Wirtschaft

Chatbots auf Whatsapp: EU-Kommission ordnet gleiches Recht für alle Anbieter an

  • AFP - 9. Juni 2026, 17:43 Uhr
Bild vergrößern: Chatbots auf Whatsapp: EU-Kommission ordnet gleiches Recht für alle Anbieter an
Logo von Whatsapp
Bild: AFP

Im Verfahren um KI-Chatbots auf Whatsapp hat die EU-Kommission den Mutterkonzern Meta verpflichet, konkurrierenden Anbietern gleiche Chancen wie dem hauseigenen Chatbot einzuräumen. Meta hat dafür fünf Werktage Zeit, ansonsten droht ein Bußgeld.

Im Verfahren um KI-Chatbots auf Whatsapp hat die EU-Kommission den Mutterkonzern Meta verpflichtet, konkurrierenden Anbietern gleiche Chancen wie dem hauseigenen Chatbot einzuräumen. Meta müsse seine Gebühr für andere KI-Anbieter wieder abschaffen, teilte die Kommission am Dienstag mit. Der Whatsapp-Mutterkonzern hat demnach fünf Werktage Zeit für die Änderungen, ansonsten droht ein Bußgeld. Meta will die Entscheidung anfechten.

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer kennen Whatsapp als Messenger-Dienst für private Chats mit Freunden oder der Familie. Inzwischen nutzen allerdings auch Unternehmen den Dienst: Verbraucherinnen und Verbraucher können über Whatsapp den Kundendienst kontaktieren oder Bestellungen in Onlineshops aufgeben. Dahinter steckt dann meistens ein KI-Chatbot, der den Kunden antwortet.

Meta hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht und kassiert Gebühren von den Unternehmen. Nach Konzernangaben hat sich allerdings noch ein anderes Phänomen entwickelt: reine KI-Anbieter, die ihre allgemeinen Chatbots - nach dem Vorbild von ChatGPT oder Google Gemini - über den Whatsapp-Dienst laufen lassen und sich so die Reichweite und die Server von Meta zunutze machen.

Eine solche Nutzung ist nicht im Sinne der Whatsapp-Mutter, die einen eigenen KI-Chatbot in die App eingebaut hat. Meta sperrte die Funktion deshalb im vergangenen Jahr für alle Firmen, deren Hauptgeschäft Künstliche Intelligenz ist. Auf Druck aus Brüssel hob Meta die Sperre anschließend auf, führte aber eine zusätzliche Gebühr ein.

Die Gebühr kommt nach Einschätzung der Kommission einer Sperre gleich. Sie ordnete deshalb am Dienstag an, die Gebühr wieder abzuschaffen. Hält sich Meta nicht daran, kann die Kommission ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen.

Brüssel befürchtet, dass Metas Vorgehen insbesondere europäischen KI-Entwicklern einen Nachteil verschaffen und dazu beitragen könnte, dass sie langfristig vom Markt verschwinden. "In sich rasch wandelnden Märkten kann der Wettbewerb verloren gehen, lange bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird", argumentierte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera.

Meta kündigte an, vor Gericht gegen die Entscheidung vom Dienstag vorzugehen. Eine Sprecherin warf der Kommission vor, ihre Kompetenzen zu überschreiten. Meta befürchte, dass nun auch Digitalkonzerne wie OpenAI ihren Dienst über Whatsapp anbieten könnten, ohne dafür zu zahlen.

Die Anordnung der Kommission ist vorläufig und gilt, bis sie die Ermittlungen offiziell abgeschlossen hat. Eine gesetzliche Frist dafür gibt es nicht. Stellt die Kommission am Ende des Verfahrens einen Verstoß gegen EU-Wettbewerbsrecht fest, droht Meta ein weiteres Bußgeld.

Weitere Meldungen

Nvidia überflügelt: Apple kurzzeitig wieder wertvollstes Unternehmen der Welt

Apple ist am Freitag für kurze Zeit wieder das wertvollste Unternehmen der Welt gewesen. Dem US-Technologiekonzern gelang es kurz nach Börsenstart in den USA, die Aktie des

Mehr
Münchener Gericht weist Verbraucherklage wegen Werbung bei Amazon Prime ab

Eine Verbraucherklage gegen den US-Konzern Amazon wegen Werbung in dessen Streaming-Angebot Prime Video ist abgewiesen worden, die Verbraucherschützer dahinter wollen aber in

Mehr
Italo-Markteintritt: Deutsche Bahn bekommt mehr Konkurrenz im Fernverkehr

Die Deutsche Bahn bekommt voraussichtlich auch im Fernverkehr in Deutschland künftig mehr Konkurrenz. Die Bundesnetzagentur machte am Freitag den Weg frei für den Markteintritt

Mehr

Top Meldungen

SPD will Vermögenssteuer zum Schlüsselthema machen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat eine harte Auseinandersetzung mit der Union um die Rückkehr der Vermögenssteuer und eine höhere

Mehr
Wirtschaftsweise Grimm rät zum Verzicht auf Schuldenbremsen-Reform

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat die Bundesregierung aufgefordert, auf eine Reform der Schuldenbremse notfalls zu verzichten. "Es ist

Mehr
Bauernpräsident warnt vor Düngemittel-Knappheit durch Iran-Krieg

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Infolge des Iran-Kriegs steht Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes vor einer Düngemittel-Krise. "Ein physischer Engpass

Mehr