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Amtsärzte: Zwei- bis dreimal so viele Corona-Fälle wie offiziell angegeben

  • AFP - 6. August 2022, 12:40 Uhr
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Corona-Test
Bild: AFP

Die offiziellen Corona-Zahlen bilden laut dem Amtsärzteverband nur einen Teil der tatsächlichen Infektionsfälle ab. Er schätze die Corona-Dunkelziffer auf etwa zwei- bis dreimal so hoch, sagte der Verbandsvorsitzende in einem Interview.

Die offiziellen Corona-Zahlen für Deutschland bilden laut dem Amtsärzteverband nur einen Teil der tatsächlichen Infektionsfälle ab. Er schätze die Corona-Dunkelziffer auf etwa zwei- bis dreimal so hoch, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖDG), Johannes Nießen, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Samstag. Die Hausärzte riefen Risikogruppen dazu auf, sich ein viertes Mal impfen zu lassen.

Die amtliche Zahl der Corona-Fälle ergibt sich aus den gemeldeten positiven PCR-Tests abzüglich der Verstorbenen. Zunehmend sei es aber so, "dass Personen sich einem Antigentest unterziehen und keinen PCR-Test mehr durchführen", erläuterte Amtsärzte-Funktionär Nießen. "Dies führt zu einer Untererfassung der Infektionen." Das Corona-Monitoring von Abwasser und Antikörperstudien von Blutspenden gäben Hinweise auf diese Untererfassung.  

"Nur ein Teil derjenigen, die einen positiven Schnelltest haben, machen zur Bestätigung auch einen PCR-Test", bestätigte auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. "Allein deswegen schon ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen", sagte er den Zeitungen.

Dem Bericht zufolge registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) in der Woche ab dem 18. Juli lediglich 890.000 PCR-Tests. Zu Spitzenzeiten im Januar und März dieses Jahres seien es rund 2,5 Millionen Tests pro Woche gewesen. Das RKI verzeichnet derzeit täglich mehrere zehntausend Corona-Infektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei mehr als 400.

Die Hausärzte werben derweil für die vierte Corona-Impfung gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Sie rät Menschen über 70, Vorerkrankten und Pflegepersonal zu einer zweiten Auffrischungsimpfung. Von diesen hätten sich "bisher deutlich zu wenige" zur vierten Impfung entschlossen, sagte Verbandschef Weigeldt der "Rheinischen Post". 

Es müsse immer die individuelle Situation des einzelnen Patienten betrachtet werden, fügte der Mediziner hinzu. "Ob jemand 69 oder 70 ist, wird dabei natürlich nicht die alles entscheidende Frage sein, denn am 70. Geburtstag wird ja kein Schalter umgelegt." Ein jüngerer Patient mit Vorerkrankungen könne stärker gefährdet sein als ein 70-Jähriger, "der topfit ist".

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, riet allerdings dazu, auf die an die neuen Corona-Varianten angepassten Impfstoffe zu warten. "Da die angepassten Impfstoffe hoffentlich nächsten Monat kommen, kann man jetzt auch warten, wenn man die vierte Impfung bisher noch nicht gemacht hat", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Denn wenn man sich jetzt zum vierten Mal mit den bisherigen Impfstoffen impfen lässt, sollte man mindestens drei bis sechs Monate warten bis zur nächsten Impfung."

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Ende Juli erklärt, im September würden angepasste Impfstoffe zur Verfügung stehen. Diese würden das Risiko einer Corona-Ansteckung "deutlich" senken.

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