Politik

Kurz vor Wahl in Ungarn: Sprengstofffund in Serbien bei Pipeline ins Nachbarland

  • AFP - 6. April 2026, 11:55 Uhr
Bild vergrößern: Kurz vor Wahl in Ungarn: Sprengstofffund in Serbien bei Pipeline ins Nachbarland
Wahlplakate in Ungarn
Bild: AFP

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Ungarn hat der Fund von Sprengstoffpaketen in Serbien nahe einer nach Ungarn führenden Gaspipeline für Unruhe gesorgt.

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Ungarn hat der Fund von Sprengstoffpaketen in Serbien nahe einer ins Nachbarland führenden Gaspipeline für Unruhe gesorgt. Zwei Rucksäcke, die "große Pakete Sprengstoff mit Zündern" enthielten, seien am Sonntag "wenige hundert Meter von der Gaspipeline entfernt" entdeckt worden, erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vucic. Der ungarische Oppositionspolitiker Peter Magyar sprach von einer mutmaßlichen "Aktion unter falscher Flagge" kurz vor der Wahl.

Ungarns Ministerpräsident Victor Orban sei "über die ersten Ermittlungsergebnisse" informiert worden, sagte Vucic. Er ist ein Verbündeter des Rechtspopulisten im Nachbarland, dessen Partei Fidesz in Umfragen vor der Wahl am 12. April deutlich hinter der oppositionellen Tisza-Partei von Magyar liegt.

Magyar zeigte sich im Onlinedienst X skeptisch angesichts des mutmaßlichen Funds. "Seit Wochen erhalten wir aus mehreren Quellen Warnungen, dass Orban – angeblich mit serbischer und russischer Unterstützung – planen könnte, eine weitere Grenze zu überschreiten." Es habe Andeutungen gegeben, "dass über Ostern in Serbien möglicherweise 'zufällig' etwas passieren könnte, möglicherweise unter Beteiligung einer Gaspipeline".

Zugleich äußerte sich Magyar kämpferisch bezüglich der angesetzten Parlamentswahl. "Ich möchte auch klarstellen, dass er (Orban) die Wahl am kommenden Sonntag nicht verhindern kann."

Die Rucksäcke mit Sprengstoff wurden nach serbischen Angaben von Polizei und Armee in der nordserbischen Stadt Kanjiza entdeckt. Über die nahegelegene Pipeline Balkan Stream gelangt russisches Gas über Serbien nach Ungarn. Die Pipeline sei Teil der "kritischen Gasinfrastruktur", erklärte Orban und berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrats ein. 

Nähere Informationen über Hintergründe des Vorfalls wurden zunächst nicht genannt. Vucic erklärte jedoch, es gebe "bestimmte Spuren", die weiter verfolgt würden. "Unsere Geheimdienste haben gute Arbeit geleistet", fügte er hinzu. Die Sprengsätze hätten "viele Menschenleben gefährden" und erhebliche Schäden an der Pipeline verursachen können.

Der EU-Beitrittskandidat Serbien ist stark von russischem Gas abhängig. Auch Ungarn ist auf importiertes Öl und Gas aus Russland angewiesen. Der seit 2010 amtierende ungarische Ministerpräsident Orban ist wegen seiner Nähe zu Russland und der Blockade zahlreicher EU-Entscheidungen schon lange eine kontroverse Figur.

In den vergangenen Wochen hat Orban der ukrainischen Regierung wiederholt vorgeworfen, Reparaturen an einer beschädigten Pipeline durch die Ukraine absichtlich zu verzögern, wodurch der Fluss russischen Öls nach Ungarn und in die Slowakei erheblich eingeschränkt wurde. Wegen des Streits um die Pipeline hat Orban die Zustimmung der EU zu einem Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine blockiert.

Vertreter der ungarischen Opposition und der EU werfen Orban vor, das Pipelineproblem aufzubauschen, um seinen Wahlkampf zu stärken. Orban weist diese Vorwürfe zurück.

Im Wahlkampf setzen Orban und seine Fidesz-Partei explizit auf anti-ukrainische Stimmungsmache. "Sie sind gefährlich!" prangt über einem Plakat, das den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Oppositionsführer Magyar nebeneinander zeigt. Andere Plakate zeigen Orban entschlossen blickend vor der ungarischen Flagge mit dem Slogan "Lasst uns gemeinsam gegen den Krieg kämpfen!"

Weitere Meldungen

CDU und SPD in Rheinland-Pfalz nehmen Koalitionsverhandlungen auf

Zweieinhalb Wochen nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben sich CDU und SPD auf die Aufnahme von Koalitionsgesprächen geeinigt. Ein gemeinsam erarbeitetes

Mehr
Linken-Politiker Pellmann: Deutschland muss alle US-Stützpunkte schließen

Linken-Fraktionschef Sören Pellmann hat nach den Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran drastische Schritte der Bundesregierung gefordert. Es müssten "jetzt

Mehr
Zwei im Iran freigelassene Franzosen nach Frankreich zurückgekehrt

Ein jahrelang im Iran inhaftiertes Paar aus Frankreich ist wieder frei und am Morgen in die Heimat zurückgekehrt. Cécile Kohler und Jacques Paris wurden nach ihrer Ankunft am

Mehr

Top Meldungen

SPD fordert von Mineralölkonzernen sofortige Spritpreissenkung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die SPD fordert die Mineralölkonzerne auf, nach der Ankündigung der Öffnung der Straße von Hormus unverzüglich auch die Spritpreise zu

Mehr
Dieselpreis erreicht neues Allzeithoch - Benzin knapp darunter

München (dts Nachrichtenagentur) - Die neue Tankstellen-Regel zeigt auch eine Woche nach ihrem Inkrafttreten weiter keine spürbaren Effekte für die Entwicklung der Spritpreise.

Mehr
Studie: EU-Freihandelsoffensive könnte Wirtschaft wieder beleben

München (dts Nachrichtenagentur) - Der Abschluss der laufenden EU-Freihandelsverhandlungen könnte die Wirtschaft in der EU ankurbeln und die negativen Auswirkungen der US-Zölle

Mehr