Hamburg (dts Nachrichtenagentur) - Wissenschaftler des Forschungsverbunds Geostor sowie Umweltschützer kritisieren die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) das in industriellen Prozessen entstehende CO2 aufzufangen, per Pipeline abzutransportieren und beispielsweise unter der Nordsee einzulagern (CCS).
"Es ist problematisch, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu begrenzen und darauf zu hoffen, mit der teuren CCS-Technologie die Klimaziele zu erreichen", sagte Geostor-Leiter Klaus Wallmann dem "Spiegel". "CCS wird dann zu einem Feigenblatt für einen ausgebremsten Klimaschutz."
Das 2025 beschlossene Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz (KSpTG) schließt nicht aus, CCS auch für Erdgas zu nutzen; fast alle Industrien außer Kohlekraftwerke können demnach Fördermittel beantragen.
Die Politik der "Technologieoffenheit" von Reiche gehe in eine falsche Richtung, warnte Wallmann. CCS solle nur Branchen vorbehalten bleiben, die ihre Emissionen nicht anders vermeiden könnten - etwa der Zementindustrie.
Auch die Kosten für die Technologie sind hoch: Sie betragen schätzungsweise 150 bis 250 Euro pro Tonne, weit über dem CO2-Preis von rund 74 Euro, wie es in einer aktualisierten Analyse von Geostor heißt, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.
Zudem schrumpfen die möglichen Speicherpotenziale in der Nordsee nach den neuen Berechnungen deutlich zusammen: In der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) sind nur Lagerstätten mit Platz für 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen CO2 geeignet. Vor zwei Jahren rechneten Wallmann und sein Team noch mit bis zu 6 Milliarden Tonnen CO2. Gründe für die jetzt niedriger angesetzten Zahlen sind unter anderem konkurrierende Nutzungen wie Windparks, Schiffsrouten und Naturschutzgebiete.
Greenpeace fordert deshalb, die geplante Carbon-Management-Strategie des Bundes zu überarbeiten. Sie stehe vor einem Scherbenhaufen, sagte Karsten Smid, weil sie auf Basis von überhöhten Prognosen zu CO2-Endlagerkapazitäten in der deutschen Nordsee entwickelt worden sei.
Wirtschaft
CCS-Experte kritisiert Reiches Pläne für CO2-Endlager unter Nordsee
- dts - 7. Oktober 2026, 16:50 Uhr
.
Weitere Meldungen
Der britische Energieriese Shell profitiert derzeit von deutlich höheren Raffineriemargen. Im dritten Quartal wuchs die Spanne um 75 Prozent zum Vorquartal, wie Shell am Mittwoch
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - BASF-Chef Markus Kamieth sieht die Chemieindustrie vor einer großen Welle an Übernahmen und Fusionen. "Als Marktführer wollen wir unsere
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Fraktionen von SPD und Union erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, einen Gesetzentwurf für die "Work and Stay"-Agentur vorzulegen. Die
MehrTop Meldungen
Cyberangriffe mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) stellen die deutschen Unternehmen vor große Herausforderungen. Nur jedes zehnte Unternehmen sei gegen KI-gestützte Angriffe
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesregierung hat die geplante Übernahme der Hamburger Spedition Zippel durch den chinesischen Staatskonzern Cosco untersagt. Das wurde am
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - Deutschland will künftig CO2 nach Dänemark und in die Niederlande "exportieren". Das Bundeswirtschaftsministerium hat nun entsprechende
Mehr














