Mehr als 100 israelische Siedler haben am Dienstag ein Dorf im besetzten Westjordanland attackiert. Bei dem Angriff auf das Dorf Dschalud im Norden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben der israelischen Armee zwei Häuser in Brand gesetzt und drei israelische Polizisten verletzt. Die Polizei teilte mit, sie habe einen Verdächtigen festgenommen und zwei Minderjährige zum Verhör mitgenommen.
Die Siedler attackierten das Dorf, als die israelische Armee versuchte, eine palästinensische Familie zurück zu ihrem Haus in Dschalud zu bringen, aus dem sie vor zwei Monaten von Siedlern vertrieben worden war. Mehr als 100 Siedler hätten versucht, die Rückkehr der Familie zu verhindern, erklärte die Armee. Die Angreifer hätten Straßen blockiert, Reifen angezündet, Steine geworfen sowie Häuser und Fahrzeuge von Palästinensern in Brand gesetzt. Drei israelische Polizisten wurden dabei leicht verletzt.
Die palästinensische Familie konnte letztlich nicht in das Dorf zurückkehren. Mahmud al-Tubasi, ein Mitglied der Familie, sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Familie sei vor mehr als zwei Monaten aus ihrem Zuhause vertrieben worden. Seitdem hätten Siedler das Haus besetzt gehalten.
Am Dienstag sei er nun mit seiner Frau und seinem Sohn mit dem Auto zurück nach Dschalud gefahren, in Begleitung von zwei Armee-Fahrzeugen. Bei ihrer Ankunft seien sie von den Siedlern angegriffen worden, berichtete al-Tubasi. Die Soldaten hätten die Angreifer mit Pfefferspray zurückgedrängt.
Die eng mit Israel verbündeten USA verurteilten am Dienstag "kriminelle Gewalt" gleich von welcher Seite im Westjordanland. Washington unterstütze "angemessene Ermittlungen", Rechenschaftspflicht sowie juristische Verfahren gegen die Verantwortlichen, sagte ein US-Außenamtssprecher AFP.
Bei einem weiteren Vorfall meldete der Palästinensische Rote Halbmond am Dienstagabend, dass seine Einsatzkräfte drei Menschen versorgten, die im Gebiet Dschamala in der Nähe von Ramallah von Siedlern angegriffen und geschlagen worden seien. Sie seien ins Krankenhaus gebracht worden.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler. Die Siedlungen sind nach dem Völkerrecht illegal.
Unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Israel den Siedlungsbau im Westjordanland stark vorangetrieben. Den Angriff auf Dschalud verurteilte Netanjahu. Er sprach von einer "kleinen Gruppe von Randalierern", die "großen Schaden" angerichtet und die israelische Armee behindert hätten. Präsident Isaac Herzog erklärte, die Gewalt sei "in keiner Weise zu rechtfertigen".
Seit dem Großangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Krieg im Gazastreifen hat auch die Gewalt im Westjordanland stark zugenommen. Nach einer AFP-Zählung auf Grundlage palästinensischer Behördenangaben wurden seither mehr als 1100 Palästinenser von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet, neben bewaffneten Kämpfern auch Zivilisten. Nach israelischen Angaben wurden im selben Zeitraum fast 50 Israelis getötet.
Brennpunkte
Mehr als 100 israelische Siedler attackieren Dorf im Westjordanland
- AFP - 29. September 2026, 21:48 Uhr
Mehr als 100 israelische Siedler haben am Dienstag ein Dorf im besetzten Westjordanland attackiert. Bei dem Angriff auf das Dorf Dschalud im Norden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben der israelischen Armee zwei Häuser in Brand gesetzt.
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