Finanzen

AWO-Chef wirft Regierung Gefährdung des sozialen Friedens vor

  • dts - 5. September 2026, 10:03 Uhr
Bild vergrößern: AWO-Chef wirft Regierung Gefährdung des sozialen Friedens vor
Lars Klingbeil, Friedrich Merz und Alexander Dobrindt (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Präsident der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Michael Groß, hat die geplanten Sozialreformen der Bundesregierung als reines Sparpaket auf Kosten von Einkommensschwachen kritisiert und die Wiedereinführung der Vermögensteuer gefordert. "Die geplanten Streichungen beziehungsweise Einschränkungen beim Unterhaltsvorschuss, Kinderzuschlag und Wohngeld müssen gestoppt werden", sagte Groß der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Nötig sei auch ein Ausgleich der fehlenden Milliarden in der Pflegeversicherung.

Es sei eine völlig falsche Politik, nur die Ausgabenseite zu betrachten und eine rigide Sparpolitik zu betreiben, betonte Groß. Das Gefühl der Menschen, übergangen und nicht ernst genommen zu werden, befeuere die politische Unzufriedenheit und stärke die AfD. Das müsste inzwischen jedem klar sein.

Von der Bundesregierung fordert Groß die Wiedereinführung einer Vermögensteuer für sehr hohe Vermögen sowie die konsequente Durchsetzung der Erbschaftsteuer. Dabei verwies der AWO-Chef auf eine Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, wonach schon ein Steuersatz von 1 Prozent über 40 Milliarden Euro Steuereinnahmen jährlich generieren würde. Zudem müssten Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit viel konsequenter verfolgt werden, als es heute der Fall ist, sagte Groß weiter. Allein dadurch ließen sich dreistellige Milliardenbeträge erzielen.

Scharfe Kritik übte Groß an der Arbeitsweise der Regierung: Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie und AWO würden bei der Gesetzgebung kaum noch oder viel zu spät einbezogen. "Wir erleben da inzwischen einen echten Vertrauensverlust", sagte er. Es sei eine völlig verfehlte Haltung, die freie Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik nur noch als reinen Kostenfaktor zu behandeln, anstatt ihren unersetzlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge und damit zum sozialen Frieden anzuerkennen. Er wünsche sich, dass die Politik die Ideen und die Expertise der Verbände wieder ernster nehme.

Weitere Meldungen

Ratingagenturen warnen vor wachsendem Schuldenrisiko

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Deutschlands Staatsfinanzen stehen aus Sicht führender Ratingagenturen vor einer Bewährungsprobe. Die nächsten Jahre würden zeigen, ob die

Mehr
Coca-Cola fürchtet administrativen Alptraum durch Zuckersteuer

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der enorme Aufwand bei der Umsetzung einer Zuckersteuer würde nach Einschätzung des Coca-Cola-Konzerns zu Preissteigerungen für die Kunden

Mehr
Bericht: EZB-Direktorin Schnabel vor Wechsel zum IWF

Frankfurt (dts Nachrichtenagentur) - EZB-Direktorin Isabel Schnabel könnte die Europäische Zentralbank (EZB) vorzeitig verlassen. Die deutsche EZB-Direktorin steht offenbar in

Mehr

Top Meldungen

KfW-Studie: Viele Mittelständler planen Produktion im Ausland

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Nahezu jeder dritte Mittelständler aus der Industrie plant, in den kommenden fünf Jahren eine Verlagerung ins Ausland. Das zeigt der

Mehr
Linken-Chef kritisiert VW-Zukunftsplan scharf

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Vorsitzende der Linken, Luigi Pantisano, hat den vom VW-Aufsichtsrat gebilligten Zukunftsplan 2030 scharf kritisiert. "VW opfert seine

Mehr
Gesamtmetall will Kürzung des Arbeitslosengeldes auf zwölf Monate

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Udo Dinglreiter, fordert erhebliche Einsparungen im deutschen Sozialsystem, um die

Mehr