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Berlin prüft Kauf türkischer Raketen als Tomahawk-Ersatz

  • dts - 11. Mai 2026, 02:00 Uhr
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Flugabwehrraketensystem (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, künftig keine weit reichenden Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland zu stationieren, arbeitet die Bundesregierung zusammen mit weiteren Nato-Partnern an neuen Lösungsansätzen, um die Sicherheit des europäischen Kontinents weiterhin zu gewährleisten.

Das berichtet die "Welt" in ihrer Montagausgabe unter Berufung auf mehrere informierte Diplomaten von EU und Nato. Demnach wird ein neuer Plan geprüft, wonach in einem Joint Venture zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen möglicherweise schon ab 2028 Tomahawk-Raketen in Deutschland produziert werden könnten. Vorbild wäre das bereits existierende Joint Venture zwischen dem deutschen Unternehmen MBDA aus dem bayerischen Schrobenhausen und dem US-Rüstungsunternehmen RTX, das künftig für die Nato dringend benötigte PAC-2-GEM-T-Flugkörper für das Patriot-System produzieren soll.

Parallel dazu wird in der Bundesregierung auch geprüft, zum Schutz der europäischen Nato-Staaten die türkische Interkontinentalrakete Yildirimhan mit einer Reichweite von bis zu 6.000 Kilometern und die Hyperschall-Langstreckenrakete Tayfun-Block-4 zu erwerben. Die noch in der Entwicklung befindliche Yildirimhan-Rakete könnte demnach frühestens ab dem Jahr 2028 ausgeliefert werden, kurze Zeit später dann auch die Tayfun-Block-4-Rakete, berichtet die "Welt" weiter unter Berufung auf informierte Kreise. Die Finanzierung der erwogenen Waffenkäufe in der Türkei wird wegen des zu erwartenden Widerstands aus Zypern und Griechenland - beide Staaten haben ein äußerst gespanntes Verhältnis zur Türkei - voraussichtlich nicht aus dem EU-Rüstungsprogramm SAFE erfolgen, das bis zu 150 Milliarden Euro an zinsgünstigen Darlehen für Verteidigungsinvestitionen enthält. In Nato-Kreisen werden zwei Optionen als realistischer geprüft: Entweder ein bilaterales Geschäft zwischen Deutschland und der Türkei, oder die Bundesregierung schmiedet unter der Führung Berlins eine kleinere Koalition der Willigen aus europäischen Staaten, die die künftigen Waffenkäufe aus der Türkei gemeinsam finanziert. Deutschland würde in diesem Fall die höchsten Kosten tragen. Endgültige Entscheidungen sind bisher weder mit Blick auf ein mögliches Joint Venture noch auf den Waffenkauf in der Türkei getroffen worden. Der Kauf von türkischen Raketensystemen könnte im Falle einer positiven Entscheidung bereits im Umfeld des Nato-Gipfels in Ankara im Juli bekannt gegeben werden.

Hintergrund: Im Sommer 2024 hatten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich in einer Absichtserklärung vereinbart, zur Abschreckung Russlands konventionelle Waffensysteme produzieren zu wollen, die eine Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern haben. Im Mai 2025 bekräftigten London und Berlin ihren Kooperationswillen bei der Entwicklung einer solchen Waffe. Experten gehen angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit (beispielsweise FCAS) jedoch davon aus, dass das Vorhaben noch viele Jahre dauern dürfte und zudem zu Spannungen zwischen den Teilnehmerstaaten führen könnte. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte am Wochenende der "Welt am Sonntag" gesagt, diese Bundesregierung arbeite jeden Tag dafür, Deutschlands Verteidigungsfähigkeit bestmöglich zu steigern. Darüber spreche man auch weiterhin intensiv mit den Alliierten in den USA. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte kürzlich im "heute journal" gesagt, dass man vor eineinhalb Jahren eine Anfrage an Washington gestellt habe, Tomahawks zu kaufen. Gleichzeitig räumte der Minister ein, dass er sich angesichts der aktuellen Weltlage nicht allzu große Hoffnung mache, die Marschflugkörper erwerben zu können.

Wie die "Welt" weiter unter Berufung auf Diplomaten berichtet, wird ein "maßgeblicher Teil" der aus Deutschland abgezogenen Soldaten aus dem bisher größten Luftfahrtdrehkreuz der Amerikaner außerhalb der USA stammen, das sich in Ramstein (Rheinland-Pfalz) befindet. Die US-Soldaten würden mittelfristig von Ramstein aus auf den Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogalniceanu (MK) in die Nähe von Constanta im Osten Rumäniens verlegt. Der Stützpunkt liegt nur knapp hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der rumänische Luftwaffenstützpunkt, wo derzeit neben rumänischen Kräften auch die US Army Garrison Black Sea stationiert ist, soll in den kommenden Jahren zur größten Nato-Luftwaffenbasis ausgebaut werden mit mindestens 10.000 US-Soldaten und ihren Familien. Das Drehkreuz wäre damit größer als Ramstein. Die Verlegung aus Deutschland nach Rumänien "macht angesichts der Bedrohungslage durch Russland absolut Sinn", heißt es übereinstimmend in informierten Diplomatenkreisen. Ein zweiter Teil der aus Deutschland abgezogenen Soldaten soll außerhalb Europas eingesetzt werden. Unklar ist noch, ob die rund 5.000 Soldaten, die aus Deutschland abgezogen werden sollen, für einen bestimmten Zeitraum zunächst in voller Stärke nach Amerika zurückgeholt werden oder ob sie direkt innerhalb und außerhalb Europas neu verteilt werden sollen.

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