Politik

IGBCE-Chef Vassiliadis warnt am Tag der Arbeit vor "sozialpolitischem Rollback"

  • AFP - 1. Mai 2026, 10:34 Uhr
Bild vergrößern: IGBCE-Chef Vassiliadis warnt am Tag der Arbeit vor sozialpolitischem Rollback
Demonstration der IG BCE
Bild: AFP

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, hat am Tag der Arbeit vor einem 'sozialpolitischen Rollback' in Deutschland gewarnt.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), Michael Vassiliadis, hat am Tag der Arbeit vor einem "sozialpolitischen Rollback" in Deutschland gewarnt. Es sei "eine Frechheit, mit welcher Dreistigkeit unsere hart erkämpften Arbeitnehmerrechte in den öffentlichen Debatten in Frage gestellt werden", erklärte er am Freitag. Angriffe auf Arbeitszeitregelungen, Arbeitsschutz oder soziale Sicherungssysteme würden auf den entschlossenen Widerstand der Gewerkschaften stoßen.

"Diese gesellschaftlichen Errungenschaften sind nicht verhandelbar", erklärte Vassiliadis. Die Beschäftigten seien nicht das Problem der aktuellen Wirtschaftskrise. Sie seien "die Leidtragenden". Die Arbeitgeberparole, alle müssten den Gürtel enger schnallen, "gilt wieder einmal nur für die Beschäftigten". Diese Entwicklung würden die Gewerkschaften nicht akzeptieren. 

Die schwere wirtschaftliche Krise, in der das Land stecke, sei nicht nur global bedingt, sondern "in Teilen auch hausgemacht", erklärte der IGBCE-Chef. Deutschland sei "systematisch kaputtgespart" worden. Fehlende Investitionen in Infrastruktur, aber auch in Unternehmen und Anlagen belasteten die Wettbewerbsfähigkeit zunehmend. "Wir verlieren Monat für Monat rund 10.000 gute, tarifgebundene Arbeitsplätze in der Industrie." Diese Entwicklung dürfe nicht weiter hingenommen werden.

Vassiliadis forderte von der Bundesregierung spürbare Entlastungen bei den Energiepreisen, massive Investitionen in Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen für Industrie und Beschäftigung. "Konstruktive Lösungsansätze gibt es mehr als genug – jetzt muss nicht mehr diskutiert, sondern gehandelt werden."

Auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, warnte vor "sozialen Kahlschlägen". Sie könnten vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Lage in Deutschland Bereiche wie die Bildung treffen, die dringend mehr Förderung bräuchten. "Das ist ein Abgesang auf originäre Aufgaben des Sozialstaates."

Deutschland sei ein reiches Land, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. "Mit einem gerechteren Steuer- und Abgabenwesen muss es gelingen, Reiche stärker in die gesellschaftliche Pflicht zu nehmen, die Sozialsysteme und ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem gut aus zu finanzieren", forderte Finnern. 

Weitere Meldungen

Hunderttausende Menschen zu CSD-Demonstration in München erwartet

In München werden am Samstag (12.00 Uhr) hunderttausende Menschen zur diesjährigen CSD-Demonstration erwartet. Die Demonstration für die Rechte sexueller Minderheiten zieht von

Mehr
Hausärzte werfen Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. "Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich", sagte

Mehr
Aus Furcht vor fremdenfeindlicher Gewalt: Südafrika unterstützt Malawier bei Ausreise

Aus Furcht vor einer Eskalation bei fremdenfeindlichen Protesten unterstützt Südafrika mehr als 15.000 Malawier bei der Ausreise aus dem Land. Es werde befürchtet, dass für

Mehr

Top Meldungen

Warken verteidigt Sparvorschläge für Pflegeversicherung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigt ihre Vorschläge zur Reform der Pflegeversicherung. "Dies ist keine Reform, die sich

Mehr
Bilger fordert Koalitions-Endspurt vor Sommerpause

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) fordert vor der parlamentarischen Sommerpause einen entschlossenen Endspurt der

Mehr
Schnitzer warnt vor Fehlern bei Kapitalrente

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, warnt Union und SPD davor, die Vorschläge der Alterssicherungskommission zur

Mehr