Die USA haben sich zur Aufnahme des offenbar geflüchteten brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro bereit erklärt. "Das Außenministerium wird Flavio Bolsonaro und seiner Familie Visa ausstellen und ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten gestatten", erklärte ein hochrangiger Ministeriumsvertreter am Dienstag in Washington. Der Sender CNN, die "New York Times" und andere Medien hatten zuvor berichtet, Bolsonaro sei auf dem Weg in die USA.
Der Oberste Gerichtshof in Brasília hatte die Ausreise des 45-Jährigen eigentlich untersagt und seine Reisepässe für ungültig erklärt. Die brasilianische Justiz ermittelt gegen Flávio Bolsonaro wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche.
Der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro war am Sonntag bei der Präsidentschaftswahl dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva unterlegen. Die Bolsonaro-Familie steht US-Präsident Donald Trump politisch nahe.
Der US-Regierungsvertreter machte keine Angaben dazu, ob Bolsonaro bereits in den Vereinigten Staaten eingetroffen sei. Medienberichten zufolge wollte er in den USA Asyl beantragen. Flávio Bolsonaros Bruder Eduardo lebt bereits in den Vereinigten Staaten.
Unterschiedliche Angaben gab es dazu, wie Bolsonaro trotz der Ausreisesperre in die USA gelangen wollte. Südamerikanische Medien berichteten, Argentinien habe dem bisherigen Senator bei der Flucht geholfen. Nach Angaben des argentinischen Portals "Infobae" sollte er mit einer privaten Airline über Argentinien in die USA ausgeflogen werden. Anlass für die Spekulationen war ein Privatflugzeug am Flughafen von Puerto Iguazú nahe der brasilianischen Grenze.
Argentiniens Behörden wiesen die Medienberichte zurück. Das Büro des mit Bolsonaro wie Trump verbündeten argentinischen Präsidenten Javier Milei erklärte, die Einwanderungsbehörde habe keine Einreise registriert. Auch sei kein Flugplan mit Angehörigen der Familie Bolsonaro vorgelegt worden.
Die brasilianische Polizei ermittelt gegen Bolsonaro wegen Korruptions- und Geldwäscheverdachts im Zusammenhang mit der Finanzierung des Films "Dark Horse" über seinen inhaftierten Vater Jair Bolsonaro. Letzterer war wegen eines Umsturzversuchs gegen Lula nach seiner Wahlniederlage 2022 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Im Fall von Flávio Bolsonaro ordnete ein Richter des Obersten Gerichts überdies Ermittlungen zu möglichen ausländischen Wahlkampfhilfen an.
Bolsonaros Amtszeit als Senator endet im Januar, womit er seine parlamentarische Immunität verliert. Bei der Stichwahl zur Präsidentschaft in Brasilien am Sonntag hatte Amtsinhaber Lula 51,8 Prozent der Stimmen erzielt, Bolsonaro erhielt 48,2 Prozent.
Bolsonaros Liberale Partei räumte die Niederlage danach ein. Er selbst erkannte sie jedoch nicht an. Bolsonaro wirft Lula Machtmissbrauch vor und kündigte rechtliche Schritte an.
Trump hatte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses Zweifel an Lulas Wahlsieg geäußert. Es sehe nach einer "manipulierten Wahl" aus, sagte der US-Präsident. Nach dem Sieg Bolsonaros in der ersten Wahlrunde hatte Trump Anfang Oktober von einem "sehr großen Sieg" gesprochen. Trump und die Bolsonaro-Familie liegen politisch auf einer Linie - etwa beim Kampf gegen die Drogenkriminalität oder gegen "politische Eliten".
Brennpunkte
Regierungskreise: USA wollen Flávio Bolsonaro und seiner Familie Visa geben
- AFP - 27. Oktober 2026, 23:07 Uhr
Die USA sind zur Aufnahme des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro und seiner Familie bereit. Das Außenministerium kündigte die Ausstellung von Visa für Bolsonaro und seine Angehörigen an.
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