Politik

Antisemitismusvorwürfe nach Preisverleihung auf Berlinale

  • AFP - 25. Februar 2024, 23:44 Uhr
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US-Filmemacher Russell mit Palästinensertuch
Bild: AFP

Nach der Berlinale-Preisverleihung sind Antisemitismus-Vorwürfe geäußert worden. Hintergrund ist unter anderem ein Auftritt des Filmemachers Ben Russell, der Genozid-Vorwürfe gegen Israel erhob.

Nach der Berlinale-Preisverleihung sind Antisemitismus-Vorwürfe geäußert worden. Hintergrund ist unter anderem ein Auftritt des Filmemachers Ben Russell am Samstag. Dieser ging bei der Veranstaltung mit einem Palästinensertuch auf die Bühne und äußerte Genozid-Vorwürfe wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Dabei wurde vom Publikum applaudiert. Die Veranstalter des Filmfestivals distanzierten sich am Sonntag von den Äußerungen und gaben zudem bekannt, dass ein Instagram-Kanal der Berlinale gehackt worden sei.

"Das was gestern auf der Berlinale vorgefallen ist, war eine untragbare Relativierung", schrieb Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zu dem Vorfall im Internetdienst X (früher Twitter). "In Berlin hat Antisemitismus keinen Platz, und das gilt auch für die Kunstszene", stellte er klar. "Ich erwarte von der neuen Leitung der Berlinale, sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen."

"Nach den Ereignissen von Samstag müssen wir hinterfragen, ob das so bleiben kann, wie wir damit in Zukunft umgehen", sagte die FDP-Obfrau im Bundestags-Kulturausschuss, Anikó Glogowski-Merten, dem Portal The Pioneer. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sprach auf X von einer "perfiden Täter-Opfer-Umkehr". Von einer "Schande" sprach dort CSU-Generalsekretär Martin Huber. Er kritisierte auch Kultur-Staatsministerin Claudia Roth (Grüne), weil diese nicht eingegriffen habe.

Die Veranstalter des Filmfestivals erklärten, die Äußerungen der Preisträger und Preisträgerinnen seien unabhängige individuelle Meinungen und gäben "in keiner Form die Haltung des Festivals wieder". Solange sie sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen bewegten, müssten sie akzeptiert werden, hieß es in einer Mitteilung. 

Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek habe in ihrer Rede auf der Bühne die mörderische Attacke der Hamas vom 7. Oktober verurteilt und die Freilassung der Geiseln gefordert sowie an das Leid aller Opfer der Gewalt in Israel und in Gaza erinnert, hieß es weiter. Mit diesem Statement habe sich die Leitung eindeutig positioniert. Die Berlinale verstehe aber die Empörung, dass die Äußerungen einiger Preisträger als zu einseitig empfunden worden seien.

Vorwürfe gab es auch gegen den palästinensischen Filmemacher Basel Adra, dessen Film "No other Land" den Panorama-Publikumspreis in der Kategorie Dokumentarfilme erhielt. Adra wandte sich demnach gegen deutsche Waffenlieferungen an Israel. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober sei jedoch auf der Veranstaltung nicht erwähnt worden. Der Film "No other Land" befasst sich mit der Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern aus Dörfern im Westjordanland durch die israelische Armee. 

Nach Angaben der Festivalleitung wurde am Sonntag der Instagram-Kanal der Berlinale-Sektion Panorama gehackt. Dort seien Statements zum Nahost-Krieg veröffentlicht worden, die nicht vom Festival stammten und auch nicht die Haltung der Berlinale repräsentierten, erklärte die Leitung des Festivals weiter. Die Posts seien sofort gelöscht worden, die Berlinale habe Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. "Dass jemand einen Berlinale Social Media Kanal für antisemitische Hetze missbraucht, ist unerträglich", erklärte das Festival.

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