Die EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten sowie mit Indien bieten den deutschen Autobauern einer Analyse des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge große Chancen. Vor allem bei E-Autos hätten die beiden Märkte großes Potenzial, sagte der Deloitte-Experte Harald Proff der Nachrichtenagentur AFP. Speziell auf dem indischen Markt könnten die Deutschen demnach im Premiumsegment punkten, für Südamerika und insbesondere Brasilien brauche es hingegen günstige E-Autos, um im Wettbewerb mit China zu bestehen.
Die Untersuchung von Deloitte konzentriert sich beim bereits geltenden Mercosur-Abkommen auf Brasilien - den "mit Abstand größten Handelspartner der Mercosur-Staaten": Dank der vereinbarten Zollsenkungen könnte sich der Exportwert deutscher Hersteller und Zulieferer dorthin in den kommenden zehn bis 15 Jahren von derzeit 1,6 Milliarden Euro auf knapp vier Milliarden Euro erhöhen.
Das Abkommen mit den südamerikanischen Staaten, dem neben Brasilien noch Argentinien, Uruguay und Paraguay angehören, sieht eine Halbierung der derzeitigen Zölle auf Verbrenner für ein Kontingent von 32.000 Stück auf 17,5 Prozent vor. Für E-Autos gilt bis 2031 ein Zollsatz von 25 Prozent, der anschließend schrittweise sinkt. Auf Autoteile sinken die Aufschläge zunächst um 12,5 Prozent und entfallen ab 2033 gänzlich.
Deloitte zufolge wächst in Brasilien derzeit der Markt für E-Autos besonders stark. Sie kämen "jedoch derzeit zu 92 Prozent von chinesischen Herstellern", sagte Proff. "Um vom Marktwachstum und den Zollerleichterungen zu profitieren, müssen europäische Hersteller daher günstige und wettbewerbsfähige E-Autos anbieten."
Neben dem Absatzmarkt sind die Mercosur-Staaten laut Deloitte zudem wichtige Rohstofflieferanten: "Brasilien ist zweitgrößtes Förderland der Welt von Naturgraphit; auf Argentinien entfällt etwa elf Prozent der globalen Lithiumverarbeitung." Die Materialien sind wichtig für die Batteriefertigung.
Das EU-Abkommen mit Indien wurde im Januar grundsätzlich vereinbart, es muss noch finalisiert werden. Indien erklärte sich darin bereit, seine traditionell hohen Schutzzölle schrittweise abzubauen. Bei Autos soll der derzeitige Satz von 110 Prozent für ein Kontingent von 250.000 Fahrzeuge auf zehn Prozent sinken. Der Zollsatz auf Autoteile soll schrittweise abgebaut werden.
Für die deutschen Unternehmen ist so laut Deloitte mittelfristig eine Verdopplung der derzeitigen Exporte von 600 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro möglich. Indien ist demnach bereits der drittgrößte Pkw-Markt der Welt und hat weiter großes Wachstumspotenzial. "Vor allem im Premiumsegment und bei E-Autos ist das Potenzial groß, zumal die Kaufkraft der Menschen weiter wächst", sagte Proff.
Wirtschaft
Deloitte-Analyse: EU-Handelsabkommen bieten deutschen Autobauern große Chancen
- AFP - 25. September 2026, 06:02 Uhr
Die EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten sowie mit Indien bieten den deutschen Autobauern einer Analyse des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge große Chancen.
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