Motor

Wasserstoff als Kraftstoff - Preissprung an der Zapfpistole

  • Holger Holzer/SP-X - 21. August 2024, 14:58 Uhr
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Wer Wasserstoff tanken will, muss mittlerweile in der Regel deutlich mehr als bisher für das Gas zahlen Foto: Hyundai

Immer noch hoffen viele E-Auto-Skeptiker auf das Brennstoffzellenauto. Kraftstoffkosten sparen ließe sich mit der Technik aber wohl kaum.

Wasserstoff wird gerne als „Champagner der Energiewende“ bezeichnet. Förderer des Energieträgers wollen damit seinen herausragenden Wert für den Umbau des Energiesystems unterstreichen, Spötter betonen eher die Analogie beim Preis. Fahrer von Brennstoffzellenautos können darüber zurzeit wohl nicht so recht lachen.

Jahrelang gab es das Kilogramm Wasserstoff an den rund 80 deutschen Tankstellen zum Einheitspreis von 10 Euro. Grob gerechnet reicht ein Kilo des Gases für rund 100 Kilometer, was die das Brennstoffzellenauto im Vergleich zu einem Benziner oder Diesel wettbewerbsfähig - in vielen Fällen sogar günstiger - gemacht hat. Zumindest, was die Kraftstoffkosten angeht.

Seit Ende 2023 ist die Kostenrechnung für H2-Nutzer deutlich komplizierter. Im Oktober hatte der Tankstellenbetreiber H2Mobility das statische Preismodell durch ein dynamisches ersetzt. Tankkunden zahlen nun nicht mehr an allen Zapfsäulen den Einheitspreis, sondern an jeder Tankstelle einen individuellen. Wie hoch der ist, richtet sich vor allem nach der Größe der Tankstelle, dem Druckniveau und dem regionalen Wasserstoffangebot. Zudem wird nach der CO2-Bilanz des Wasserstoffs unterschieden: Grauer Wasserstoff, vornehmlich aus Erdgas gewonnen, ist 20 bis 40 Prozent teurer als grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.

Das neue Preismodell soll Anreize für die Nutzung von umweltfreundlichem, grünem Wasserstoff schaffen. Mangels Verfügbarkeit des sauberen Gases sorgt er zunächst aber vor allem für eine Verteuerung. Einer Stichprobe auf der Online-Karte von H2Mobility zufolge verlangen die Tankstellen im Rheinland meist knapp 16 Euro bis 17 Euro, wer es bis ins Münsterland schafft, kommt mit knapp 13 Euro aus. In Regionen mit dünnem Tankstellennetz, etwa in Hannover und Braunschweig geht der Preis auch mal Richtung 18 Euro. Im österreichischen Graz werden sogar 24 Euro fällig.

Betrachtet man die reinen Kraftstoffkosten, lohnt ein Brennstoffzellenauto für Pkw-Fahrer nicht. Während 100 Kilometer mit dem Wasserstoffmobil nur in Einzelfällen für weniger als 16 Euro machbar sind, kostet die gleiche Distanz im Diesel aktuell gut 12 Euro und im Benziner knapp 15 Euro. Am günstigsten fährt man mit dem zuhause geladenen Elektroauto, das auf Beträge zwischen 5 und 6 Euro kommt.

Deutlich verbessern wird sich der Kostennachteil für das Brennstoffzellenauto gegenüber dem E-Auto auf absehbare Zeit eher nicht. Auch nicht, wenn grüner Wasserstoff irgendwann einmal tatsächlich in ausreichender Menge für den Individualverkehr zur Verfügung stehen sollte. Denn der Effizienznachteil gegenüber dem direkten Nutzen von elektrischer Energie für den Antrieb dürfte nur schwer aufzuholen sein. Benziner und Diesel hingegen werden das Wasserstoffauto wohl in den kommenden Monaten und Jahren bei den Kosten überholen.

Betroffen vom aktuellen Preissprung sind nur relativ wenige Fahrzeughalter. Seit 2022 sind gerade einmal rund 900 entsprechende Pkw in Deutschland zugelassen worden. Die Zahl dürfte sich mangels Angebot zunächst auch nicht groß erhöhen. Im globalen Maßstab sieht das nicht besser aus: Laut Daten der koreanischen Unternehmensberatung SNE Research kamen dieses Jahr in den ersten sechs Monaten weltweit 5.621 Wasserstofffahrzeuge neu auf die Straße, was einem Rückgang von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Sollte Wasserstoff über den Umweg Lkw-Verkehr doch noch zu einem halbwegs günstigen und gut verfügbaren Kraftstoff entwickeln, könnte das langfristig noch einmal anders aussehen. Anzeichen dafür gibt es aktuell allerdings kaum.

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