Wirtschaft

Batterieverband: Europa droht Anschluss zu verlieren

  • dts - 5. August 2026, 12:37 Uhr
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E-Auto-Ladestation (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Beim Aufbau einer eigenen europäischen Batterieindustrie fehlt es in Deutschland nach Einschätzung der heimischen Industrie an Tempo und Koordination.

"Wir sind zu zaghaft darin, nachhaltig Zukunftsindustrien aufzubauen und die dafür erforderlichen Investitionen zu mobilisieren", sagte Stefan Wolf, Geschäftsführer des Batterieverbands, dem "Tagesspiegel Background". Notwendig sei ein gemeinsames Vorgehen von Staat und Industrie - gerade, weil die Autobranche derzeit mit Absatzschwierigkeiten kämpfe und ihre finanziellen Spielräume schrumpften.

Chinesische Hersteller seien über Jahrzehnte mit massiven Subventionen aufgebaut worden und suchten wegen Überkapazitäten im Heimatmarkt gezielt den Weg nach Europa, so Wolf. Die USA schotteten sich dagegen längst ab: "Die USA haben hohe Barrieren eingeführt", sagte er - Europa bleibe dadurch "eine Art Rettungsanker" für chinesische Konzerne. Eine Ausnahme sei Tesla: Der Konzern habe es geschafft, den sogenannten Trockenbeschichtungsprozess zu industrialisieren, und skaliere das Verfahren nun auch am Standort Grünheide.

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme habe die deutsche Politik bislang zu wenig auf marktgestaltende Instrumente gesetzt. Notwendig seien neben Förderung auch gezielte Nachfrageanreize auf der Marktseite. Wolf verglich den nötigen Schritt mit einer Brücke: "Um mit einem Brückenbau das Tal des Todes zu überqueren, geht man von beiden Seiten vor: neue Technologien entwickeln und neue Technologien nachfragen." Als Vorbild nannte er die USA, wo Steuergutschriften an Unternehmen aus China, Russland, Nordkorea oder dem Iran ausgeschlossen sind.

Kritisch äußerte sich der Chef des Verbundes zur aktuellen Bundesregierung: Während Forschungsministerium und Kanzleramt die Bedeutung der Batterietechnologie erkannt hätten, agiere das Wirtschaftsministerium zurückhaltend. Trotz Rückschlägen bei Northvolt, SVolt, Cellforce und Varta sei man dennoch zuversichtlich mit Blick auf eine zweite Investitionsrunde in Ländern wie Frankreich, Schweden und den Niederlanden. Die Batterietechnologie bleibe neben Mikroelektronik und Künstlicher Intelligenz "ganz entscheidend für die Zukunft unserer Industrie", so Wolf.

Eine aktuelle Deloitte-Studie unterstrich zu Beginn der Woche die Dringlichkeit: Ihr zufolge werden 98 Prozent der großen Batteriefabriken in Europa von asiatischen Unternehmen betrieben - allen voran vom chinesischen Weltmarktführer CATL.

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