Wirtschaft

Mehr Geld für Bundeswehr und Infrastruktur: Industrie erhält mehr Aufträge

  • AFP - 6. August 2026, 12:10 Uhr
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Artillerie-Munition von Rheinmetall
Bild: AFP

Deutschlands Industrieunternehmen - vor allem Maschinenbauer - haben im Juni mehr Aufträge erhalten. Laut Bundeswirtschaftsministerium sind die staatlichen Beschaffungen für Bundeswehr und Infrastruktur ein Hauptgrund für die gute Entwicklung.

Vor allem wegen deutlich mehr Bestellungen in Maschinenbau und Elektrotechnik hat sich die Auftragslage der deutschen Industrie im Juni verbessert. Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni im Vergleich zum Vormonat um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Laut Bundeswirtschaftsministerium sind die staatlichen Beschaffungen für Bundeswehr und Infrastruktur ein Hauptgrund für die gute Entwicklung.  

Die Statistiker erklärten, die positive Entwicklung sei zu einem großen Teil auf die deutlichen Anstiege im Maschinenbau (plus 12,7 Prozent) und in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (plus 22,7 Prozent) zurückzuführen. In beiden Bereichen meldeten eine Reihe von Unternehmen Großaufträge. 

Die Aufträge von außerhalb der Eurozone stiegen laut Statistik dabei um 10,2 Prozent im Vormonatsvergleich. Die Aufträge aus der Eurozone dagegen fielen um 14 Prozent. 

Ausschlaggebend für die Zunahme der Aufträge war laut Bundeswirtschaftsministerium die Zunahme der Inlandsaufträge; sie stieg um 7,8 Prozent. Das Auftragsplus für den gewichtigen Maschinenbau etwa sei vor allem Großaufträgen aus dem Inland zu verdanken. Die Bestellungen aus dem Ausland dagegen seien derzeit starken Schwankungen unterworfen. Im Mai etwa hatten die Aufträge aus dem Euroraum noch stark zugenommen. 

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind laut Wirtschaftsministerium aktuell dank der kräftiger Nachfrage aus dem Inland aufwärtsgerichtet. "Starke Zuwächse bei den Investitionsgüterproduzenten dürften demnach vermutlich insbesondere in Verbindung mit öffentlichen Beschaffungen im Rahmen der Modernisierung der Bundeswehr wie auch mit Aufträgen im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität im Zusammenhang stehen", erklärte das Ministerium. Die Nachfrage aus dem Ausland zeige sich ungeachtet geopolitischer Konflikte "bemerkenswert robust".

Von Rüstungsausgaben profitierte etwa der Rüstungskonzern Rheinmetall. "Die starke Nachfrage hält an und es gelingt uns immer wieder, wichtige Großaufträge im In- und Ausland zu gewinnen", erklärte Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Donnerstag. Der Konzern meldete für das erste Halbjahr ein Umsatzwachstum von 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg demnach um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Das Aus für die vom Bundesverteidigungsministerium geplante Beschaffung von sechs Fregatten des Typs F126 führte jedoch dazu, dass Rheinmetall seine Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr um 300 Millionen Euro herabsetzen musste.

Zugleich verzeichnete ein weiteres Schwergewicht der deutschen Industrie vor allem wegen des Booms bei der Künstlichen Intelligenz ein massives Auftragsplus von April bis Juni : Der Siemens-Konzern meldete "Rekordwerte sowohl beim Auftragseingang als auch beim Ergebnis des industriellen Geschäfts". So verzeichnete die Smart-Infrastructure-Sparte von Siemens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg des Auftragseingangs um 42 Prozent, was der Konzern vor allem auf "eine Reihe großer Aufträge von Rechenzentrumskunden in den USA und in Europa" zurückführte. Insgesamt stieg der Auftragseingang des Unternehmens um 14 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro. 

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnte unterdessen, dass es für "das Ausrufen einer konjunkturellen Trendwende" noch zu früh sei. Die Zuwächse bei den Auftragseingängen seien "hoffnungsvolle Zeichen für die Wirtschaft", erklärte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. Es habe sich aber an den strukturellen Problemen im Inland "fundamental noch nichts gebessert", fuhr er fort. "Auch das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt sehr unsicher."

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