Politik

Farage tritt bei britischer Nachwahl voraussichtlich gegen Spaßkandidaten an

  • AFP - 8. Juli 2026, 19:12 Uhr
Bild vergrößern: Farage tritt bei britischer Nachwahl voraussichtlich gegen Spaßkandidaten an
Count Binface (links) bei Nachwahl im Mai
Bild: AFP

Der nach Vorwürfen von seinem Abgeordnetenmandat zurückgetretene britische Rechtspopulist Nigel Farage trifft in der von ihm angestrebten Nachwahl voraussichtlich auf einen einzigen Gegner - den Spaßkandidaten 'Count Binface' (Graf Mülltonnengesicht).

Der nach Vorwürfen wegen nicht offengelegter Zuwendungen von seinem Abgeordnetenmandat zurückgetretene britische Rechtspopulist Nigel Farage trifft in der von ihm angestrebten Nachwahl voraussichtlich auf einen einzigen Gegner - den Spaßkandidaten "Count Binface" (Graf Mülltonnengesicht). Alle anderen Parteien schlossen am Mittwoch aus, Kandidaten für die Nachwahl in Clacton-on-Sea aufzustellen. Der Komiker Jon Harvey, der seit Jahren als "intergalaktischer Weltraumkrieger" bei Wahlen antritt, könnte damit Farages einziger Herausforderer sein.

Die Regierung nahm am Mittwoch das Rücktrittsgesuch von Farage, dem Chef der Partei Reform UK, an. Binnen 35 Tagen dürfte nun eine Nachwahl stattfinden. "Wenn er den Sommer damit verbringen will, mit einem Mülleimer zu diskutieren, werde ich ihn nicht davon abhalten", schrieb Finanzministerin Rachel Reeves im Onlinedienst X. Die regierende Labour-Partei, die Konservativen, die Liberaldemokraten, die Grünen und die rechtsextreme Restore Britain wollen keine eigenen Kandidaten für die Nachwahl aufstellen. Noch könnte aber auch ein Unabhängiger seine Kandidatur erklären.

Farage hatte am Dienstag angekündigt, sein Abgeordnetenmandat niederzulegen. Im Anschluss werde er sich in einer Nachwahl unter dem Motto "Volk gegen Establishment" erneut zur Wahl stellen. "Ich habe entschieden, dass die Menschen in Clacton-on-Sea die Richter über meine Handlungen sein sollen", sagte der 62-Jährige mit Blick auf den Wahlkreis in Südostengland, den er seit zwei Jahren als Abgeordneter im britischen Unterhaus vertritt.

Farage sieht sich mit Vorwürfen wegen nicht offengelegter Zuwendungen konfrontiert. Die "Sunday Times" hatte am Sonntag berichtet, ein wegen Betrugs verurteilter Krypto-Unternehmer habe vor Farages Einzug ins Parlament für dessen Sicherheit und Mitarbeiter gezahlt. Gegen Farage läuft bereits eine Untersuchung wegen der nicht deklarierten Millionenspende eines anderen Krypto-Milliardärs.

Mit dem Rücktritt Farages ruhen die parlamentsinternen Ermittlungen gegen ihn bis nach der geplanten Nachwahl. "Er wird wahrscheinlich ins Parlament zurückkehren, aber dann beginnt die Untersuchung erneut", sagte der Politikprofessor Tim Bale der Nachrichtenagentur AFP. 

Farages Partei Reform UK liegt derzeit in Umfragen vorn. Bei den Kommunalwahlen in England im Mai gewann sie fast 1500 Sitze. Bei einer wichtigen Nachwahl für einen Parlamentssitz im Nordwesten Englands im Juni unterlag ihr Kandidat allerdings deutlich dem Labour-Politiker Andy Burnham. Auch bei dieser Wahl war Graf Mülltonnengesicht angetreten und hatte 95 Stimmen (0,2 Prozent) erhalten.

Weitere Meldungen

Bundestag beschließt Gesetz zur Entlastung von Ländern und Kommunen

Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, durch das überschuldete Kommunen in den kommenden Jahren finanziell stärker unterstützt werden sollen. Die Abgeordneten votierten am

Mehr
Florida: Flughafen in Palm Beach nach Trump benannt

Wer nach Palm Beach im US-Bundesstaat Florida fliegt, landet künftig auf dem "President Donald J. Trump International Airport". Der Flughafen wenige Kilometer von Trumps Anwesen

Mehr
Staat zahlt künftig automatisch: Bundestag beschließt antragsloses Kindergeld

Der Bundestag hat den Weg für die Einführung des antragslosen Kindergelds frei gemacht. Das Parlament beschloss am Donnerstag in Berlin den entsprechenden Gesetzentwurf der

Mehr

Top Meldungen

Bundestags-Gutachten sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch Grüngasquote

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch die Grüngasquote im neuen Heizungsgesetz. Die Verfügbarkeit grüner Gase und Öle

Mehr
Hitzetote: Greenpeace will bessere Finanzierung von Hitzeschutz

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts der hohen Zahl an Todesfällen aufgrund der Hitzewelle Ende Juni drängt Greenpeace auf verstärkte Schutzmaßnahmen. "Wirksamer

Mehr
Betriebsrat und IG Metall machen mobil gegen drastische Sparpläne bei Volkswagen

Betriebsrat und Gewerkschaft bei Volkswagen machen mobil gegen "Brutalo-Pläne" des Vorstands: An allen VW-Standorten in Deutschland protestierten am Donnerstag

Mehr