Wirtschaft

Nach Aus für FCAS: Startschuss für mögliches Kampfjet-Nachfolgeprojekt

  • AFP - 11. Juni 2026, 17:45 Uhr
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Airbus-Ingenieur mit Firmen-Outfit
Bild: AFP

Nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS ist in Berlin der Startschuss für eine mögliche europäische Nachfolgelösung gefallen. Ein Konsortium um den Flugzeugbauer Airbus schloss am Donnerstag eine entsprechende Vereinbarung.

Nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS ist  der Startschuss für eine mögliche europäische Nachfolgelösung gefallen. Ein Konsortium um den Flugzeugbauer Airbus schloss am Donnerstag bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin eine entsprechende Vereinbarung, wie die beteiligten Unternehmen mitteilten. Ob sich die Bundesregierung tatsächlich für das Bündnis aus insgesamt acht Unternehmen entscheidet, ist offen.

Unter Federführung der Rüstungssparte des Flugzeugbauers Airbus sind an dem Firmenzusammenschluss zur Entwicklung eines neuen europäischen Kampfjets der europäische Rüstungskonzern MBDA sowie die deutschen Firmen Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MTU Aero Engines sowie Rohde & Schwarz beteiligt. Das Konsortium nennt sich in Anlehnung an das zu entwickelnde Kampfflugzeug der sechsten Generation "Team Gen 6". 

Die deutsche und die französische Regierung hatten neun Jahre nach der Ankündigung des FCAS-Projekts am Montag das Aus für die Entwicklung eines gemeinsamen modernen Kampfjets bekannt gegeben. Grund war ein Dauerstreit zwischen den Rüstungskonzernen Dassault aus Frankreich und Airbus Defence.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) machte jedoch klar, dass er mit Frankreich andere Teile des FCAS-Vorhabens weiterführen will. Dabei geht es um das Kommunikationssystem, mit dem nach den ursprünglichen Plänen die verschiedenen Waffensysteme miteinander vernetzt werden sollten.

Die Entwicklung dieses übergeordneten "System of Systems" schreite wie bislang voran, erklärten die beteiligten Unternehmen. Die Entwicklung des darin integrierten Kampfflugzeugs der sechsten Generation erfordere jedoch "ein neues, handlungsfähiges industrielles Setup". Die Integration eines solchen Kampfjets "sowie weiterer bestehender und künftiger, bemannter und unbemannter Plattformen in das System of Systems" werde "Europas Luftkampfsystem der Zukunft darstellen".

Eng verzahnt mit den deutschen Partnern soll sich auch die spanische Industrie mit den Unternehmen Indra, Airbus Defence and Space, Grupo Oesia, GMV, ITP und Sener an dem Projekt beteiligen. Indra war beim gescheiterten FCAS-Projekt von spanischer Seite federführend. "Wir können keine weitere Zeit verlieren", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der spanischen Unternehmen mit Blick auf eine FCAS-Nachfolgelösung.  

Der europäische Rüstungskonzern MBDA, der sich an dem nun gebildeten Konsortium beteiligt, bedauerte das Aus für FCAS. Seine Entwicklungen seien jedoch "nicht für die Tonne", sagte Stéphane Reb, Chef von MBDA Frankreich. Der Konzern sollte für FCAS das Drohnenprogramm liefern. Geplant war, dass über eine Datenwolke miteinander verbundene Drohnenschwärme den Kampfjet der neuen Generation im Einsatz begleiten sollten. 

Andere europäische Länder und Partner könnten sich gerne an dem Projekt beteiligen, sagte der Chef von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, bei einer Diskussionsveranstaltung am Rande der ILA. "Aber es muss auf effiziente Weise passieren, da wir durch das, was Anfang der Woche beendet wurde, bereits etwas Zeit verloren haben." Schöllhorn betonte: "Jetzt müssen wir aufs Gaspedal treten."

In einem Brief an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) drängen die Allianz-Partner ebenfalls auf einen schnellen Beschluss der Bundesregierung. Vergabeentscheidungen müssten in diesem Jahr fallen, auch damit das im Zusammenhang mit FCAS "aufgebaute Know-How und die industriellen Ressourcen" erhalten blieben, heißt es in dem Schreiben.

Pistorius hatte am Dienstag jedoch insgesamt vier mögliche Optionen nach dem FCAS-Aus genannt: die Beschaffung weiterer US-Kampfjets vom Typ F35, den Einstieg in ein bereits laufendes internationales Projekt oder eine Neuentwicklung unter deutscher Führung. Er nannte zudem eine vierte Option, die er aber nicht genauer beschreiben wollte.

Am Donnerstag sagte er beim Besuch eines Nato-Standorts im niederländischen Brunssum zum möglichen Kauf weiterer F35-Jets: "Es wird eine Brückenlösung geben müssen und es wird eine Lösung für danach geben müssen." Wie dies konkret aussehen werde, werde die Regierung "in den nächsten Wochen beraten und dann sehr schnell auch entscheiden."

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