Politik

Bas bezweifelt Sinn von Attest ab erstem Krankheitstag und stellt Bedingungen

  • AFP - 29. August 2026, 13:07 Uhr
Bild vergrößern: Bas bezweifelt Sinn von Attest ab erstem Krankheitstag und stellt Bedingungen
Stethoskop und Blutdruckmesser in Arztpraxis
Bild: AFP

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat die Union zu Gesprächen über einen Verzicht auf die umstrittene Neuregelung zur Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag aufgefordert. Es sei fraglich, ob die Regel sinnvoll sei, sagte sie.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat die Sinnhaftigkeit der mit der Union vereinbarten Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag angezweifelt und Bedingungen für die Umsetzung gestellt. "Wenn ich eine Pflicht einführe und anschließend 95 Ausnahmen reinschreibe, stellt sich die Frage, ob man das überhaupt noch braucht", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). Sie werde die Vereinbarung nur umsetzen, wenn im Gegenzug Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) weitere Regelungen vorlege.

"Es soll etwa eine Ausnahme für tarifgebundene Unternehmen geben, die andere Regelungen haben", führte die SPD-Chefin aus. Sie forderte die Union grundsätzlich zu Gesprächen über einen Verzicht auf die umstrittene Neuregelung auf: "Ich bin koalitionstreu, aber wir sollten uns schon nochmal fragen, ob das sinnvoll ist."

Union und SPD hatten sich darauf verständigt, Arbeitnehmer zu verpflichten, ein Attest bereits ab dem ersten Fehltag vorzulegen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verwies insbesondere auf den hohen Krankenstand. Ursprünglich hatten CDU und CSU Einschnitte bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gefordert, etwa mittels eines Karenztages, was die SPD jedoch ablehnte.

Im Gegenzug habe ihre Partei "zähneknirschend der Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag zugestimmt, obwohl wir sie inhaltlich für falsch halten", sagte Bas dazu. "Meine Sorge ist, dass dann Menschen mit einem leichten Infekt am ersten Tag zum Arzt gehen und aus einem kurzen Ausfall am Ende eine ganze Woche Krankschreibung wird."

Als Arbeitsministerin ist Bas für die gesetzliche Umsetzung der Vereinbarung zuständig, fordert aber erst Vorschläge in anderer Sache von Gesundheitsminister Linnemann. "Die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag ist mit einer Termingarantie bei den Ärzten und der Schlaganfallvorsorge gekoppelt", erläuterte sie. "Das ist der Kompromiss, der ein Gesamtpaket ist."

Zu dem Einwand, dass die Vorlage des Primärversorgungsgesetzes des Gesundheitsministers, das für die Termingarantie nötig wäre, noch Zeit in Anspruch nehme, sagte Bas: "Das liegt nicht in meiner Hand."

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte die SPD-Chefin. "Ich finde es fragwürdig, wenn getroffene Verabredungen nach kurzer Zeit öffentlich wieder in Frage gestellt werden", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er sei auch nicht von allen Verabredungen der Koalition restlos begeistert, "aber was man gemeinsam entscheidet, sollte man auch gemeinsam vertreten".

Inhaltlichen Zuspruch erhielt die Arbeitsministerin vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie bezweifle "zu Recht die Krankschreibung ab dem ersten Tag", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. "Niemand kann wollen, dass sich noch mehr Beschäftigte als jetzt schon krank zur Arbeit schleppen, um dort unkonzentriert und fehleranfällig zu arbeiten und obendrein noch das übrige Team anzustecken."

Wirtschaftsforscher erwarten derweil kaum Veränderungen durch die Attestpflicht. "Ob der Krankenstand damit sinkt, bleibt offen", erklärte Jochen Pimpertz vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln). Rechtlich ändere sich wenig, denn ein Attest ab dem ersten Tag könnten Arbeitgeber schon heute verlangen. Mit Blick auf den Verwaltungsaufwand könnten Betriebe auch künftig darauf verzichten.

Weitere Meldungen

Norwegen trauert um Harald V. - neuer König Haakon VIII. hält Rede an die Nation

Einen Tag nach dem Tod von König Harald V. hat sich Norwegens neuer König Haakon VIII. erstmals in einer Rede an die Nation gewandt. Sein Vater habe die Familie stets daran

Mehr
Medien: Bundesregierung sieht offenbar Russland hinter Drohnenvorfall in Leipzig

Die Bundesregierung sieht einem Medienbericht zufolge Russland hinter dem Drohnenvorfall in Leipzig. Berlin plane, in den kommenden Tagen Moskau offiziell für den versuchten

Mehr
AfD-Nachwuchskongress in Magdeburg: Schmähungen und Forderung nach "Remigration"

Eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt hat sich die Nachwuchsorganisation der AfD bei ihrem Bundeskongress in Magdeburg mit scharfen völkischen Parolen positioniert. Der

Mehr

Top Meldungen

Rotkäppchen-Chefin fürchtet Schaumweinsteuer-Erhöhung

Freyburg (dts Nachrichtenagentur) - Die Chefin der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien, Silvia Wiesner, hat scharf vor der geplanten Erhöhung der Schaumweinsteuer gewarnt.

Mehr
VW: Szenario von über 100.000 Jobverlusten wird unwahrscheinlicher

Wolfsburg (dts Nachrichtenagentur) - Beim geplanten Konzernumbau von Volkswagen zeichnet sich eine Entschärfung beim Stellenabbau ab. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf

Mehr
SPD-Politikerin wirft Ölkonzernen Lügen über Spritpreise vor

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - In der SPD mehren sich Rufe nach einer stärkeren Regulierung der hohen Benzinpreise. "Als Fraktion fordern wir seit Langem einen Preisdeckel",

Mehr