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Weltärztebund-Chef: "Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor"

  • AFP - 26. November 2021, 01:07 Uhr
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Corona-Patient auf Intensivstation in Freising
Bild: AFP

Angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen bereiten sich die Kliniken in Deutschland nach Angaben des Vorsitzenden des Weltärztebundes auf eine Triage vor - also die Situation, in der die Ärzte entscheiden müssen, welcher Intensivpatient bei knappen Ressourcen bevorzugt behandelt wird.

Angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen bereiten sich die Kliniken in Deutschland nach Angaben des Vorsitzenden des Weltärztebundes auf eine Triage vor - also die Situation, in welcher die Ärzte entscheiden müssen, welcher Intensivpatient bei knappen Ressourcen bevorzugt behandelt wird. "Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor", sagte Frank Ulrich Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben).

Grundsätzlich versuchten Ärzte alles, um diese letzte entsetzliche Entscheidung abzuwenden. "Aber angesichts der steigenden Infektionszahlen müssen sich die Kliniken vorbereiten", sagte der Mediziner. 

Wenn eine Triage-Entscheidung nicht vermieden werden könne, dann werde jeder Patient unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion oder auch der Frage, ob er geimpft sei oder nicht, betrachtet. In dieser Hinsicht würden alle Menschen gleich behandelt. "Es zählt dann vor allem die klinische Erfolgsaussicht", sagte Montgomery.

Bereits im vergangenen Herbst hätten die medizinischen Fachgesellschaften und die Bundesärztekammer grundsätzliche Empfehlungen für Triage-Entscheidungen ausgesprochen, um den betroffenen Ärzten im Notfall die Entscheidung zu erleichtern, welcher Patient den Vorzug bekommt, wenn die Intensivkapazitäten nicht mehr für alle reichten. 

Um die Kliniken zu entlasten, müssten Patienten auch in andere europäische Länder verlegt werden, forderte Montgomery. "Die systematische Verlegung von Covid-Patienten ins Ausland muss jetzt eingeleitet werden. Dabei muss auch die Bundeswehr helfen."

In der ersten Pandemie-Welle habe Deutschland anderen Ländern Hilfe geleistet. Jetzt würden andere Länder mit besseren Kapazitäten den Deutschen Hilfe leisten. Es gebe Nachbarländer mit sehr viel günstigeren Inzidenzen, sagte der Weltärztebund-Vorsitzende. "Frankreich geht es etwas besser als uns, Italien geht es deutlich besser."

Wenn die Zahlen allerdings weiter stiegen, gehe es nicht mehr darum, zehn Patienten auszufliegen. "Dann geht es um Hunderte oder sogar Tausende, für die die Intensivbetten knapp werden", sagte Montgomery. Dies sei dann eine Größenordnung, die nicht mehr mit Verlegungen ins Ausland bewältigt werden könne.

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