Wirtschaft

Unternehmen rechnen in Corona-Krise weiter mit sinkenden Mitarbeiterzahlen

  • AFP - 27. Mai 2020, 11:09 Uhr
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Modegeschäft in Essen
Bild: AFP

Angesichts der Corona-Krise gehen die deutschen Unternehmen weiter von sinkenden Mitarbeiterzahlen aus. Im Einzelhandel scheint dies nach Einschätzung des Ifo-Instituts vor allem die Händler mit Kleidung und Mode zu treffen.

Angesichts der massiven wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise gehen die deutschen Unternehmen weiter von sinkenden Mitarbeiterzahlen aus. Zwar stieg das Ifo-Beschäftigungsbarometer im Mai nach 86,3 Punkten im Vormonat auf 88,3 Punkte an, wie das Münchener Forschungsinstitut am Mittwoch mitteilte. Trotz dieses Anstiegs werde die Zahl der Entlassungen die der Einstellungen aber weiter übersteigen. "Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird somit zunehmen", erklärte das Ifo.

Das Institut wertet für das Beschäftigungsbarometer monatlich rund 9000 Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Groß- und Einzelhandels und des Dienstleistungssektors zu ihrer Beschäftigungsplanung für die nächsten drei Monate aus. Im April war das Beschäftigungsbarometer dabei auf ein historisches Tief gestürzt.

Im Mai konnte es sich nun in drei der vier Sektoren wieder etwas erholen. Nur in der Industrie berichteten erneut mehr Unternehmen von tendenziell sinkenden Mitarbeiterzahlen. Am deutlichsten fiel der Anstieg des Barometers im Dienstleistungssektor aus, direkt gefolgt vom Handel. "In den meisten Branchen gibt es aber weiterhin eher Entlassungen", erklärte das Forschungsinstitut. "Im Einzelhandel scheint es vor allem die Händler mit Kleidung und Mode zu treffen." 

Lichtblicke sind demnach momentan die Wirtschafts- und Steuerberater, sowie die Wirtschaftsprüfer, die wieder mehr Personal einstellen wollen. Gleiches gelte für den Nahrungsmittel-Einzelhandel sowie die Fahrrad-Händler. Letztere sehen laut Ifo-Institut auch eine "hohe Reparatur-Nachfrage".

Die Gewerkschaft IG Metall warnte unterdessen vor einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Autoindustrie. "Diejenigen, die bei den Herstellern selbst arbeiten, haben wir über Tarifverträge recht gut abgesichert. In Gefahr sind vor allem diejenigen, die für Zulieferbetriebe arbeiten", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwochsausgaben). "Rund zehn Prozent der Betriebe in unseren Branchen sind bereits jetzt akut von Insolvenz bedroht. Das trifft über 100.000 Beschäftigte, die schnell in die Arbeitslosigkeit fallen könnten."

Zugleich betonte der Gewerkschaftschef die Bedeutung der Automobilbranche für den Wirtschaftsstandort Deutschland. "Jeder vierte Euro industrieller Wertschöpfung hängt von dieser Branche direkt ab", sagte Hofmann. "Strauchelt die Autoindustrie, dann brechen ganze Regionen wirtschaftlich komplett ein. Das dürfen wir nicht zulassen."

Nötig sei deshalb eine Kaufprämie für Autos, die aber eingebunden sein müsse in ein Konjunkturprogramm für alle Branchen. Drei Voraussetzungen sind dabei laut Hofmann entscheidend: "Die Kaufprämie leistet einen deutlichen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen, sie ist verbunden mit dem Abbau von Kurzarbeit und Beschäftigungssicherung und muss daher auch die 90 Prozent der Beschäftigten der Branche erreichen, die an Fahrzeugen mit Verbrennungsantrieb arbeiten." Drittens erwarte die IG Metall einen kräftigen Eigenbeitrag der Automobilhersteller. "Unter diesen Bedingungen sagen wir unbedingt ja zur Kaufprämie."

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