Wirtschaft

Halbleere Gasspeicher: Wirtschaftsweise Grimm sieht noch keinen Handlungsbedarf

  • AFP - 29. August 2026, 01:48 Uhr
Bild vergrößern: Halbleere Gasspeicher: Wirtschaftsweise Grimm sieht noch keinen Handlungsbedarf
Veronika Grimm im November 2024 in Berlin
Bild: AFP

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht mit Blick auf die halbleeren Gasspeicher noch keinen akuten Handlungsbedarf. 'Ich halte es für sinnvoll, jetzt noch abzuwarten', sagte Grimm den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht mit Blick auf die halbleeren Gasspeicher in Deutschland noch keinen akuten Handlungsbedarf. "Ich halte es für sinnvoll, jetzt noch abzuwarten", sagte Grimm den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Samstagsausgaben). Zwar sei die Angst vor steigenden Preisen berechtigt. "Aber es muss klar sein, dass hohe Mindestfüllstände genau wegen der hohen Preise abgeschafft wurden, die daraus resultieren", fuhr die Ökonomin fort.

Derzeit sind die deutschen Speicher im Schnitt nur zu knapp 52 Prozent gefüllt. Die niedrigeren Füllstände schüren die Sorgen um die Versorgungssicherheit im Winter und die Preisentwicklung.

In der Gaskrise 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine hatte die Bundesregierung verpflichtende Vorgaben für die Speicherbetreiber eingeführt. 2025 wurden die Vorgaben abgesenkt. Derzeit gilt für die meisten Speicher, dass sie zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen. 

In vielen Fällen ist das Erreichen der Zielvorgabe bereits kaum noch möglich. Werden die Ziele nicht erreicht, kann der Staat die Befüllung beauftragen - eine Befürchtung ist, dass Gasverkäufer genau darauf spekulieren, denn der Staat würde dann wohl zu jedem Preis einkaufen. 

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen staatlichen Eingriff ab. "Die Ministerin und auch das Wirtschaftsministerium gehen derzeit davon aus, dass der Markt weiter befüllt. Das ist die Aufgabe des Marktes", bekräftigte eine Sprecherin am Freitag in Berlin. "Das hat auch immer so funktioniert."

Grimm plädierte dafür, die Gasversorgung auf längerfristige Verträge umzustellen und die Vertragsstrukturen zu diversifizieren. "In der öffentlichen Diskussion geht es viel um die kurzfristigen Maßnahmen. Die langfristigen Maßnahmen schiebt man gerne vor sich her", sagte sie.

Es gebe eine starke Abhängigkeit vom Spotmarkt-Preis, der in Krisen "auch mal massiv nach oben gehen" könne, erklärte Grimm. Deutschland sei zudem beim Flüssigerdgas LNG stark von den USA abhängig. "Wir müssten wirklich etwas tun, um uns mittelfristig resilienter aufzustellen - sonst sind wir dauernd im Krisenmodus."

Weitere Meldungen

US-Zentralbankchef Warsh besorgt über Inflation

US-Zentralbankchef Kevin Warsh hat sich besorgt über die Inflation in den Vereinigten Staaten gezeigt. Der Verbraucherpreisanstieg sei "besorgniserreigend", sagte Warsh am

Mehr
Lage am Arbeitsmarkt weiter schwierig - Arbeitslosigkeit erneut leicht gestiegen

Die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt ist weiterhin gedrückt. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland legte im August erneut leicht zu und blieb damit über der Schwelle von

Mehr
Streit mit Pentagon: Richterin hebt Sanktion gegen US-KI-Konzern Anthropic auf

Im Streit mit dem Pentagon hat das US-KI-Unternehmen Anthropic vor Gericht einen Erfolg errungen: Eine US-Bundesrichterin stufte eine umstrittene Sanktion des Pentagon gegen das

Mehr

Top Meldungen

E-Auto-Verkäufe steigen kräftig - Verband will Verlässlichkeit

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Autohändlerverband ZDK rechnet für 2026 mit rund 817.000 neuen vollelektrischen Pkw auf Deutschlands Straßen. Das sind 109.000 mehr, als

Mehr
Wirtschaftsweise Grimm: Bei Gaspreisen Besonnenheit wahren

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts der öffentlichen Debatte über niedrige Gasspeicherfüllstände mahnt die Wirtschaftsweise Veronika Grimm zur Besonnenheit. "Ich

Mehr
Schneider hält an Grundgesetzänderung für Klimaanpassung fest

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hält trotz Widerständen des Koalitionspartners Union an seinen Plänen fest, die Anpassung an die Folgen

Mehr