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Schriftliches Interview | Frank von Seth (CEO, cyan digital security)

  • Redaktion - 23. Januar 2023
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@ Bild: Frank von Seth (CEO, cyan digital security)

2022 litten große Teile der Wirtschaft, kritische Infrastrukturen und Finanzsysteme unter einer hohen Anzahl an Cyberattacken. Was empfehlen Sie Verantwortlichen in Unternehmen, die sich gegen Cyberangriffe schützen müssen?


Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen aber auch Verbraucher von digitalen Leistungen stehen heute vor einem identischen Problem: Zu oft wird IT-Sicherheit als komplexe Thematik vermittelt, die mit kaum zu bewältigenden Bedrohungsszenarien verbunden ist.

Das sorgt nicht nur für Stress unter potenziellen Opfergruppen von Cyberkriminellen. Insbesondere gab es in 2022 eine inflationär hohe Menge an Meldungen darüber, wie viel Angst Unternehmen und Privatpersonen eigentlich vor IT-Attacken haben müssten. So wird das Problem allerdings nur größer, da potenzielle Opfer der Attacken zusätzlich verunsichert werden.

Fakt ist, dass sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen meist noch das nötige Know-how fehlt, um sicher im Netz aktiv zu sein. Wenn diese Wissenslücken in Kombination mit resilienten Schutzmaßnahmen geschlossen werden, muss niemand unter einem unsichtbaren Damoklesschwert online unterwegs sein. Insofern kann ich nur dafür werben, nicht ohne notwendige Aufklärung - sowohl als Unternehmen als auch als Privatperson online aktiv zu sein. Darauf warten Hacker eigentlich nur um im für sie richtigen Moment anzugreifen.

In welchen Märkten sehen Sie heute das größte digitale Bedrohungspotential?

Wir leiten aus unserer täglichen Zusammenarbeit mit Unternehmen ab, dass nach wie vor die Finanzindustrie als auch die kritische Infrastruktur inklusive Telekommunikation zu den besonderen Schwerpunktbranchen gehören. Hinzu kommen nun immer mehr KMUs und zukünftig auch die Automobilindustrie in denen digitale Resilienz ausgebaut werden muss. Die Gründe dafür könnten kaum vielfältiger sein.

Beispielsweise in puncto Telekommunikation, werden bis 2025 etwa 6 Mrd. Mobilfunkkunden auf über 13 Milliarden SIM-Karten aktiv werden. Durch die steigende Zahl an Nutzern vergrößert sich automatisch auch die Anzahl der potenziellen Opfer aus Sicht von Cyberkriminellen, die sich zunehmend professionell auf die breite Masse fokussieren.

Gleiches gilt im Automobilbereich: Megatrends wie Konnektivität oder autonomes Fahren bringen dieser Industrie zwar einen enormen Innovationsantrieb, erhöhen jedoch auch das Angriffspotenzial durch neue digitale Einfallstore. Ein Faktor, der leider zu oft ausgeklammert wird. IT-Sicherheit kann hier als nächster logischer Schritt der Verkehrssicherheit gesehen werden: Zuerst kam der Sicherheitsgurt, dann der Airbag, dann der Fahrspurassistent - und heute eben Cybersecurity.

Im Versicherungswesen hingegen sind Anbieter schon heute mit den Folgen von Cyberattacken überfordert, da diese enorm hohe Schäden erzeugen, die praktisch kein Versicherer decken kann. So gerät ein gesamter Wirtschafszweig aufgrund der digitalen Attacken ins Wanken.

Welchen Stellenwert nimmt dabei die beschleunigte Digitalisierung sämtlicher Branchen ein, die die mittlerweile drei Jahre andauernde Pandemie gebracht hat?

Klar ist, dass der Mehrwert für dezentrales Arbeiten, Innovationen im Finanzbereich, oder der globalen Kommunikation durch die zunehmende Digitalisierung seit der Pandemie klar überwiegt. Dennoch fehlt meines Erachtens noch zu vielen Entscheidern in zu vielen Unternehmen das Bewusstsein dafür, welchen hohen Stellenwert digitale Resilienz für den unternehmerischen Erfolg darstellt.

Mit anderen Worten: Ein umfassender IT-Schutz kann den entscheidenden Unterschied zwischen einem resilienten Unternehmen und einem hilflos ausgelieferten Opfer gegenüber Cyberkriminellen ausmachen. Wir wollen als cyan digital security dabei helfen, digitale Resilienz aufzubauen.

Unsere Cybersecurity-Lösungen stellen dabei eine umfassende Vorsorge vor einem breiten Spektrum an bestehenden und neuen Angriffstypen dar. Durch die nahtlose Integration der Sicherheitslösung entlastet sie Nutzer, die wir im Gebrauch von Sicherheitslösungen bestärken wollen, damit Hacker keine Chance haben.

Pünktlich zum Davos-Gipfel benannte das World Economic Forum Cybersecurity als eines der dominantesten Themen für Unternehmen – Inwiefern hilft so ein Impuls auch Firmen, die im Marktumfeld verortet sind?

Es steigert natürlich massiv die Awareness für diese wichtige Thematik. Ausschlaggebend ist es, wie anfangs erwähnt, dass dieses Anliegen nicht allein mit Angst vor Schäden verbunden werden darf. Ich persönlich halte nichts davon, immer nur auf das Schadenpotenzial aufmerksam zu machen, die eine IT-Attacke darstellt.

So verlieren Betroffene nur den Fokus, was durch die enorme Quantität an Angriffsvektoren, Abwehrsystemen und weitern Mechanismen auch nur die logische Folge ist. Abkürzungen wie SASE, ZTNA, SWG, DLP, SIEM, SOC, MDR, XDR verzerren in dem Kontext den Fokus und sorgen nur für zusätzliche Verunsicherung.

Die Schwerpunktsetzung des World Economic Forums hilft insoweit sehr, da die realistische Bedrohungslage aufgezeigt wird, ohne dass gleich Angst und Panik gestiftet werden.

Können Sie bereits eine Prognose hinsichtlich des Bedrohungspotentials in 2023 machen und wenn ja, wie könnte das aussehen?

Eine Glaskugel hat natürlich niemand. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass die absoluten Zahlen an Cyberangriffen 2023 perspektivisch weiter ansteigen werden – einerseits durch das höhere Bewusstsein und die besseren Lösungen, andererseits weil die Zahl der internetverbundenen Geräte kontinuierlich steigt.

Hackern und anderen Cyberkriminellen, die in erster Linie monetäre, aber auch politische Ziele verfolgen, kommt dabei ihre dezentrale Verortung massiv entgegen. Sie agieren weitestgehend autark, hochprofessionell und unabhängig. Sie treffen auf Opfergruppen, die vermehrt bereit sind, Erpressungsgelder oder Ähnliches im Falle einer Cyberattacke zu zahlen, um die Fotos von Enkeln auf Omas Computer freizuschalten bis hin, um den Stillstand globaler Konzerne abzuwehren. Auch die Vielfalt an verschiedenen Cyberangriffstypen wird sicherlich zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass Organisationen und Individuen umfassend und auf breiter Ebene geschützt werden.

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