Inmitten tödlicher russischer Angriffe auf die Ukraine haben die USA neue Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew angekündigt. Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA würden sich am 10. und 11. November zu Gesprächen im Golfemirat Abu Dhabi treffen, teilte der US-Sondergesandte Steve Witkoff am Montag (Ortszeit) im Onlinedienst X mit. Derweil meldeten die ukrainischen Behörden 26 Tote bei russischen Angriffen auf ein Dorf im Südosten der Ukraine.
Die Dreiergesprächen sollen den seit Monaten stockenden Friedensbemühungen neuen Schwung verleihen, sagte Witkoff weiter. Die USA würden die "Verhandlungen auf Arbeitsebene zwischen der Ukraine und Russland moderieren". Damit werde die "Mission" von US-Präsident Donald Trump zur Beendigung des Krieges vorangetrieben.
Im Zentrum der Gespräche stehen laut Witkoff "Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Maßnahmen sowie weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden". Er fügte hinzu, dass die US-Unterhändler in dieser Woche zudem in Brüssel auch mit Vertretern aus Europa und der Nato zusammentreffen würden.
Zuletzt hatten sich Delegationen aus Russland, der Ukraine und den USA Mitte Februar zu Gesprächen in der Schweiz getroffen. Ein Durchbruch blieb bislang aus. Zugleich wächst in Kiew und bei seinen europäischen Verbündeten die Sorge, dass sich Trump in dem Konflikt zunehmend Moskau annähert.
Ungeachtet der Bemühungen um ein Kriegsende setzte Russland seine Angriffe auf ukrainische Orte fort. In Komyschuwacha in der Region Saporischschja habe es durch mehrere russische Angriffe mindestens 26 Todesopfer gegeben, teilte der örtliche Gouverneur Mychailo Semikin am Montag im Onlinedienst Telegram mit.
Nach Angaben des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj zielten die Angriffe auf eine Schule ab, die zu "humanitären Zwecken" genutzt worden sei. Das Dorf in der Region Saporischschja sei seit dem Morgen wiederholt von Bomben getroffen worden, erklärte Selenskyj in Onlinediensten.
"Menschen haben dort humanitäre Hilfe erhalten", teilte er hinsichtlich der getroffenen Schule mit. Jeden Montag seien dort Hilfsgüter ausgegeben worden. Die Angriffe seien genau in dem Moment erfolgt, als die ersten Menschen dort eintrafen. Ein zweiter Luftangriff habe einem Schutzraum gegolten, in dem sich Menschen in Sicherheit gebracht hätten, fügte Selenskyj hinzu.
Von ukrainischen Rettungsdiensten veröffentlichte Bilder zeigten ein Gebäude, das in Schutt und Asche lag, sowie Rettungskräfte, die vor Ort im Einsatz waren. Unter den Getöteten sind Gouverneur Semikin zufolge "ein Polizeibeamter und zwei Rettungskräfte des staatlichen Rettungsdienstes".
Selenskyj bezeichnete die Angriffe als "entsetzlich". Sie würden zudem die Hoffnungen zerstören, dass mit Russland "Fortschritte hin zum Frieden" möglich seien.
"Nach der humanitären Operation in Oleschky gab es einen Moment, an dem die nächsten Schritte hätten zeigen können, dass Fortschritte hin zum Frieden möglich sind", erklärte Selenskyj. "Mit diesen Tötungen sendet Russland ein komplett gegensätzliches Signal aus: Russland setzt auf mehr Tötungen."
Im Ukraine-Krieg war am Sonntagabend eine sechstägige Feuerpause in der südukrainischen Stadt Oleschky in der Region Cherson ausgelaufen. Wenige Stunden später nahm Russland seine Angriffe in der Region nach ukrainischen Angaben wieder auf.
Auch Russland meldete neue ukrainische Angriffe. In der Nacht zu Dienstag seien 493 Drohnen auf die Hauptstadt Moskau zugesteuert, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin im Onlinedienst Telegram mit. Die meisten von ihnen wurden demnach in größerer Entfernung von Moskau abgeschossen. 187 Drohnen seien dagegen abgewehrt, "als sie sich Moskau näherten", erklärte Sobjanin.
Unterdessen kündigten Frankreich und Großbritannien für den 9. November - kurz vor den geplanten Dreiergesprächen in Abu Dhabi - die erste Übung einer multinationalen Ukraine-Truppe in Polen an. An der Übung Koalicja (Polnisch für "Koalition") beteiligen sich bis zum 22. November rund 2800 Soldaten aus zehn europäischen Ländern, wie Paris und London am Dienstag gemeinsam mitteilten. Darunter sind demnach auch Soldaten aus Deutschland.
Die Übung findet laut der Erklärung in der Umgebung der etwa hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Stadt Nowa Deba statt. Ziel der Übung sei es zu testen, wie schnell und effektiv die Multinationale Truppe für die Ukraine (Multinational Force - Ukraine, MNF-U) verlegt werden könne, erklärten die Verteidigungsministerien beider Länder.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der ukrainische Staatschef Selenskyj und der damalige britische Premierminister Keir Starmer hatten Anfang des Jahres im Zuge eines Treffens der sogenannten Koalition der Willigen in Paris eine Absichtserklärung über die Entsendung einer solchen multinationalen Ukraine-Truppe unterzeichnet. Die Grundvoraussetzung dafür ist ein Abkommen mit Russland über einen Waffenstillstand.
Brennpunkte
Inmitten russischer Angriffe: USA kündigen neue Dreiergespräche über Ukraine-Krieg an
- AFP - 3. November 2026, 06:56 Uhr
Inmitten tödlicher russischer Angriffe auf die Ukraine haben die USA neue Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew angekündigt. Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA würden sich am 10. und 11. November zu Gesprächen in Abu Dhabi treffen, teilte der US-Gesandte Witkoff mit.
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