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Amnesty wirft Russland Menschenhandel bei Rekrutierung von Ausländern für Ukraine-Krieg vor

  • AFP - 10. September 2026, 16:17 Uhr
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Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard
Bild: AFP

Russland rekrutiert nach Angaben von Amnesty International mit Täuschung, Zwang und Ausbeutung Menschen aus dem Ausland für seine Streitkräfte und schickt sie in den Krieg gegen die Ukraine. In vielen Fällen erfülle dies den Tatbestand des Menschenhandels.

Russland rekrutiert nach Angaben von Amnesty International mit Täuschung, Zwang und Ausbeutung Menschen aus dem Ausland für seine Streitkräfte und schickt sie in den Krieg gegen die Ukraine. In vielen Fällen erfülle dies den Tatbestand des Menschenhandels, sagte die Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation, Agnès Callamard, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP in Kiew. Ins Visier der russischen Anwerber geraten demnach vor allem Menschen aus einkommensschwachen Ländern des Globalen Südens.

Für die Recherche nahm Amnesty nach eigenen Angaben zwischen 2024 und 2026 in zwei ukrainischen Kriegsgefangenenlagern Aussagen von Betroffenen aus Brasilien, Kolumbien, Kuba, Ägypten, Sierra Leone, Sri Lanka, Somalia und Südafrika auf. Weitere Informationen stammen demnach von Ausländern, die derzeit bei den russischen Streitkräften dienen, von Angehörigen sowie von Rechtsanwälten, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten.

Die "Internationalisierung" des Ukraine-Kriegs betreffe "vulnerable Bevölkerungsgruppen und Einzelpersonen auf der ganzen Welt", sagte Callamard AFP. "Die russische Armee füllt ihre Reihen mit ausländischen Staatsangehörigen auf, die in wirtschaftlicher Not sind, und verheizt sie als Kanonenfutter im Angriffskrieg gegen die Ukraine", erklärte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 werfen Moskau und Kiew sich gegenseitig vor, ausländische Kämpfer für den Krieg anzuwerben. Die ukrainischen Behörden hatten im April erklärt, sie hätten mehr als 28.000 Staatsangehörige aus 136 Ländern in den Reihen der russischen Streitkräfte identifiziert. Hinzu kommen demnach 14.000 nordkoreanische Soldaten.

Die Ukraine setzt ebenfalls ausländische Kämpfer ein, unter anderem aus Kolumbien. In Russland kann Amnesty nach eigenen Angaben aber nicht mit Kriegsgefangenen aus den Reihen der ukrainischen Armee sprechen, weil die Organisation dort als "ausländischer Agent" eingestuft und verboten ist.

Das Vorgehen der russischen Anwerber läuft nach Angaben von Amnesty immer nach einem ähnlichen Schema ab: Sie locken ihre Opfer häufig mit der Aussicht auf einen zivilen Job nach Russland – als Fahrer, Koch, Wachmann oder als Fachkraft für Logistik, Bau und IT. Oft werden hohe Gehälter und eine schnelle Einbürgerung in Aussicht gestellt.

So ging ein Mann aus Sri Lanka laut Amnesty davon aus, einen zivilen Job als Sicherheitsmann anzutreten; stattdessen wurde er bei der Ankunft in Moskau gedrängt, einen auf Russisch verfassten Vertrag zu unterschreiben. Er kam unmittelbar an die Front und geriet nach knapp zwei Wochen in Gefangenschaft. Ein Südafrikaner erhielt den Auftrag, in Moskau einen Lkw abzuholen und nach Polen zu bringen. In Russland wurde ihm dann mitgeteilt, dass er Soldat werde.

Nach der Unterzeichnung eines Vertrags, dessen Inhalt die meisten Betroffenen laut Amnesty nicht verstehen können, werden ihnen Pässe und Mobiltelefone abgenommen. Für den Fall eines Fluchtversuchs wird ihnen Gefängnis oder Tod angedroht. Die meisten kommen nach nur zwei Wochen Ausbildung an die Front.

Auch die Not von Migranten und Geflüchteten in Russland wird nach Angaben von Amnesty ausgenutzt: Menschen, deren Visum abgelaufen ist oder die in Haft sitzen, wird ein Militärvertrag – oft für eine angeblich nichtkämpfende Unterstützungsaufgabe fern von der Front – als Ausweg angeboten. 

Bei einem Besuch in einem Kriegsgefangenenlager in der Ukraine hatte AFP im Februar ähnliche Aussagen von Ausländern gesammelt, die in den Reihen der russischen Armee gekämpft hatten. Viele gaben an, mit für sie unverständlichen Verträgen auf Russisch getäuscht worden zu sein. Sie klagten zudem über eine unzureichende Ausbildung und Ausrüstung sowie Verständigungsschwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten.

Amnesty stuft die Anwerbepraxis Russlands als Menschenhandel im Sinne des Palermo-Protokolls der UNO ein. Callamard verweist insbesondere auf die Anwendung von "Zwang, falsche Versprechungen und Gewalt" sowie die "Ausbeutung" vieler Betroffener. Amnesty forderte Russland auf, die Praxis sofort zu beenden. Um die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen, sollen die Ukraine und die Herkunftsländer der Betroffenen zudem Beweise erheben.

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