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen", hieß es. Am Donnerstagvormittag wurde der Leichnam des Politikers laut Staatsanwaltschaft obduziert. Ein Ergebnis lag zunächst noch nicht vor.

Aiwanger war seit 2018 bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef, seine Partei regiert im Freistaat in einer Koalition mit der CSU. Die bayerischen Freien Wähler führte der für seinen niederbayerischen Dialekt bekannte Aiwanger seit 2006, seit 2008 war er Abgeordneter im Landtag. Seit 2010 amtierte der Agraringenieur auch als Bundesvorsitzender der Freien Wähler.

Söder sagte am Donnerstag vor Journalisten, mit Aiwanger gehe "ein echtes Mannsbild, ein starker Bayer, guter Wirtschaftsminister, aber auch ein warmherziger Mensch". Er kündigte an, die gemeinsame Politik von CSU und Freien Wählern in Bayern fortzusetzen. Er habe mit Aiwanger eng zusammengearbeitet, gemeinsam hätten sie eine bürgerliche, liberal-konservative Politik gemacht.

Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) würdigte Aiwanger als "scharfsinnigen politischen Denker und Streiter". Er habe die bayerische Parteienlandschaft geprägt und verkörpere die Erfolgsgeschichte seiner Partei. "Er war ein niederbayerisches Unikat, im besten Sinn bodenständig, fest verwurzelt in seiner Heimat und auch der Landwirtschaft, aber offen für Fortschritt."

Die Freien Wähler in Bayern erklärten, der Freistaat verliere "einen Politiker, der wie kaum ein anderer für eine Politik aus der Mitte der Gesellschaft stand". Landtagsfraktionschef Florian Streibl erklärte: "Tief bestürzt, mit unendlich tiefer Trauer und Entsetzen müssen wir akzeptieren, dass unser Hubert Aiwanger viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde." Bayern werde ohne ihn "ein anderes sein".

Auch SPD und Grüne in Bayern zeigten sich betroffen. Aiwanger sei ein "Politiker mit Ecken und Kanten" gewesen, erklärte die Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer. Aus der Kommunalpolitik kommend habe er immer im Blick gehabt, was die Menschen vor Ort brauchten. Bayerns SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer bezeichnete Aiwanger als streitbaren und leidenschaftlichen Politiker, der sich mit großer Überzeugung für Bayern eingesetzt habe.

Auch aus anderen Bundesländern kamen betroffene Reaktionen. "Hubert Aiwanger war ein streitbarer Kopf, aber immer ehrlich und nie um ein offenes Wort verlegen", erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Aiwanger habe für Verlässlichkeit gestanden. "Bei ihm wusste man immer, woran man ist."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigte Aiwanger als "streitbaren Politiker, für den seine bayerische Heimat immer im Mittelpunkt stand". Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) bezeichnete ihn als "Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte".

Auch abseits der Politik sorgte die Nachricht von Aiwangers Tod für Bestürzung. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx würdigte ihn als "Ausnahmepolitiker". "Er war meinungsstark und suchte die öffentliche Debatte - dass er damit anecken konnte, nahm er in Kauf, aber er hat sich in der politischen Öffentlichkeit vor allem nicht verbiegen lassen", erklärte Marx. Für die Kirche sei er "ein geschätzter Partner und ein kritischer Begleiter" gewesen.

Der Präsident des bayerischen Industrie- und Handelskammertags, Peter Inselkammer, bezeichnete Aiwanger als einen "Politiker von besonderem Schrot und Korn". Er sei "ein leidenschaftlicher Kämpfer für unsere Selbstständigen, für unseren familiengeführten Mittelstand und für das Prinzip Eigenverantwortung" gewesen.

Der bayerische Bezirksleiter der IG Metall, Horst Ott, sprach wie viele andere sein Mitgefühl aus. "Bei allen politischen Gegensätzen überwiegt in diesen schweren Stunden das Menschliche - unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahe standen."

Der Bayerische Rundfunk (BR) änderte angesichts des Todesfalls sein Programm. Für 19.00 Uhr kündigte der Sender ein "BR24 extra" an. Zudem würden die Nachrichten um 21.45 Uhr "aufgrund der Nachrichtenlage" um fünf Minuten verlängert, hieß es.

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