Wirtschaft

Bericht: Autolobby sucht Nähe zur extremen Rechten im EU-Parlament

  • dts - 2. Oktober 2026, 20:33 Uhr
Bild vergrößern: Bericht: Autolobby sucht Nähe zur extremen Rechten im EU-Parlament
EU-Parlament in Straßburg (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Straßburg (dts Nachrichtenagentur) - Vor den Abstimmungen über die Lockerung des Verbrenner-Aus in der EU weitet die Autoindustrie ihre Kontakte zur extremen Rechten aus. Das zeigt eine Auswertung des EU-Transparenzregisters durch den Verein Lobbycontrol, über die der "Spiegel" berichtet.

Demnach fanden in der aktuellen Legislaturperiode, also seit Sommer 2024, mindestens elf Treffen von Vertretern des Konzerns Stellantis mit Abgeordneten der "Patrioten für Europa" (PfE) statt. Der Fraktion gehört unter anderem der Rassemblement National aus Frankreich an. Der europäische Branchenverband ACEA, dessen Präsident Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius ist, traf die PfE demnach zehnmal. Volkswagen kommt der Auswertung zufolge auf vier Treffen, BMW auf zwei. Lobbytreffen mit Parteien rechts der Mitte gälten in Brüssel zunehmend als normales politisches Instrument, um Interessen durchzusetzen, sagte Nina Katzemich von Lobbycontrol dem "Spiegel".

ACEA erklärte dem Nachrichtenmagazin auf Anfrage, man tausche sich mit allen zuständigen Parlamentariern aus, um den Standpunkt der Branche zu erläutern. BMW räumte ein, PfE-Abgeordnete hätten auf dem Automobilsalon in Brüssel um Informationen zur Position des Unternehmens gebeten. Vertreter politischer Ränder stünden aber ausdrücklich nicht im Fokus der Aktivitäten des Konzerns. Von Stellantis hieß es, man spreche mit politischen Entscheidungsträgern aus dem gesamten demokratischen politischen Spektrum Europas. Das gelte notwendigerweise auch in Ländern, in denen rechte Parteien Teil der Regierung sind.

Die EU-Kommission hatte Ende 2025 vorgeschlagen, das für 2035 beschlossene Verbrenner-Aus in der EU zu lockern. Drei Ausschüsse und das Plenum des Europaparlaments sollen in den nächsten Wochen über ihre Position abstimmen. Die größte Fraktion EVP, der auch CDU und CSU angehören, will über den Vorschlag der EU-Kommission hinausgehen. Es ist aber fraglich, ob sie eine Mehrheit mit Sozialdemokraten und Liberalen finden wird. In den vergangenen Monaten hat die EVP in anderen Politikfeldern zum Teil Mehrheiten mithilfe extrem rechter Abgeordneter gesucht. Er wünsche sich eine stabile und klare Einigung in der politischen Mitte, sagte EVP-Fraktionschef Manfred Weber (CSU) dem "Spiegel".

Weitere Meldungen

SPD und Grüne kritisieren EVP-Antrag gegen "Made in Europe"-Regeln

Brüssel (dts Nachrichtenagentur) - SPD und Grüne haben einen Antrag aus der EVP-Fraktion im Bundestag kritisiert, in dem die von der EU-Kommission vorgeschlagenen "Made in

Mehr
CCS-Experte kritisiert Reiches Pläne für CO2-Endlager unter Nordsee

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) - Wissenschaftler des Forschungsverbunds Geostor sowie Umweltschützer kritisieren die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche

Mehr
Raffineriemargen von Shell erreichen Rekordhoch

Der britische Energieriese Shell profitiert derzeit von deutlich höheren Raffineriemargen. Im dritten Quartal wuchs die Spanne um 75 Prozent zum Vorquartal, wie Shell am Mittwoch

Mehr

Top Meldungen

Merz beharrt auf Abschaffung von Rente mit 63

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigt die Abschaffung der sogenannten "Rente mit 63". "In Wahrheit ist das Ende der abschlagsfreien

Mehr
BASF-Chef begründet Übernahmepläne für Evonik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - BASF-Chef Markus Kamieth sieht die Chemieindustrie vor einer großen Welle an Übernahmen und Fusionen. "Als Marktführer wollen wir unsere

Mehr
SPD und Union machen Druck bei "Work and Stay"-Agentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Fraktionen von SPD und Union erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, einen Gesetzentwurf für die "Work and Stay"-Agentur vorzulegen. Die

Mehr