Politik

Polizei räumt in Lissabon Protestlager gegen Wohnungsnot - 55 Festnahmen

  • AFP - 20. Oktober 2026, 13:57 Uhr
Bild vergrößern: Polizei räumt in Lissabon Protestlager gegen Wohnungsnot - 55 Festnahmen
Protestcamp in Lissabon
Bild: AFP

In Portugal hat die Polizei ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise geräumt und 55 Menschen festgenommen. Im Morgengrauen seien Dutzende Zelte auf dem Rossio-Platz im Herzen von Lissabon beschlagnahmt worden, teilte die Polizei mit.

In Portugal hat die Polizei ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise geräumt und 55 Menschen festgenommen. Im Morgengrauen seien Dutzende Zelte auf dem Rossio-Platz im Herzen von Lissabon beschlagnahmt worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Protestteilnehmer bildeten eine Menschenkette, um den Einsatz zu verzögern. Dabei kam es den Aufnahmen örtlicher Fernsehsender zufolge zu Zusammenstößen. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. 

Die Polizei erklärte, die "Anwendung von Gewalt" sei "durch die konkreten Umstände des Einsatzes gerechtfertigt gewesen", da sich einige Demonstranten geweigert hätten, den Ort zu verlassen. Die Gewaltanwendung habe sich jedoch "auf das notwendige Minimum beschränkt".

"Die festgenommenen Personen wurden auf Polizeireviere gebracht und werden so bald wie möglich der zuständigen Justizbehörde vorgeführt", teilte die Polizei mit. Die Ordnungskräfte hätten "228 Zeltstrukturen" beschlagnahmt. 

Die Aktivisten verkündeten jedoch, ihren Protest fortzusetzen und kündigten an, sich in den nächsten Stunden erneut auf dem zentralen Platz niederzulassen.

Offiziellen Zahlen zufolge sind die Mieten in Portugal binnen zehn Jahren um 124 Prozent angestiegen. Das ist etwa doppelt so stark wie der EU-Durchschnitt. Besonders betroffen sind junge Menschen - und Bewohner von Lissabon. Proteste hat es auch in der nordportugiesischen Großstadt Porto gegeben. Dort war ebenfalls ein Protestcamp errichtet worden.

In Porto räumten Demonstranten am Dienstag jedoch angesichts der Aussicht auf eine Räumung durch die Polizei ihr Lager selbst. Nach dem Eintreffen der Polizei "haben die Demonstranten ihre Sachen zusammengepackt", teilte der Anwalt der Demonstranten, Tiago Machado, der Nachrichtenagentur Lusa mit. 

Die Wohnungsnot ist auch im Nachbarland Spanien ein großes Thema. Im September sorgte die Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Rentnerin Maricarmen Abascal für landesweite Proteste. Der Besitzer hatte die Miete massiv erhöhen wollen. Zwar gab es eine Einigung auf eine Rückkehr der Rentnerin in ihre Wohnung - die 87-Jährige verstarb aber, bevor es dazu kommen konnte. Der Streit um die Wohnungspolitik führte dazu, dass Regierungschef Pedro Sánchez Neuwahlen für den 29. November ausgerufen hat. 

Weitere Meldungen

Abgeordnete meldet sich krank: Berliner Linksfraktion vertagt Entscheidung zu Emde

Der Vorstand der Berliner Linksfraktion hat die Entscheidung über den Umgang mit der umstrittenen Abgeordneten Vanessa Emde vertagt. Die Sitzung am Dienstag, zu der Emde

Mehr
Integrationsbeauftragte würdigt Anwerbeabkommen - und beklagt Diskriminierung

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), hat das vor 65 Jahren mit der Türkei geschlossene Anwerbeabkommen als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Die

Mehr
Ukraine-Krieg: Selenskyj sucht in Oslo Verständigung mit US-Unterhändler Witkoff

Vor dem Hintergrund einer weiteren Annäherung der USA an Russland beraten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der US-Sondergesandte Steve Witkoff am Dienstag in

Mehr

Top Meldungen

Linke kritisiert Investitionspläne der Bauministerin

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Linksfraktionschef Sören Pellmann kritisiert die Pläne der Bundesregierung, den staatlichen Deutschlandfonds zur Auslösung privater

Mehr
Bericht: Kaum Spielraum für Senkung der Stromsteuer

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die neue Steuerschätzung wird aller Voraussicht nach keinen Spielraum für eine Senkung der Stromsteuer für alle eröffnen. Das berichtet die

Mehr
Post erhöht Briefporto deutlich

Bonn (dts Nachrichtenagentur) - Die Deutsche Post will das Briefporto für Privatkunden zum 1. Januar 2027 deutlich erhöhen. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, wird der

Mehr