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Israels Kulturminister droht Machern von Gaza-Doku mit Entzug der Staatsangehörigkeit

  • AFP - 14. September 2026, 14:13 Uhr
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Rachel Szor (r.) und Yuval Abraham in Venedig
Bild: AFP

Den beiden preisgekrönten Regisseuren der Gaza-Dokumentation 'NAZA' sollen nach dem Willen von Israels Kulturminister Miki Zohar ihre israelische Staatsbürgerschaft entzogen werden. Auch fordert Zohar, die anonymen Quellen in dem Film offenzulegen.

Den beiden preisgekrönten Regisseuren der Gaza-Dokumentation "NAZA" sollen nach dem Willen von Israels Kulturminister Miki Zohar ihre israelische Staatsbürgerschaft entzogen werden. Zohar teilte am Montag im Onlinedienst X mit, er habe das Innenministerium kontaktiert, um diesen Schritt gegen die Filmemacherin Rachel Szor und ihren Kollegen Yuval Abraham zu prüfen, weil ihnen "die Loyalität gegenüber dem Staat fehlt und sie mit dem Feind kollaboriert haben". 

Am Montag erklärte Zohar dann, er habe die israelischen Behörden zu einer  Untersuchung aufgefordert, um die anonymen Militärquellen in der Doku zu identifizieren.

"NAZA" war am Samstag beim Filmfestival von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet worden. Die Dokumentation war bei ihrer Premiere in Venedig mit 25 Minuten andauernden stehenden Ovationen gefeiert worden und wurde auch von Kritikern hoch gelobt.

In "NAZA" berichten 24 israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, dass die israelische Armee im Gazastreifen auf der Jagd nach Mitgliedern der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas bewusst zivile Opfer in Kauf genommen habe. 

Der Titel bezieht sich laut den Filmemachern auf eine Abkürzung, die von der Armee genutzt wurde, um solche "Kollateralschäden" bei jedem Angriff einzuschätzen. Einer der Befragten sagt in dem Film, dass bei einem Angriff auf ein einziges Ziel 500 Menschen in der Umgebung getötet worden seien. 

Kulturminister Zohar warf den nun "Verrat am Staat" Israel vor. Sie seien bereit, "ihrem Heimatland zu schaden, um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu erhalten". 

Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir griff die beiden Filmemacher ebenfalls scharf an. "Ihr seid eine Schande und eine Blamage für alle Menschen in Israel!" schrieb er auf X.

Am Montag forderte Zohar zudem die Offenlegung der Quellen des Films: "Ich habe auch eine Untersuchung dazu angefordert, wie die Informationen beschafft wurden, und wer dahintersteckt, und zu prüfen, ob zu ihrer Beschaffung und Veröffentlichung Handlungen unternommen wurden, die einer Unterstützung des Feindes zu Kriegszeiten gleichkommen." Meinungsfreiheit sei kein Freibrief, um den Staat zu betrügen. "Alle, die zu Kriegszeiten gegen Israel handeln, sollten wissen, dass dafür ein Preis zu zahlen ist." 

Der Entzug der Staatsangehörigkeit ist in Israel rechtlich möglich, wird jedoch selten angewendet. Der Oberste Gerichtshof bestätigte 2022, dass ein solcher Schritt möglich sei, wenn die Beschuldigten durch Spionage oder Verrat ihre "Loyalität" gegenüber dem Staat gebrochen haben. 2023 wurde das entsprechende Gesetz auf "Terror"-Delikte ausgeweitet. Ein Entzug der Staatsbürgerschaft muss demnach vom Innenminister beantragt, vom Justizminister genehmigt und schließlich von einem Richter bestätigt werden. 

Die israelische Armee hatte in dem Dokumentarfilm ebenfalls erhobene Vorwürfe zur Massen-Tötung mutmaßlicher Hamas-Anhänger mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) bereits am Freitag vor Ende des Filmfestivals von Venedig zurückgewiesen. Die Dokumentation stütze sich auf Informanten, deren Identität "nicht verifiziert" werden könne, erklärte die Armee. 

Am Montag teilte sie zudem mit, sie habe niemals "Angriffe in Gaza geplant, genehmigt oder ausgeführt, bei denen erwartet worden war, dass 500 Menschen sterben, oder eine andere Zahl in der Größenordnung". Es gebe dafür "keinerlei Beweis", dennoch hätten die Filmemacher die entsprechende anonyme Aussage veröffentlicht. "Nichts über den Interviewten, weder sein Dienst oder seine Rolle, kann unabhängig überprüft und verifiziert werden", kritisierte die Armee.

Regisseur Abraham sagte wiederum, die "israelischen Geheimdienstoffiziere, mit denen wir gesprochen haben, haben uns gesagt, dass dieses Massentöten systematisch erfolgt. Es geschieht nicht zufällig, sondern absichtlich."

Die Hamas und ihre Verbündeten hatten bei ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 mehr als 1200 Menschen getötet, 251 weitere Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte mit massiven Angriffen im Gazastreifen, bei dem nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 73.000 Menschen getötet wurden.

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