Brennpunkte

"Schlächter von Bosnien": Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist tot

  • AFP - 27. August 2026, 22:06 Uhr
Bild vergrößern: Schlächter von Bosnien: Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist tot
Mladic im jahr 2011
Bild: AFP

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic ist nach Informationen serbischer Medien tot. Der vom Internationalen Strafgerichtshof zu lebenslanger Haft verurteilte Mladic starb im Alter von 84 Jahren in Den Haag.

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic ist tot. Der Kriegsverbrecher, der wegen der Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 als "Schlächter von Bosnien" in die Geschichte einging, starb am Donnerstag nach jahrelanger Haft in einem Krankenhaus in Den Haag, wie der Rechtsnachfolger des Haager Tribunals mitteilte. Das Gericht hatte Mladic 2017 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Richterin Graciela Gatti Santana habe eine Untersuchung angeordnet, um die Umstände seines Todes zu ermitteln, erklärte der Internationale Residualmechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT). Er ist der Rechtsnachfolger des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ), der seine Arbeit 2017 beendet hat. Zuerst hatte das serbische Staatsfernsehen über den Tod Mladics berichtet.

Mladic litt seit Jahren unter gesundheitlichen Problemen und hatte zuletzt mehrere Schlaganfälle. Wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands setzten sich serbische Behörden und Mladics Familie für seine Verlegung in ein serbisches Militärkrankenhaus ein. Das Haager Gericht lehnte dies aber ab. Mladics Sohn Darko Mladic hatte deshalb in der vergangenen Woche von einem "stillen Mord" an seinem Vater gesprochen. 

Mladics Name wird immer mit dem Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 verbunden bleiben. Damals stürmten die bosnisch-serbischen Truppen die dortige UN-Schutzzone und richteten Gräueltaten an muslimischen Männern und Jungen an. 8000 Menschen wurden ermordet. Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt. 

Viele Leichen wurden anschließend wieder ausgegraben und in andere Gräber umgebettet, um die Verbrechen zu vertuschen. Die wenigen Überlebenden berichteten von brutalen Gewalttaten der bosnisch-serbischen Truppen in Srebrenica, darunter Folter und Vergewaltigung. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 

Der IStGHJ erhob deshalb und wegen anderer Verbrechen 1995 Anklage gegen Mladic. Damals musste er zwar seinen Militärposten abgeben, führte danach aber noch jahrelang ein luxuriöses Leben in Serbien. Nach dem Sturz des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic im Jahr 2000 wuchs der Druck auf ihn. 

Nach 16 Jahren auf der Flucht wurde Mladic 2011 in Serbien festgenommen und nach Den Haag überstellt. Das Gericht verurteilte ihn 2017 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft. Seine Verbrechen gehörten zu den "abscheulichsten", welche die Menschheit je gesehen habe, urteilten die Richter damals. Der Schuldspruch wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt. 

Mladic hatte während des gesamten Verfahrens seine Unschuld beteuert. In Serbien hat er bis heute Verehrer.

Die Reaktionen auf Mladics Tod fielen gemischt aus. Eine Vertreterin des Opferverbandes Mütter von Srebrenica sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Name werde für immer "ein Symbol für Völkermord" sein.

"Für uns ist er ein verurteilter Kriegsverbrecher und wird in unserer Geschichte auch als solcher in Erinnerung bleiben", sagte eine Sprecherin des Gedenkzentrums von Srebrenica, Almasa Salihovic. Bei dem Massaker war ihr 18-jähriger Bruder getötet worden. "Dieser Mann hat ihn mit seinen Befehlen in den Tod geschickt", sagte sie.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres erinnerte an die Opfer der Kriegsverbrechen des früheren Armeechefs. Guterres solidarisiere sich "mit den Opfern, den Überlebenden und ihren Familien", erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric.

In der bosnischen Hauptstadt reagierte die aus Srebrenica stammende Hava Suljic mit Genugtuung auf die Todesnachricht. "Ich freue mich sehr, dass es nun einen Kriegsverbrecher weniger auf dieser Welt gibt", sagte die bosnische Muslimin.

In der serbischen Teilrepublik von Bosnien und Herzegowina überwog hingegen die Trauer. Die örtlichen Behörden riefen die Einwohner dazu auf, Mladic in Kirchen die letzte Ehre zu erweisen. Der ehemalige Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, zündete in einer Kirche in Banja Luka, der Hauptstadt der Teilrepublik, eine Kerze für Mladic an. Er würdigte ihn als "eine große Persönlichkeit für das serbische Volk". Mladic habe "in einer schwierigen Zeit das Kommando über die Armee übernommen".

Dragan Beric, ein Rentner aus Banja Luka, sagte, Mladic sei der "größte General des serbischen Volkes" gewesen.

Mladic war 2017 auch wegen einer groß angelegten Kampagne der "ethnischen Säuberung" in den von Serben beanspruchten Teilen Bosniens schuldig gesprochen worden. 

Russland kritisierte am Donnerstag das damalige Urteil gegen Mladic und den Umgang des IRMCT mit dem Kriegsverbrecher. Das Außenministerium in Moskau beklagte eine "Missachtung grundlegender Regeln der Unparteilichkeit und der fairen Behandlung von Verurteilten".

Zu Mladics Alter kursierten verschiedene Angaben. Während er selbst erklärte, 1943 geboren worden zu sein, gibt das Strafgericht sein Geburtsjahr mit 1942 an. Serbischen Medien zufolge wurde er 84 Jahre alt.

Weitere Meldungen

Brände in Frankreich: Versicherer schätzen Schäden auf 500 Millionen Euro

Drei Wochen nach dem Ende des größten Flächenbrands in Frankreich seit Jahrzehnten schätzen die Versicherer die Kosten für die landesweiten Brandschäden auf eine halbe

Mehr
Ostsee-Anrainer vereinbaren gemeinsame Task Force gegen hybride Bedrohungen

Mit einer gemeinsamen Sicherheits-Taskforce wollen die Anrainerstaaten der Ostsee hybriden Bedrohungen besser entgegentreten. Derartige Bedrohungen hätten zuletzt deutlich

Mehr
Hackergruppe erpresst Berlin nach Datenklau - offenbar Millionenforderung

Nach dem Datendiebstahl bei einem Hackerangriff wird das Land Berlin erpresst. "Berlin ist Opfer einer schweren Straftat geworden", sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner

Mehr

Top Meldungen

Übergewinnsteuer: Klingbeil droht Gegenwind in der EU

Brüssel (dts Nachrichtenagentur) - Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) droht Gegenwind bei der Forderung nach einem EU-Rahmen für eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Das

Mehr
Arbeitsmarkt zeigt im August kaum Dynamik

Nürnberg (dts Nachrichtenagentur) - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August 2026 um 36.000 gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Gegenüber dem Vormonat legte

Mehr
Ökonomin Schnitzer drängt auf Abschaffung der Rente mit 63

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Ökonomin Monika Schnitzer fordert die Bundesregierung auf, an der Abschaffung der "Rente mit 63" auch gegen Widerstände festzuhalten. Die

Mehr