Bei der Parlamentswahl in Israel liegt der Oppositionsblock um den Mitte-Rechts-Politiker Gadi Eisenkot laut ersten Prognosen vorne. Wie am Dienstagabend aus den Nachwahlbefragungen mehrerer israelischer Fernsehsender hervorging, kommt das Bündnis um Eisenkot auf 52 bis 53 Sitze, das Bündnis um Regierungschef Benjamin Netanjahu auf 50 Sitze. Für die absolute Mehrheit im Parlament sind 61 Sitze nötig.
Deutliche Zugewinne verzeichneten den Prognosen zufolge die arabischen Parteien. Die islamisch-konservative Raam-Partei käme auf sieben Sitze, die linksgerichtete Vereinigte Liste auf zehn bis elf Sitze. Arabische Parteien könnten einer Regierungskoalition im Parlament zu einer Mehrheit verhelfen.
Netanjahus Likud-Partei bleibt den Prognosen zufolge mit 24 bis 25 Sitzen die stärkste Partei. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2022 hatte sie allerdings noch 32 Sitze erhalten - und im Anschluss eine Koalition unter anderem mit mehreren Rechtsaußen-Parteien gebildet.
Oppositionspolitiker Eisenkot sprach angesichts der vorläufigen Zahlen von einer "vollständigen Abfuhr" für Netanjahu. Die Prognosen belegten "einen völligen Vertrauensverlust gegenüber Netanjahu und der Regierung vom 7. Oktober", sagte er mit Blick auf den Hamas-Großangriff auf Israel im Herbst 2023.
Der frühere Ministerpräsident Jair Lapid sprach von einer "krachenden Niederlage" für Netanjahu. Linkspolitiker Jair Golan sagte, das Volk habe Netanjahu "abgewählt".
Vor Schließung der Wahllokale hatte sich eine außergewöhnlich hohe Beteiligung abgezeichnet. Bereits bis 18.00 Uhr Ortszeit hatten nach Angaben der Zentralen Wahlkommission 66,7 Prozent der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Dies war der höchste Wert zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1973. Es war die erste Parlamentswahl in Israel seit dem Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023.
Der Wahltag war zudem von Streit um mögliche Wahlmanipulationen begleitet worden. Netanjahu hatte der arabischen Raam-Partei Wahlbetrug vorgeworfen. Die Polizei berichtete von drei Festnahmen wegen des Verdachts der Stimmenbestechung, die Wahlkommission sprach von einem Einzelfall. Einen Antrag von Netanjahus Likud-Partei auf eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale hatte die Kommission abgelehnt.
Politik
Wahlprognosen in Israel: Opposition leicht vorne - aber ohne Mehrheit
- AFP - 27. Oktober 2026, 21:50 Uhr
Bei der Wahl in Israel hat der Oppositionsblock um Gadi Eisenkot ersten Prognosen zufolge mehr Sitze gewonnen als das Regierungsbündnis um Benjamin Netanjahu. Keine Seite erreichte eine Mehrheit. Die Wahl war von einer Rekordbeteiligung geprägt.
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