Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft zeigt sich deutlich widerstandsfähiger als erwartet

  • AFP - 25. August 2026, 12:17 Uhr
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Container-Terminal in Bremerhaven
Bild: AFP

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden korrigierte eine erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Ende Juli am Dienstag um 0,1 Prozentpunkte nach oben.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich angesichts des Energiepreisschocks wegen des Iran-Krieges deutlich widerstandsfähiger als erwartet. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent zu, das Statistische Bundesamt in Wiesbaden korrigierte eine erste Schätzung von Ende Juli am Dienstag um 0,1 Prozentpunkte nach oben. Zudem revidierten die Statistiker die Zahlen der Vorquartale leicht und für das Jahr 2024 deutlich - die Wachstumsprognosen von Ökonomen für das Jahr 2026 verbesserten sich deshalb stark. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg weiter an.

"Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort", erklärte Statistikamt-Präsidentin Ruth Brand. "Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück." Im Vergleich zur ersten Schätzung entwickelten sich den Statistikern zufolge zudem die Umsätze im Groß- und Einzelhandel deutlich positiver.

Tatsächlich blicken auch die Unternehmen zuversichtlicher auf ihre Geschäfte: Sie zeigten sich im August zufriedener mit ihrer aktuellen Lage und ihre Erwartungen fielen deutlich besser aus als zuvor, wie das Ifo-Institut in München mitteilte. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg das vierte Mal in Folge, von zuvor 86,7 Zählern im Juli auf nunmehr 88,8 Punkte. "Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs erholt sich die deutsche Wirtschaft", erklärte das Institut.

"Das ist ein Paukenschlag, lauter als alle Dämpfer der letzten Monate", erklärte der Konjunkturexperte von KfW Research, Sebastian Wanke. "Damit zeigt die deutsche Wirtschaft eine kaum für möglich gehaltene Widerstandsfähigkeit gegenüber allen immer wieder zitierten Widrigkeiten, unter ihnen der Iran-Krieg und zuletzt auch das Niedrigwasser des Rheins."

Zur Revision älterer Daten erklärte das Statistikamt, dass für das Jahr 2024 die Miteinbeziehung "neuer verfügbarer statistischer Informationen in die Berechnungen" eine Veränderung um einen halben Prozentpunkt ergeben habe. Zunächst war damals von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent ausgegangen worden. Nach jetzigen Erkenntnissen stagnierte die Wirtschaft jedoch.

Für 2025 insgesamt blieb die BIP-Veränderungsrate mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent unverändert, allerdings korrigierten die Statistiker die Angaben für das vierte Quartal 2025 und das erste Quartal 2026 leicht nach oben. "Da nun die Ausgangsbasis zum Jahresbeginn bereits deutlich besser war als zuvor gemeldet, dürfte auch das Wachstum im Gesamtjahr 2026 höher ausfallen als zuvor prognostiziert", erklärte dazu Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

"Damit dürfte die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2026 um mindestens 1,1 Prozent wachsen", führte der Ökonom aus. "Nach den aktualisierten Daten geht es der deutschen Wirtschaft besser, als es derzeit in der wirtschaftspolitischen Debatte dargestellt wird."

Auch die Förderbank KfW korrigierte ihre Wachstumsprognose für 2026 deutlich auf 1,1 Prozent nach oben. Die KfW-Experten verwiesen unter anderem auf "die perspektivisch merklich anziehende Industrieproduktion, die in den steigenden Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe angelegt ist".

"Die unklare Situation in der Straße von Hormus, die Zollkonflikte mit den USA sowie das Niedrigwasser in Deutschland sind alles Faktoren, die die deutsche Wirtschaft weiterhin belasten", schränkte KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher ein. "Wir sehen dennoch Licht." Auch wegen des Sondervermögens der Bundesregierung erwarte er "ab dem Schlussquartal dieses Jahres wieder positive, teils kräftige Wachstumsraten".

"Die deutsche Wirtschaft mag die erste Jahreshälfte zwar besser überstanden haben als erwartet, doch die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für den zukünftigen Erfolg", erklärte der ING-Analyst Carsten Brzeski. Die massiven Probleme des Wirtschaftsstandorts seien nicht zu leugnen. "Doch trotz der offensichtlichen Herausforderungen ist die deutsche Wirtschaft auf dem besten Weg zu ihrer besten Wachstumsleistung seit 2022."

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