Gesundheit

Berichte: Geldstrafen und Suspendierungen in der Türkei wegen Kaiserschnitten

  • AFP - 11. Juli 2026, 15:41 Uhr
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Schwangere Frau
Bild: AFP

Nach der Ausführung von Kaiserschnitten sind in der Türkei offenbar über 100 im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe Beschäftigte mit Geldstrafen belegt oder von ihrer Tätigkeit entbunden worden. Präsident Erdogan möchte weniger Wunschkaiserschnitte.

Nach der Ausführung von Kaiserschnitten sind in der Türkei laut einem Medienbericht mehr als 100 im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe arbeitende Menschen mit Geldstrafen belegt oder von ihrer Tätigkeit entbunden worden. Die Zeitung "BirGün" berief sich in ihrem Bericht vom Samstag auf Zahlen von Ärzteverbänden im ganzen Land. Bei den Beschäftigten hätten die Geldstrafen für Proteste gesorgt. 

Die Ärztekammer von Antalya erklärte auf ihrer Website, dass Geburtshelferinnen und Geburtshelfer Verwarnungen erhalten hätten, sich Disziplinarverfahren hätten stellen müssen und vorübergehend von ihrer Tätigkeit suspendiert worden seien. Zudem hätten sie an Fortbildungen teilnehmen müssen. 

Laut dem Nachrichtenportal "Diken" wurde ein in einem Privatkrankenhaus in Sakarya nahe Istanbul beschäftigter Mensch auf Veranlassung des Gesundheitsministeriums wegen einer hohen Kaiserschnittrate entlassen und für sechs Monate von der Arbeit suspendiert. Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Tätigkeit sei eine Fortbildung und das Ablegen einer Prüfung.

Ayse Gültekingil vom türkischen Ärzteverband sagte "BirGün", Strafen würden die hohe Rate von Kaiserschnitten in der Türkei nicht senken; diese sei "struktureller" Art. "Die Kaiserschnittrate in der Türkei liegt bei mehr als 60 Prozent. Die Art der Entbindung spiegelt Probleme im türkischen Gesundheitssystem wider", sagte sie.

Beschäftigte im türkischen Gesundheitsbereich verwiesen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf die Zeitersparnis eines Kaiserschnitts: Dieser dauere im Vergleich zu einer meist mehrere Stunden dauernden natürlichen Geburt im Schnitt nur 30 Minuten. Zudem gebe es bei Kaiserschnitten ein geringeres Risiko von Gerichtsverfahren im Falle von Komplikationen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan, ein praktizierender Muslim, möchte die Zahl an Wunschkaiserschnitten im Land senken. Seine Regierung hatte im April 2025 Kaiserschnitte ohne medizinische Begründung in privaten Gesundheitseinrichtungen verboten. Zudem startete die Regierung eine Kampagne, um dem Geburtenrückgang im Land entgegenzuwirken. 

Die Türkei weist unter den 38 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die höchste Kaiserschnittrate auf. Im Jahr 2023 lag sie bei etwa 615 Eingriffen auf 1000 Lebendgeburten.

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