Finanzen

Mindestlohn-Erhöhung: Ökonom fürchtet Zunahme von Schwarzarbeit

  • dts - 2. Mai 2025
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Euromünzen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Schwarzarbeit könnte durch die Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland weiter zulegen. "Wenn der Mindestlohn tatsächlich auf 15 Euro steigt, dann steigt die Schwarzarbeit um 3 bis 5 Milliarden Euro, insbesondere in Ostdeutschland", sagte Friedrich Schneider, Schwarzarbeitsexperte und emeritierter Ökonomieprofessor der Johannes Kepler Universität Linz, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben).

Viele Betriebe würden es sich nicht mehr leisten können, diesen hohen Mindestlohn zu bezahlen. Sie würden versucht sein, Mitarbeitende zu geringeren Sätzen schwarz zu beschäftigen. Für 2025 beziffert Schneider den Wert, der durch Schwarzarbeit erzielt wird, in Deutschland auf 511 Milliarden Euro - dies entspricht etwa 11,5 Prozent des zu erwartenden Bruttoinlandproduktes. "In 2025 werden circa 6 bis 8 Millionen Menschen stundenweise schwarzarbeiten."

Schwarzarbeit sollte vor allem am Bau bekämpft werden, fordert Dominik Enste, Wirtschaftswissenschaftler vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). "Die Maßnahmen sollte sich gegen die Wirtschaftskriminalität richten, die im großen Stil stattfindet - auf Großbaustellen, mit systematischer Ausbeutung und auf die Bekämpfung der Steuerhinterziehung", sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Geltenden Regeln müssten systematisch verfolgt und durchgesetzt werden.

Die Industriegewerkschaft IG BAU fordert vor allem mehr Kontrollen. "Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit muss erheblich ausgeweitet werden", sagte der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger, den Zeitungen. Die Gewerkschaft forderte schon vor zwei Jahren eine Verdoppelung des Zollpersonals auf 16.000 Beschäftigte. "Neuere Zahlen liegen leider nicht vor, wir wissen aber, dass es bislang zu keiner nennenswerten Aufstockung kam", so Feiger. "Nur so kann man das Problem ernsthaft angehen, um der Schwarzarbeit und dem Mindestlohnbetrug an den Kragen zu gehen."

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