Wirtschaft

Auch IWH erwartet Belebung der deutschen Konjunktur

  • dts - 3. September 2026, 11:00 Uhr
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IWH - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Halle (Saale) (dts Nachrichtenagentur) - Nach dem Ifo-Institut geht auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) von einer stärkeren Belebung der deutschen Konjunktur aus.

Ein Anstieg der Auslandsnachfrage habe die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr trotz höherer Energiepreise auf Erholungskurs gebracht, teilte das IWH am Donnerstag mit. Für die kommenden Quartale ist demnach zu erwarten, dass eine Zunahme der staatlichen Investitionen die Konjunktur stützen wird. Laut Herbstprognose des Instituts dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,4 Prozent und im Jahr 2027 um 0,8 Prozent zunehmen. In Ostdeutschland fällt die Belebung etwas schwächer aus. Im Juni waren die IWH-Konjunkturforscher für die deutsche Wirtschaft von einem Zuwachs von 0,9 Prozent für dieses und das folgende Jahr ausgegangen.

Im Spätsommer 2026 ist die internationale Konjunktur auf Expansionskurs. Wesentliche Treiber sind laut IWH die vom Boom um die Künstliche Intelligenz ausgelösten Investitionen. Sie werden vor allem in den USA getätigt. Wo sich wichtige Produzenten für die erforderlichen Investitionsgüter befinden, boomt der Export. Der Erdölpreis ist wegen des Golfkonflikts gestiegen, er ist aber insbesondere in realer Rechnung niedriger als in früheren Energiekrisen, vor allem dank verminderter Nachfrage aus China.

Die wegen des Energiepreisanstiegs höheren Inflationsraten lassen den Konjunkturexperten zufolge erwarten, dass die Leitzinsen in den USA und im Euroraum in den kommenden Quartalen angehoben werden. Die Finanzpolitik ist in den beiden Wirtschaftsräumen in diesem Jahr leicht expansiv ausgerichtet, im Jahr 2027 dürfte sie restriktiver werden. Alles in allem seien die Aussichten für eine stabile Weltkonjunktur gut, denn der KI-Boom dürfte sich fortsetzen, so das Institut. Allerdings sei keine Beschleunigung zu erwarten, auch weil die Produktionskapazitäten der vom Boom erfassten Industrien ausgelastet seien.

"Die deutsche Konjunktur befindet sich auf Erholungskurs", sagte Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Im zweiten Quartal 2026 ist das Bruttoinlandsprodukt das dritte Mal in Folge merklich gestiegen, wie schon im Vorquartal, vor allem wegen steigender Exporte, nachdem diese seit Anfang 2023 im Trend rückläufig gewesen waren. Allerdings ist die Erwerbstätigenzahl weiterhin rückläufig, besonders deutlich im Verarbeitenden Gewerbe. Der Wirtschaftszweig ist also weiterhin in der Krise, auch wenn Wertschöpfungs- und Exportzahlen zeigen, dass einige Unternehmen von der gegenwärtig starken internationalen Nachfrage profitieren.

Bei den anderen Verwendungsaggregaten sei für das erste Halbjahr noch kaum eine Erholung zu erkennen, so das IWH. So werde der private Konsum durch die Kaufkraftverluste aufgrund des Energiepreisanstiegs gedämpft, und die privaten Ausrüstungsinvestitionen seien im zweiten Quartal nicht über ihr Niveau von vor zweieinhalb Jahren hinausgekommen. Das Niedrigwasser des Rheins bremse die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe, allerdings seien die Pegelstände seit Mitte August wieder gestiegen. In den kommenden Quartalen dürfte sich die expansive Ausrichtung der Finanzpolitik zunehmend in steigenden Investitionen niederschlagen. Dafür, dass die Konjunktur aufrechtgerichtet bleibe, spreche auch, dass sich Stimmungsindikatoren wie die Ifo-Geschäftserwartungen zuletzt deutlich verbessert haben, so die Experten.

"Ein Konjunkturrisiko speziell für Deutschland und Europa ist nach wie vor die Möglichkeit einer Energiekrise", so Holtemöller. Denn das Weltangebot an Flüssiggas wurde durch den weitgehenden Ausfall des Angebots aus Katar stärker verknappt als das Welterdölangebot. Europa ist auf den Import von Erdgas angewiesen, und die Lagerstände sind verglichen mit langjährigen Durchschnitten niedrig. Darüber hinaus sei die Erholung in Deutschland schon deshalb labil, weil sie bislang weitgehend von einer stärkeren Auslandsnachfrage abhänge. Diese könne auch rasch wieder schwächer werden, etwa weil der KI-Boom zu einem Ende kommt, oder weil die deutschen Anbieter weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Neben dem Ifo-Institut und dem IWH hob unterdessen auch das RWI seine Konjunkturprognose an. Das Essener Institut erwartet für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Für das Jahr 2027 prognostiziert es einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent und für das Jahr 2028 um 0,5 Prozent. Gegenüber der Prognose vom Frühsommer hat das RWI seine Wachstumserwartungen somit angehoben. Im Juni war für 2026 und 2027 noch jeweils ein BIP-Zuwachs von 0,8 Prozent erwartet worden. Nun liegt die Prognose für 2026 um 0,5 Prozentpunkte und für 2027 um 0,3 Prozentpunkte höher.

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