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Einsturz von Häusern in Marseille mit acht Toten: Berufungsprozess hat begonnen

  • AFP - 2. November 2026, 15:11 Uhr
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Der Unglücksort in Marseille
Bild: AFP

Acht Jahre nach dem spektakulären Einsturz zweier baufälliger Häuser im Zentrum von Marseille mit acht Toten hat in der südfranzösischen Stadt der Berufungsprozess begonnen. Zu den 15 Angeklagten zählen mehrere Wohnungsbesitzer, die Renovierungen verzögert haben sollen.

Acht Jahre nach dem spektakulären Einsturz zweier baufälliger Häuser im Zentrum von Marseille mit acht Toten hat in der südfranzösischen Stadt am Montag der Berufungsprozess begonnen. Zu den 15 Angeklagten zählen mehrere Wohnungsbesitzer, denen vorgeworfen wird, dringend nötige Renovierungsarbeiten absichtlich verzögert zu haben. Zwei von ihnen waren in erster Instanz zu je vier Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, verurteilt worden.

Ein Architekt, der die betroffenen Häuser drei Wochen vor dem Einsturz noch begutachtet hatte, war wegen grober Fahrlässigkeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte nicht einmal den Keller der Häuser betreten und gravierende Mängel übersehen. Auf Grund seines Gutachtens hatten die Bewohner nach einer früheren Warnung wieder in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen.

Auch der damalige städtische Beauftragte für renovierungsbedürftige Häuser war zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Wohnungsbaugesellschaft Marseille Habitat, ihr damaliger Chef und drei Wohnungseigentümer waren freigesprochen worden. Die Angehörigen der Opfer hatten die Strafen als zu gering kritisiert. 

Im ersten Verfahren war festgestellt worden, dass der Einsturz der Häuser angesichts ihres Zustands unvermeidlich gewesen war. "Menschenunwürdige Wohnverhältnisse töten und zerstören immer noch viel zu viele Leben: Sie dürfen nicht straflos bleiben", betonte der linke Bürgermeister Benoît Payan kurz vor Beginn des Berufungsverfahrens. In Marseille gibt es noch immer zahlreiche renovierungsbedürftige Wohnungen. Derzeit sind etwa 470 Menschen in Ausweichquartieren untergebracht, weil ihre Häuser einsturzgefährdet sind. 

Das Drama im November 2028 hatte in Frankreich eine Schockwelle ausgelöst und ein Schlaglicht auf den schlechten Bauzustand vieler Wohnhäuser in Marseille und anderswo geworfen. Die Bewohner der betroffenen Häuser hatten zuvor mehrfach verdächtige Geräusche und Risse gemeldet und vergeblich Renovierungen gefordert.

Einer der Überlebenden hatte kurz vor dem Einsturz noch ein Video gedreht, das die Risse in den Wänden zeigt, die sich innerhalb weniger Stunden dramatisch vertieft hatten. Im Hintergrund ist zu hören, wie jemand heftig an eine Tür schlägt - vermutlich sein Nachbar, der kurz zuvor seine Mutter angerufen hatte, weil seine Tür blockiert war. Er überlebte den Einsturz nicht. Die beiden Häuser stürzten innerhalb weniger Sekunden ein. 

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