Wirtschaft

Studie: Deutsche Industrie hat seit 2019 fast halbe Million Stellen gestrichen

  • AFP - 19. Oktober 2026, 10:27 Uhr
Bild vergrößern: Studie: Deutsche Industrie hat seit 2019 fast halbe Million Stellen gestrichen
Volkswagen-Sitz in Wolfsburg
Bild: AFP

Die Industrieunternehmen in Deutschland haben einer Studie zufolge seit 2019 fast eine halbe Million Arbeitsplätze abgebaut - vor allem traditionell wichtige Branchen wie die Automobilindustrie schrumpften.

Die Industrieunternehmen in Deutschland haben einer Studie zufolge seit 2019 fast eine halbe Million Arbeitsplätze abgebaut - vor allem in traditionell wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie. Ende 2025 arbeiteten in der deutschen Industrie 7,1 Prozent oder 496.000 Menschen weniger als zu Beginn des Jahres 2019, wie die Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts am Montag mitteilte. Neue Stellen entstanden im Dienstleistungssektor.

"In fast allen Industriebranchen schrumpft die Beschäftigung, was eine Folge abnehmender Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber China sein dürfte", erklärte der stellvertretende Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Joachim Ragnitz. "Besonders hart trifft es die traditionellen deutschen Kernbranchen, wie Autoindustrie und Maschinenbau."

Den Angaben nach strichen Autoindustrie und ihre Zulieferer 123.500 Stellen, Hersteller von Metallerzeugnissen 115.600 Stellen. Die Maschinenbauunternehmen bauten 64.500 Arbeitsplätze ab. Allein diese drei Branchen machten 60 Prozent des Stellenabbaus aus, erklärte Ragnitz.

Der Dienstleistungssektor legte laut Ifo-Institut hingegen kräftig um 2,2 Millionen Stellen zu. Im Gesundheitswesen entstanden demnach 391.000 neue Arbeitsplätze, im Sozialwesen samt Pflegeheimen 357.000 Stellen. Ringnatz begründete dies vor allem mit der alternden Bevölkerung. In der öffentlichen Verwaltung wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 329.000 - dies lag der Studie zufolge allerdings teils daran, dass Stellen von ausscheidenden Beamten mit Angestellten neu besetzt wurden.

Ringnatz sprach von einem "verschärften Strukturwandel" in Deutschland. "Ausgerechnet die Branchen schrumpfen, die bisher unseren Wohlstand getragen haben", erklärte er. "Die neuen Jobs entstehen meist nicht dort, wo Deutschland besonders produktiv und innovativ ist. Das kann unser Wachstumspotenzial künftig bremsen."

Die Studie vergleicht laut Ifo-Institut die Stichtage 31. Dezember 2018 und 31. Dezember 2025. Die Ifo-Forscherinnen und -Forscher gründen ihre Berechnungen demnach auf der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), die alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erfasst. Selbstständige, Beamte und Minijobber gehen in die BA-Statistik nicht ein.

Weitere Meldungen

Eine halbe Million Industriearbeitsplätze seit 2019 verloren

Dresden (dts Nachrichtenagentur) - Die deutsche Industrie hat seit 2019 knapp eine halbe Million sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Das zeigt eine neue Studie

Mehr
Studie: Kaufkraft der Deutschen wieder gestiegen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Kaufkraft der Deutschen ist zuletzt wieder gestiegen - die Menschen können sich mit ihrem Einkommen wieder mehr leisten. Das geht aus dem

Mehr
Frauen in Führungsetagen weiterhin deutlich unterrepräsentiert

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Frauen sind in den deutschen Führungsetagen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Während im Jahr 2025 rund 1,31 Millionen Männer in

Mehr

Top Meldungen

Auftragsbestand der Industrie im August gestiegen

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Der reale Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im August 2026 gegenüber Juli saison- und kalenderbereinigt um 0,5

Mehr
Blackrock warnt vor KI-Rückstand Europas

New York (dts Nachrichtenagentur) - Blackrock-Chef Larry Fink spricht sich gegen eine Verlangsamung des Wettrennens um Künstliche Intelligenz (KI) aus. Den Ausbau von

Mehr
Bericht: VW will Gehälter bis 2030 einfrieren

Wolfsburg (dts Nachrichtenagentur) - Volkswagen plant offenbar einen weiteren drastischen Schritt, um Kosten zu senken. Der größte europäische Autokonzern will wohl für viele

Mehr