Für seine Äußerungen zum dualen Krankenversicherungssystem erhält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) weiteren Zuspruch aus der SPD. Das klinge "nach einem Moment der Einsicht", sagte der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dem "Tagesspiegel" vom Dienstag. Dieser Vorstoß sei "richtig". 80 Prozent der Bevölkerung fänden es "ungerecht, dass Privatversicherte bevorzugt werden", etwa bei Arztterminen. Eine Bürgerversicherung wäre hingegen gerecht.
Im Portal X schrieb Lauterbach, sollte sich Merz beim Thema Bürgerversicherung bewegen, "wäre das eine Reform für mehr Gerechtigkeit". Es seien solche Reformen, "die von uns erwartet werden. Nicht einfach nur Kürzungen", fuhr Lauterbach fort.
Merz hatte am Montag nach den Wahlschlappen seiner Partei einen Kurswechsel bei der Frage der Krankenversicherung angedeutet. Das "Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung" werde von vielen Menschen als "Gerechtigkeitsproblem" betrachtet, sagte Merz in Berlin. Er sehe das Problem und sei zu Änderungen bereit.
Ein Sprecher des Bundeskanzlers stellte nach dessen Äußerungen allerdings bereits klar, dass Merz keine grundsätzliche Änderung am bestehenden System plane. Der Bundeskanzler habe das System der Krankenversicherung nicht in Frage gestellt, sondern deutlich gemacht, dass die Bundesregierung das in der Bevölkerung verbreitete Gefühl der Ungleichbehandlung ernst nehme - "dass es aber auch gute Gründe für das bestehende System gebe".
Trotzdem schlugen die Äußerungen bereits hohe Wellen. Der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, bot der Union Gespräche über eine Umsetzung von Änderungen an. Patientenschützer begrüßten eine mögliche Abkehr vom bisherigen System, Kritik kam hingegen von der Bundesärztekammer.
Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte der "Welt" vom Dienstag, dass Merz die Ungleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten anerkenne, sei "richtig und überfällig". "Nur macht die richtige Diagnose noch keine richtige Therapie." Wenn überdies eine "Einsicht des Kanzlers innerhalb weniger Stunden wieder eilig zurückgeholt werden muss", zeige das vor allem, dass die Union offenbar selbst nicht mehr wisse, welche Strukturreformen sie eigentlich wolle.
Politik
Duale Krankenversicherung: Lauterbach sieht bei Merz "Moment der Einsicht"
- AFP - 22. September 2026, 09:06 Uhr
Für seine Äußerungen zum dualen Krankenversicherungssystem erhält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) weiteren Zuspruch aus der SPD. Das klinge 'nach einem Moment der Einsicht', sagte der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
Weitere Meldungen
Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy RodrÃguez ist in New York eingetroffen, wo sie an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung teilnehmen und am Dienstag erstmals mit
MehrDer iranische Außenminister Abbas Araghtschi ist kurz vor Beginn der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York eingetroffen. Er telefonierte nach seiner Ankunft am Montag
MehrNach wütenden Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über eine angebliche technische "Sabotage" seines Auftritts bei der UN-Generaldebatte im vergangenen Jahr wollen die
MehrTop Meldungen
Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Gut jeder sechste neu zugelassene Pkw in der Europäischen Union ist ein E-Auto. Pkw mit reinem Elektroantrieb hatten einen Anteil von 17,3
MehrWiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Der öffentliche Gesamthaushalt hat gegenüber dem nicht-öffentlichen Bereich zum Jahresende 2025 ein Finanzvermögen von 1.199,1 Milliarden
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Steuereinnahmen des deutschen Staates sind im August um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das steht im neuen Monatsbericht
Mehr














