Technologie

Innenministerium offen für Abschaffung der Anonymität im Internet

  • dts - 24. März 2026, 16:24 Uhr
Bild vergrößern: Innenministerium offen für Abschaffung der Anonymität im Internet
Instagram-Logo auf einem Smartphone (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Bundesinnenministerium hat sich offen für eine Pflicht zur Identitätsfeststellung im Netz gezeigt. "Die Forderung nach einer Klarnamenpflicht ist angesichts zunehmender Hasskriminalität im Internet grundsätzlich nachvollziehbar", sagte ein Sprecher von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) der "Welt" (Mittwochausgabe). Man werde die weitere Diskussion "konstruktiv begleiten".

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings (CDU), sprach sich dafür aus, Internetprovider zu ermutigen, für ihre Dienste Klarnamen einzufordern. "Wenn Internetnutzer mit offenem Visier auftreten, ist das die wirksamste Möglichkeit, Hass und Hetze einzudämmen und zugleich die Meinungsfreiheit ohne Abstriche zu erhalten", sagte Krings der Zeitung.

Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums erklärte hingegen auf Nachfrage, dass frühere Äußerungen von Ministerin Stefanie Hubig (SPD) gegen eine "Klarnamenpflicht" weiter aktuell seien. Hubig hatte im vergangenen Dezember dem "Tagesspiegel" gesagt: "Eine staatlich verordnete Klarnamenpflicht im Internet lehne ich ab. Wer eigene Meinungen oder Erfahrungen anonym oder unter Pseudonym äußern möchte, ist dafür keine Rechenschaft schuldig."

Auch AfD, Grüne und Linke sprechen sich gegen etwaige Verschärfungen aus. Der digitalpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Ruben Rupp, kündigte Widerstand "mit allen der Opposition zur Verfügung stehenden Mitteln" an. Anonymität sei "ein zentraler Bestandteil eines freien und offenen digitalen Diskurses", sagte Rupp der "Welt".

Auch die Grünen lehnen den Vorstoß ab. "Anonymität und Pseudonymität im Netz sind kein Luxus, sondern ein Grundpfeiler für Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und informationelle Selbstbestimmung", sagte die digitalpolitische Sprecherin, Rebecca Lenhard. Eine "Klarnamenpflicht" träfe vor allem "Minderheiten, Whistleblower und Menschen, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen nicht unter vollem Namen äußern können".

"Wir sind gegen eine Klarnamenpflicht", sagte die digitalpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Donata Vogtschmidt. Viele Täter handelten bereits unter Klarnamen, ein Verbot, anonym zu posten, sei hier keine Lösung. Gleichzeitig sei Anonymität im Netz gerade für Angehörige diskriminierter Gruppen notwendig.

Weitere Meldungen

Studie vorgestellt: KI-Chatbots erhöhen riskanten Medienkonsum

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - KI-Chatbots verstärken den riskanten Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Das ergab eine Studie, die von der DAK-Gesundheit

Mehr
Union pocht auf Chatkontrolle

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Union fordert die SPD auf, eine Verlängerung der sogenannten "freiwilligen Chatkontrolle" zur Überwachung privater Kommunikation auf

Mehr
Forsa: Mehrheit will mehr Schutz für Kinder in Sozialen Medien

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa sind rund drei von vier Deutschen (76 Prozent) der Meinung, dass Kinder und Jugendliche

Mehr

Top Meldungen

Bericht: Heveling soll Rechnungshofs-Präsident werden

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling soll nach dem Willen der schwarz-roten Regierungskoalition neuer Präsident des

Mehr
VDV: Mittel aus Sondervermögen konsequent in ÖPNV lenken

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Mittel aus dem

Mehr
Bericht: ADAC bereitet kräftige Beitragserhöhung vor

München (dts Nachrichtenagentur) - Die rund 22 Millionen Mitglieder des Automobilclubs ADAC müssen sich offenbar nach sechs Jahren gleichbleibender Mitgliedsbeiträge auf eine

Mehr