Brennpunkte

US-Angriffe auf Huthi-Stellungen im Jemen - Furcht vor Umweltkatastrophe wegen Ölteppichs

  • AFP - 25. Februar 2024, 13:22 Uhr
Bild vergrößern: US-Angriffe auf Huthi-Stellungen im Jemen - Furcht vor Umweltkatastrophe wegen Ölteppichs
Ölteppich im Roten Meer nach Huthi-Angriff auf Frachter
Bild: AFP

Die USA und Großbritannien haben erneut Stellungen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen bombardiert. Derweil löste ein riesiger Ölteppich am Roten Meer rund um einen von den Huthis angegriffenen Frachter Angst vor einer Umweltkatastrophe aus.

Die USA und Großbritannien haben erneut Stellungen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen bombardiert. Die Angriffe am späten Samstagabend hätten sich gegen 18 Huthi-Ziele an acht verschiedenen Orten gerichtet, erklärten die US-Streitkräfte. Der Iran verurteilte die Angriffe und warnte vor einer "Eskalation". Derweil löste ein riesiger Ölteppich im Roten Meer rund um einen von den Huthis angegriffenen Frachter Angst vor einer Umweltkatastrophe aus.

Bei den erneuten Angriffen seien unter anderem unterirdische Waffenlager, Raketenlager, Angriffsdrohnen, Luftabwehrsysteme und ein Hubschrauber ins Visier genommen worden seien, hieß es in der US-Erklärung weiter. Damit sollten die Fähigkeiten der Miliz geschwächt werden, ihre Angriffe auf Handelsschiffe in der Region fortzusetzen. 

Laut einer gemeinsamen Erklärung wurden die Angriffe der USA und Großbritanniens von Australien, Bahrain, Dänemark, Kanada, den Niederlanden und Neuseeland unterstützt. Die mittlerweile "mehr als 45 Angriffe der Huthis auf Handels- und Marineschiffe seit Mitte November" seien eine Bedrohung für die Weltwirtschaft sowie die regionale Sicherheit und Stabilität und erforderten "eine internationale Reaktion", hieß es darin.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte, die USA würden weiterhin "nicht zögern, Maßnahmen zu ergreifen, um Leben und den freien Handel zu verteidigen". Die Huthis würden die "Konsequenzen" für ihre "illegalen Angriffe" zu spüren bekommen.

Der von den Huthis betriebene Fernsehsender Al-Masirah berichtete seinerseits von "einer Reihe von Angriffen auf die Hauptstadt Sanaa". Ein AFP-Reporter hörte laute Explosionen in der von der islamistischen Miliz kontrollierten Stadt. Ein Huthi-Sprecher sagte, die Angriffe der Huthis würden weitergehen, bis der Gazakrieg beendet werde.

Der Iran verurteilte am Sonntag die jüngsten Angriffe der USA und Großbritanniens gegen die Huthis. Sie würden nur beabsichtigen, "die Spannungen und Krisen in der Region zu eskalieren", erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanani, am Sonntag. Krieg und Instabilität würden so auf die gesamte Region ausgeweitet.

Derweil wächst die Furcht, dass es am Roten Meer zu einer Umweltkatastrophe kommen könnte. Der mit 41.000 Tonnen brennbarem Dünger beladene Frachter "Rubymar" war am vergangenen Sonntag von den Huthis im Golf von Aden mit mehreren Raketen beschossen worden. Nach Angaben des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos (Centcom) liegt das Schiff zwar vor Anker, läuft aber allmählich mit Wasser voll und hat mittlerweile einen rund 29 Kilometer langen Ölteppich gebildet. Die Dünger-Ladung laufe ins Meer aus und "könnte die Umweltkatastrophe verschlimmern", erklärte Centcom im Onlinedienst X, vormals Twitter. 

Der Betreiber Blue Fleet des unter der Flagge von Belize fahrenden Schiffes sagte der AFP, die "Rubymar" laufe zwar derzeit keine Gefahr zu sinken, es bestehe aber "jederzeit die Möglichkeit". Das Schiff soll demnach unverzüglich nach Dschibuti abgeschleppt werden.

Der Schaden an der "Rubymar" ist der bisher folgenschwerste an einem Handelsschiff, seit die Huthis im November mit ihren Angriffen auf Frachter im Roten Meer und im Golf von Aden begonnen haben. Die vom Iran unterstützte Miliz hat seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas im Oktober ihre Angriffe auf der für den Welthandel wichtigen Seeroute verstärkt, über die normalerweise zwölf Prozent des weltweiten Seehandels abgewickelt werden. Viele Reedereien meiden deswegen mittlerweile die Strecke.

Die Huthis sehen sich als Teil der gegen Israel gerichteten und vom Iran unterstützten "Achse des Widerstands", zu der neben der Hamas unter anderem auch die Schiiten-Miliz Hisbollah im Libanon gehört. Als Antwort auf die Huthi-Attacken führen die Streitkräfte der USA wie Großbritanniens ihrerseits Angriffe auf islamistische Miliz aus.

Die EU will derweil mit ihrer neuen Mission "Aspides" die Schifffahrt in der Region schützen. Die deutsche Fregatte "Hessen" ist nach Angaben der Bundeswehr inzwischen im Einsatzgebiet eingetroffen. Der Bundestag hatte das Mandat zur Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission am Freitag gebilligt. Dem Mandat zufolge kann sich die Bundeswehr mit bis zu 700 Soldatinnen und Soldaten an der Mission beteiligen.

Weitere Meldungen

Besuch mit vielen Konfliktthemen: Scholz nach China aufgebrochen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist am Samstag zu seinem Besuch in China aufgebrochen. Er startete am Nachmittag mit einer Regierungsmaschine und einer Wirtschaftsdelegation an

Mehr
Deutschland liefert weitere "Patriot"-Einheiten an Ukraine

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Deutschland liefert eine weitere Einheit des Flugabwehrraketen-Systems "Patriot" an die Ukraine. Aufgrund der weiteren Zunahme der russischen

Mehr
BKA-Chef Münch fordert Speicherung von IP-Adressen für zwei bis drei Wochen

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, hat die Ampel-Regierung zu einer Ausweitung der Datenspeicherung zur Verbrechensbekämpfung aufgefordert. Die jüngste

Mehr

Top Meldungen

Handelsexperte misstraut Galeria-Investoren

Essen (dts Nachrichtenagentur) - Der Handelsexperte Carsten Kortum zweifelt an der Ankündigung der neuen Galeria-Kaufhof-Investoren, einen Großteil der Warenhäuser erhalten zu

Mehr
Streit um Mieterschutz schwelt weiter

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die SPD wirft der FDP beim Mieterschutz eine Missachtung des gemeinsamen Koalitionsvertrags vor. "Dass die FDP sich im Mietrecht derzeit nicht an

Mehr
Handwerkspräsident sieht grundsätzliche Differenzen mit Scholz

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Handwerkspräsident Jörg Dittrich sieht nach einem Gespräch der Spitzenverbände der Wirtschaft mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) weiter

Mehr