Wirtschaft

Regionale Verkehrsunternehmen warnen nach EuGH-Urteil vor hohen Mehrkosten

  • AFP - 19. März 2026, 11:56 Uhr
Bild vergrößern: Regionale Verkehrsunternehmen warnen nach EuGH-Urteil vor hohen Mehrkosten
Regionalzug, hier in Ramstein
Bild: AFP

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs befürchten regionale Verkehrsunternehmen hohe Mehrkosten. Der EuGH kippte die deutsche Preisbremse für die Schienennutzung im Nahverkehr. Das bedeutet, dass Regionalzüge mehr zahlen müssen.

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) befürchten regionale Verkehrsunternehmen hohe Mehrkosten. Der EuGH kippte am Donnerstag in Luxemburg die deutsche Preisbremse für die Nutzung von Bahnschienen im Nahverkehr. Das bedeutet, dass regionale Verkehrsunternehmen mehr dafür zahlen müssen als bisher. (Az. C-770/24)

Für die Nutzung der Schienen zahlen Bahnunternehmen an die Bahn-Töchter DB InfraGO und DB RegioNetz Infrastruktur. Sie kritisieren das System seit Langem, weil die Preise stark steigen, die Steigerungen im Regionalverkehr aber gedeckelt sind. In der Praxis werden die Steigerungen vor allem an den Fern- und Güterverkehr weitergereicht.

Im Fall, der dem EuGH nun vorlag, ging es um das Jahr 2025. Die Bundesnetzagentur genehmigte die Gebühren nur mit Änderungen, kürzte die Gebühren für den Personennahverkehr und erhöhte sie stattdessen für Fern- und Güterverkehr. Denn nach deutschem Recht müssen die Entgelte sämtliche Kosten des Schienenbetreibers decken.

DB InfraGO und DB RegioNetz Infrastruktur zogen vor das Verwaltungsgericht Köln. Dieses fragte den EuGH, ob das deutsche System mit EU-Recht vereinbar ist. Nein, antworteten die europäischen Richterinnen und Richter nun - der Betreiber habe nicht genug Spielraum.

Verkehrsunternehmen und Stimmen aus der Politik warnten nach dem Urteil vor möglichen Folgen wie ausgedünnten Nahverkehrslinien, höheren Ticketpreisen oder längeren Wartezeiten im Regionalverkehr. 

Das System der Trassenpreise soll ohnehin reformiert werden - der Bundesverband Schienennahverkehr (BSN) mahnte zur Eile. "Der Bund muss jetzt seiner Finanzierungsverantwortung gerecht werden, damit die Länder den Schienenpersonennahverkehr im bisherigen Umfang aufrechterhalten und bedarfsgerecht ausbauen können", erklärte BSN-Geschäftsführer Jan Görnemann.

Im Namen des Verkehrsverbands Rhein-Ruhr (VRR) forderte dessen Vorstandssprecher Oliver Wittke ebenfalls, dass der Bund eine neue Lösung finanzieren müsse. "Massive Reduzierungen des Regionalbahnangebots wären andernfalls die unausweichliche Folge - weniger Züge, längere Wartezeiten, ausgedünnte Takte. Kurz gesagt: spürbare Einschnitte in der eigenen Mobilität", warnte er.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) verwies darauf, dass die Bundesländer den Nahverkehr auf der Schiene mitfinanzieren. Allein für Bayern könnten nun jährliche Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich entstehen, warnte er. Er will das Thema nächste Woche bei der Verkehrsministerkonferenz in Lindau "mit hoher Priorität behandeln".

Für die Grünen-Bundestagsfraktion erklärte der Abgeordnete Matthias Gastel: "Für den Regionalverkehr müssen entweder die Trassenpreise gedeckelt werden oder die Regionalisierungsmittel, die der Bund für die Bestellverkehr der Länder bereitstellt, erhöht werden". Angebote für die Fahrgäste müssten "in jedem Fall abgesichert werden", forderte Gastel.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wandte sich an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Dieser müsse "endlich handeln", forderte EVG-Chef Martin Burkert. Das EuGH-Urteil sei der "allerletzte Warnschuss" für Schnieder. "Bleibt er weiter untätig, explodieren die Preise und die Bahnkunden zahlen die Quittung."

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte, das Verkehrsministerium müsse "schnell handeln, weil die Kosten für Regionalzüge sonst erheblich steigen".

Weitere Meldungen

Sportwetten-Streit: Neues europarechtliches Gutachten macht Spielern Hoffnung

Im Streit um die Rückzahlung verlorener Wetteinsätze macht ein neues Gutachten am Europäischen Gerichtshof (EuGH) den Spielern Hoffnung. Nach Auffassung des zuständigen

Mehr
Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie deutlich gestiegen

Die Zahl der Pleiten von Restaurants, Gaststätten oder Imbissbuden ist einer Erhebung zufolge deutlich gestiegen. Allein 2025 hätten rund 2900 Betriebe Insolvenz anmelden

Mehr
US-Handelsdeal nimmt erste Hürde im EU-Parlament

Eine Handelsvereinbarung zwischen der EU und den USA aus dem vergangenen Jahr hat nach mehreren Monaten die erste Hürde im Europaparlament genommen. Die Abgeordneten im

Mehr

Top Meldungen

Wiese hält "Übergewinnsteuer" für sinnvoll

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese hält die Einführung einer "Übergewinnsteuer" auf Krisenprofite von Mineralölkonzernen für

Mehr
Deutschland überarbeitet Pläne zur Entlastung kleiner Banken

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Deutschland will kleine Banken von bürokratischen Lasten befreien. Ein neues Geheimpapier, über welches das "Handelsblatt" (Freitagsausgabe)

Mehr
Klagen von Stadtwerken gegen Tauschgeschäft von RWE und Eon scheitern vor EuGH

Die Klagen von neun deutschen Stadtwerken gegen die Übernahme der RWE-Ökostromtochter Innogy durch Eon sind vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gescheitert. Der EuGH

Mehr