Finanzen

Studie: Jeder vierte Rentner wird 2035 in Grundsicherung abrutschen

  • dts - 14. Dezember 2019
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Senioren mit Rollstuhl
dts

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Berlin - Jeder vierte Rentner wird laut einer aktuellen Untersuchung des Pestel-Instituts im Jahr 2035 in die Grundsicherung abrutschen. Von den 21,4 Millionen Personen, die dann das Ruhestandsalter erreicht haben, werden laut der Prognose des Hannoveraner Forschungsinstituts über fünf Millionen Rentner staatliche Unterstützung benötigen, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgaben).

An der Entwicklung werde auch die Einführung der Grundrente wenig ändern: "Die Einführung der Grundrente für langjährige Versicherte würde die Situation zwar entschärfen, aber nicht grundlegend ändern, da ein erheblicher Teil der künftig auf Grundsicherungsleistungen angewiesenen Personen die 35 Jahre Einzahlung nicht zusammenbekommt", heißt es in der Untersuchung. "Mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnt oft der sogenannte Rentenschock. Das Nettoeinkommen sinkt, aber die Fixkosten bleiben erhalten", sagte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, den Funke-Zeitungen. Besonders problematisch sei dies beim Wohnen.

Da kleine Wohnungen im Verhältnis oft teurer als große Wohnungen wären, "können sich viele Senioren beim Wohnen auch nicht verkleinern", sagte Günther. Als Folge würden schon heute Rentner häufig über die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben. Für die Untersuchung im Auftrag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat das Pestel-Institut die numerische Entwicklung der Grundsicherungsempfänger mit der Entwicklung der betrieblichen und privaten Vorsorge, dem Schuldenstand von Senioren und den Zahlbeträgen von Neurentner miteinander verglichen und ausgewertet. Die IG BAU zeigt sich alarmiert über die Prognose.

"Wenn 2035 jeder vierte Rentner auf Grundsicherung angewiesen sein wird, ist das eine soziale Horrorvorstellung", sagte IG-BAU-Chef Robert Feiger den Funke-Zeitungen. "Immer mehr Menschen wohnen sich arm", sagte Feiger. Dieses Phänomen der "Wohn-Altersarmut" habe laut dem IG BAU-Chef "längst die Mitte der Gesellschaft erreicht". Die Fraktion der Grünen im Bundestag macht für die Entwicklung die Bundesregierung verantwortlich. Chris Kühn, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen, sagte den Funke-Zeitungen: "Die Bundesregierung läuft sehenden Auges in eine soziale Massenmisere." Die Regierung sei mit ihren "Mini-Maßnahmen dem Ausmaß der Wohnungskrise längst nicht mehr gewachsen", so Kühn. Der Grünen-Politiker forderte regionale Mietobergrenzen und Investitionen in den öffentlichen Wohnungsbau.

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