Finanzen

IW beziffert Kosten des Sondierungspapiers auf 60 bis 80 Milliarden

  • dts - 12. März 2025, 07:41 Uhr
Bild vergrößern: IW beziffert Kosten des Sondierungspapiers auf 60 bis 80 Milliarden
Markus Söder, Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Saskia Esken am 08.03.2025, via dts Nachrichtenagentur

.

Köln (dts Nachrichtenagentur) - Die bei der Sondierung zwischen Union und SPD verabredeten Vorhaben würden die öffentlichen Haushalte laut einer Schätzung aus dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit 60 bis 80 Milliarden Euro jährlich belasten.

"In der Tat kommt man beim Aufsummieren auf einen mittleren bis höheren zweistelligen Milliardenbetrag an zusätzlichen konsumtiven Ausgaben und Steuererleichterungen", sagte IW-Finanzwissenschaftler Tobias Hentze dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Wenn wir von einem Gesamtbetrag von 60, 70 oder 80 Milliarden Euro sprechen, dann verteilt sich dies auf Bund, Länder und Kommunen. 40 Prozent entfallen auf Länder und Kommunen", so Hentze weiter.

Allein die Senkung der Unternehmenssteuer sowie die Schaffung zusätzlicher Investitionsanreize werden Hentze zufolge jährliche Einnahmeausfälle und Zusatzausgaben in Höhe von mindestens 20 Milliarden Euro auslösen. Durch die Senkung der Stromsteuer und der Netzentgelte kämen weitere zehn Milliarden Euro hinzu. Die geplante Senkung der Umsatzsteuer für die Gastronomie taxiert der IW-Forscher auf vier Milliarden Euro, genauso wie die Steuerausfälle durch die Einführung eines Rentnerfreibetrags sowie von steuerfreien Überstunden.

Die Ausweitung der Mütterrente werde etwa 4,5 Milliarden Euro pro Jahr kosten, die Wiedereinführung von Kaufanreizen für Elektroautos zwei bis drei Milliarden Euro, die Erhöhung der Pendlerpauschale 2,5 Milliarden Euro, die Fortsetzung des Deutschlandtickets drei Milliarden Euro und die Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung mehrere 100 Millionen Euro. Abhängig von der konkreten Ausgestaltung sind laut Hentze die Einnahmeausfälle durch eine steuerliche Entlastung des Mittelstands. "Da kann man über zehn Milliarden, 20 Milliarden oder 50 Milliarden Euro sprechen", sagte er.

Zwar würden nicht sämtliche Belastungen auf einmal anfallen, allerdings stelle sich dennoch die Frage, wie eine schwarz-rote Koalition diese Politik finanzieren wolle, so Hentze. "Im Sondierungspapier wird das Bürgergeld angesprochen. Aber die Konsolidierungsbestrebungen fallen insgesamt nicht gerade ambitioniert aus", kritisierte er.

Weitere Meldungen

Kommunen kritisieren Altschulden-Entlastung als unzureichend

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat die Pläne von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) für eine Entlastung der Kommunen bei den

Mehr
IW gegen Spritpreisdeckel und höhere Pendlerpauschale

Köln (dts Nachrichtenagentur) - Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat vor einem Deckel beim Spritpreis und einer

Mehr
Strack-Zimmermann fordert Klimaprämie

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann fordert in der Debatte um Entlastungen von den hohen Sprit- und Energiepreisen die Senkung der

Mehr

Top Meldungen

SPD fordert von Mineralölkonzernen sofortige Spritpreissenkung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die SPD fordert die Mineralölkonzerne auf, nach der Ankündigung der Öffnung der Straße von Hormus unverzüglich auch die Spritpreise zu

Mehr
Dieselpreis erreicht neues Allzeithoch - Benzin knapp darunter

München (dts Nachrichtenagentur) - Die neue Tankstellen-Regel zeigt auch eine Woche nach ihrem Inkrafttreten weiter keine spürbaren Effekte für die Entwicklung der Spritpreise.

Mehr
Studie: EU-Freihandelsoffensive könnte Wirtschaft wieder beleben

München (dts Nachrichtenagentur) - Der Abschluss der laufenden EU-Freihandelsverhandlungen könnte die Wirtschaft in der EU ankurbeln und die negativen Auswirkungen der US-Zölle

Mehr