Brennpunkte

Rüstung: Koalition debattiert über weitere Staatsbeteiligungen

  • dts - 4. September 2026, 06:43 Uhr
Bild vergrößern: Rüstung: Koalition debattiert über weitere Staatsbeteiligungen
Bewaffnung unter einem Kampfjet (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesregierung setzt weiter auf einen Einstieg beim Panzerhersteller KNDS - und wird aus den Regierungsfraktionen zugleich zu weiteren Aktivitäten im Rüstungssektor gedrängt. "Wir sollten das Instrument der Staatsbeteiligungen häufiger und strategischer einsetzen", sagte der SPD-Haushaltspolitiker Andreas Schwarz dem Background Sicherheit & Verteidigung von Tagesspiegel und "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Zu einem bestimmten Grad lasse sich damit steuern, dass die hohen Investitionen in den Rüstungsbereich auch zum Erhalt oder zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen.

Der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter nannte es "zwingend", Schlüsselindustrien zu benennen und sie durch strategische staatliche Beteiligungen zu entwickeln und nachhaltig abzusichern, so der Bundestagsabgeordnete weiter. Sie müssten dann besonders vor Spionage und vor allem nicht-europäischen Investoren geschützt werden.

Für "sinnvoll" hielte es Schwarz, beim Kampfjet der Zukunft oder der Weltraumindustrie einzusteigen. Um Deutschland einen eigenen Zugang ins All zu verschaffen, sollte die Regierung durch einen Einstieg bei den jungen deutschen Unternehmen entsprechende Launch-Kapazitäten sichern - das sei deutsche Schlüsseltechnologie. Um einen "neuen Kuka-Moment" zu verhindern, wie Kiesewetter in Anlehnung an das seit 2022 komplett in chinesischer Hand befindliche Robotikunternehmen Kuka sagte, fordert dieser die Prüfung einer Beteiligung am insolventen Unternehmen Varta. Es handele sich um den "letzten rein europäischen Batterie- und Speicherhersteller" von "enormer dualer Relevanz", so Kiesewetter weiter. Moderne Sicherheitstechnik, Kommunikation, autonome Systeme und Drohnen seien vollständig von leistungsstarken und sicheren Energiespeichern abhängig.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, das Beteiligungsportfolio des Bundes strategisch weiterentwickeln zu wollen. Auf Anfrage zu Übernahmen auch etwaiger Start-ups erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums aber lediglich, dass die Bundesregierung weiter anlassbezogene Prüfungen einer staatlichen Beteiligung, unabhängig vom Alter des Unternehmens, vornehmen werde, wenn beispielsweise nationale Sicherheitsinteressen betroffen seien.

Die Wirtschaft sieht diese Entwicklung kritisch. "Staatliche Beteiligungen sollten die Ausnahme bleiben", sagte Matthias Wachter vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dem Background. Die privatwirtschaftlich organisierte Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sei eine große Stärke, denn Wettbewerb zwischen Unternehmen treibe Innovationen, Effizienz und technologische Spitzenleistungen voran. Zum Schutz vor unerwünschten oder sicherheitsrelevanten Übernahmen verfüge Deutschland überdies über wirksame Instrumente. Für junge Technologieunternehmen wiederum sei der Staat vor allem als verlässlicher Kunde wichtig, nicht als Eigentümer, so Wachter. Die Regierung solle lieber Raketenstarts und Raumfahrtdienstleistungen beschaffen, statt sich zu beteiligen.

Weitere Meldungen

SPD fordert mehr Erdverkabelung zum Schutz der Stromnetze

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Nach den jüngsten Attacken auf Stromnetze in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen plädiert die energiepolitische Sprecherin der

Mehr
Zwei Verschüttete mehr als eine Woche nach verheerender Sturzflut in Nepal gerettet

Mehr als eine Woche nach der verheerenden Himalaya-Sturzflut mit mindestens 1280 Toten sind in Nepal zwei in einem Tunnel eingeschlossene Arbeiter gerettet worden. Zwei Minister

Mehr
US-Prozess wegen Kindstötungen: Verteidigung wirft Geschworenem Blockade von Urteil vor

In dem vielbeachteten US-Prozess gegen eine mutmaßliche Kindsmörderin hat die Verteidigung einem Jury-Mitglied vorgeworfen, ein Urteil zu blockieren. Dieser eine Geschworene

Mehr

Top Meldungen

SPD-Chefin will Standortgarantien von VW

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Vor der Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen erhöht die Bundesarbeitsministerin und SPD-Chefin, Bärbel Bas, den Druck auf den Autobauer. Wenn

Mehr
50.000 Stellen betroffen: Aufsichtsrat von Volkswagen stimmt Sanierungsplan zu

Der kriselnde Autobauer Volkswagen will in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen streichen: Der VW-Aufsichtsrat hat dem Sanierungsplan von Europas größtem Autohersteller

Mehr
VW-Aufsichtsrat stimmt Sanierungskonzept zu

Wolfsburg (dts Nachrichtenagentur) - Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG hat in seiner Sitzung am Donnerstag einem umfassenden sogenannten "Zukunftsplan" des Vorstands zugestimmt.

Mehr