Brennpunkte

Tausende trauern in Norditalien um die von ihrem Ex-Freund getötete Giulia

  • AFP - 5. Dezember 2023, 17:26 Uhr
Bild vergrößern: Tausende trauern in Norditalien um die von ihrem Ex-Freund getötete Giulia
Vor der Basilika Santa Giustina in Padua
Bild: AFP

In Italien haben Tausende der von ihrem Ex-Freund ermordeten Studentin Giulia Cecchettin die letzte Ehre erwiesen. 'Giulias Leben wurde auf grausame Weise genommen, aber ihr Tod kann und muss ein Wendepunkt sein', sagte Giulias Vater Gino Cecchettin.

Im norditalienischen Padua haben tausende Menschen am Dienstag der von ihrem Ex-Freund getöteten Studentin Giulia Cecchettin die letzte Ehre erwiesen. Studierende, Politiker und andere Italienerinnen und Italiener kamen zur Beerdigung der 22-Jährigen, um ihre Solidarität mit den Angehörigen des Opfers zu zeigen. "Giulias Leben wurde auf grausame Weise genommen, aber ihr Tod kann und muss ein Wendepunkt sein, um die schreckliche Plage der Gewalt gegen Frauen zu beenden", sagte Giulias Vater Gino Cecchettin in seiner Trauerrede.

Die Biomedizintechnik-Studentin Giulia Cecchettin war im vergangenen Monat von ihrem Ex-Freund, ihrem Kommilitonen Filippo Turetta, erstochen worden. Turetta hat die Tat nach Angaben seines Anwalts vor einem Richter gestanden. Die Tötung der nur wenige Tage vor ihrem Universitätsabschluss stehenden Studentin hatte in Italien tagelang für Schlagzeilen gesorgt und eine Diskussion über die anhaltende Gewalt gegen Frauen im Land ausgelöst.

Unter grauem Himmel brachten Sargträger den mit Rosen bedeckten Sarg zur Trauerzeremonie in die Basilika Santa Giustina, an der auch der italienische Justizminister Carlo Nordio teilnahm. Tausende versammelten sich auf dem Platz vor der Basilika. Italienische Nachrichtensender übertrugen die Beerdigung live im Fernsehen. 

"In dieser Zeit der Trauer und des Schmerzes müssen wir die Stärke finden, zu reagieren und eine Tragödie in einen Anstoß für Veränderung zu verwandeln", sagte Giulias Vater. Er forderte Männer auf, "die Kultur in Frage zu stellen, die dazu neigt, Gewalt von Männern, die normal erscheinen, zu verharmlosen".  

Turetta hatte Giulia Cecchettin am 11. November nach einem Streit entführt und war in seinem Auto geflüchtet. Nach tagelanger Fahndung wurde er nahe Leipzig gefasst - einen Tag, nachdem Cecchettins Leiche in einer Schlucht am Barcis-See etwa 120 Kilometer nördlich von Venedig gefunden worden war. Laut Autopsiebericht war rund 20 Mal auf Hals, Kopf und den restlichen Körper der 22-Jährigen eingestochen worden.

"Wir alle hätten Giulia sein können, ich, meine Schwester, eine Freundin", sagte die 29-jährige Studentin Angela Russo vor der Basilika der Nachrichtenagentur AFP. "Wir können es nicht mehr ertragen", fuhr sie fort. 

Nach dem grausamen Tod Giulias gingen zum internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November hunderttausende Menschen auf die Straßen Roms, Mailands und anderer italienischer Städte. Das italienische Parlament verabschiedete ein Gesetzespaket, das bestehende Gesetze zum Schutz von Frauen stärken soll. Kritiker halten jedoch einen kulturellen Wandel für erforderlich. 

Nach Angaben des Innenministeriums wurden in diesem Jahr bis zum 26. November 107 Frauen in Italien ermordet, 88 davon von Familienmitgliedern oder aktuellen beziehungsweise Ex-Partnern. Eine uneinheitliche Datenlage zu Femiziden erschwert den Vergleich mit anderen europäischen Ländern. 

Weitere Meldungen

Strack-Zimmermann kritisiert Scholz für Absage an Taurus-Lieferung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für seine Erklärung zur

Mehr
Umweltschützer: Englische Flüsse in "hoffnungslosem Zustand"

Die Flüsse in England sind nach Angaben einer Umweltschutzorganisation in einem "hoffnungslosen Zustand". Aufgrund der Verschmutzung durch Abwässer, Pestizide oder Plastik aus der

Mehr
Ungarns Parlament wählt Verfassungsrichter Tamas Sulyok zum neuen Staatschef

Ungarn hat einen neuen Präsidenten: Das Parlament in Budapest hat am Montag den bisherigen Verfassungsrichter Tamas Sulyok zum neuen Staatschef gewählt. Der 67-Jährige legte

Mehr

Top Meldungen

SPD-Fraktion kritisiert Habecks CCS-Gesetzentwurf

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die SPD-Fraktion hat den Gesetzentwurf zur Speicherung von Kohlendioxid (CCS) von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kritisiert.

Mehr
Polnische Bauern setzen Blockade von Grenzübergang Slubice fort

Polnische Bauern haben ihre Blockade des Autobahngrenzübergangs Slubice nahe Frankfurt an der Oder am Montag fortgesetzt. Sie protestieren gegen Getreideimporte aus der Ukraine

Mehr
FDP will Unternehmen Entscheidung über CCS-Einsatz überlassen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die FDP hat die Eckpunkte einer CCS-Strategie zur Speicherung von CO2 begrüßt und will den Unternehmen die Entscheidung überlassen, ob sie CCS

Mehr