Wirtschaft

Kabinett beschließt Netzpaket und Aus für feste Einspeisevergütung

  • dts - 29. Juli 2026, 13:29 Uhr
Bild vergrößern: Kabinett beschließt Netzpaket und Aus für feste Einspeisevergütung
Solarzellen auf einem Dach (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Nach der Einigung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hat das Bundeskabinett am Mittwoch eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und ein sogenanntes "Netzpaket" verabschiedet.

Die feste Einspeisevergütung soll demnach für alle Photovoltaik-Anlagen abgeschafft werden. Der eingespeiste Strom muss stattdessen zu Marktbedingungen verkauft werden. Boni für die Förderung von PV-Anlagen sollen vereinheitlicht, die Einspeiseleistung kleinerer und mittlerer Dachanlagen auf 50 Prozent begrenzt werden.

Die Ausschreibungsmengen für den Zeitraum 2027 bis 2030 sollen für Biogasanlagen leicht angehoben werden und kleine Anlagen durch einen Flexibilitätsbonus die Möglichkeit erhalten, steuerbar zur Systemverantwortung beizutragen. Wie für das Bundes-Klimaschutzprogramm vereinbart, soll es eine Windkraft-Sonderausschreibung geben

"Wir beenden das EEG als Rundum-sorglos-Paket", sagte Reiche. "Wir beenden, dass Anlagen gefördert werden, die so hohe Renditen erzielen, dass sie ohnehin installiert würden." Die Reform solle für mehr Kosteneffizienz sorgen.

Das "Netzpaket" sieht vor, dass Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen nicht mehr vollständig entschädigt werden, wenn sie wegen Engpässen keinen Strom einspeisen können. Das Risiko für die Investoren wird auf maximal 20 Prozent des Jahresstromertrags bzw. 18 Prozent in Windvorranggebieten. In bestimmten "Hot-Spot-Regionen" sollen die Entschädigungszahlen vollständig entfallen.

"Der vorliegende Gesetzentwurf verbindet die Themen Synchronisierung, Netzanschluss und Systemverantwortung zu einem sinnvollen Ganzen", erklärte die Wirtschaftsministerin. "Wir adressieren damit die Herausforderungen der Gegenwart und stellen gleichzeitig die Weichen für die Zukunft."

Verbände fürchten nun, dass die Reform der Bundesregierung den Ausbau der Erneuerbaren verlangsamen könnte, obwohl der Ausbau von Solar- als auch von Windenergie bisher hinter den gesetzlichen Zielen hinterher hinkt. Noch langsamer läuft der Netzausbau, der aktuell mit dem Ausbau der Erneuerbaren nicht Schritt halten kann.

Kritik kam unter anderem von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). "Die Bundesregierung darf den Menschen nicht ausgerechnet jetzt die Tür zur Energiewende vor der Nase zuschlagen", sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. "Auch eine verpflichtende Direktvermarktung wäre für viele Kleinanlagen weder wirtschaftlich noch praktisch umsetzbar."

DUH-Bundesgeschäftsführer Sacha Müller-Kraenner ergänzte, dass die "Risiken eines verschleppten Netzausbaus" durch die Reform nun auf Betreiber von Wind- und Solaranlagen abgewälzt würden. "Das Netzpaket adressiert zwar eines der größten Hemmnisse der Energiewende: Netzanschlüsse sind längst zum Nadelöhr geworden. Doch unverbindliche Statusmeldungen beschleunigen keinen Netzanschluss und regional unterschiedliche Verfahren drohen einen neuen Flickenteppich zu schaffen."

Weitere Meldungen

Förder-Aus für kleine PV-Anlagen - Reiche: Schluss mit "rundum sorglos"

Das Bundeskabinett hat die umstrittenen Energiegesetze von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem der schrittweise Wegfall

Mehr
Porsche will bis zu 5,7 Milliarden Euro einsparen

Stuttgart (dts Nachrichtenagentur) - Der Sportwagenbauer Porsche rechnet durch sein jüngst beschlossenes "Zukunftspaket" mit Einsparungen von insgesamt rund 5,7 Milliarden Euro.

Mehr
Autobauer im Umbruch: BMW will rund 8000 Jobs abbauen

In der kriselnden deutschen Automobilindustrie will nun auch BMW seine Kosten durch den Abbau von Arbeitsplätzen senken. Bis Ende 2027 strebt der Münchener Konzern den Abbau von

Mehr

Top Meldungen

Industrie begrüßt umstrittene Energiegesetze von Wirtschaftsministerin Reiche

Die deutsche Industrie hat die umstrittenen Energiegesetze von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begrüßt. "Mit der EEG-Novelle und dem Netzpaket setzt die

Mehr
Weniger Stellenabbau: Arbeitsmarkt stabilisiert sich laut Ifo-Institut leicht

Die Unternehmen in Deutschland planen nach Ifo-Angaben, etwas weniger Stellen abzubauen. Wie das Münchener Forschungsinstitut am Mittwoch mitteilte, stieg das

Mehr
Bericht: BMW will mit Abbau von 8.000 Stellen Milliarden sparen

München (dts Nachrichtenagentur) - Der Autobauer BMW plant offenbar, weltweit etwa 8.000 Stellen abzubauen. Das berichtet das "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe) unter Berufung

Mehr