Politik

EU-Atompolitik: Umweltminister Schneider kritisiert "rückwärtsgewandte Strategie"

  • AFP - 10. März 2026, 14:46 Uhr
Bild vergrößern: EU-Atompolitik: Umweltminister Schneider kritisiert rückwärtsgewandte Strategie
Atomreaktor in Flamanville in Frankreich
Bild: AFP

Nach den Äußerungen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Atomkraft hat Umweltminister Carsten Schneider (SPD) der EU eine 'rückwärtsgewandte Strategie' vorgeworfen. Zugleich bekräftigte er, dass Deutschland am Ausstieg festhält.

Nach den Äußerungen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Atomkraft hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) der EU eine "rückwärtsgewandte Strategie" vorgeworfen und bekräftigt, dass Deutschland am Ausstieg aus der Kernkraft festhält. Es spreche Bände, dass der Kern dieser Strategie aus neuen Subventionen für Kernkraftwerke bestehe, erklärte Schneider am Dienstag. "Wenn eine Risiko-Technologie nach einem dreiviertel Jahrhundert noch immer am staatlichen Tropf hängt und es längst bessere Alternativen gibt, sollte man daraus Konsequenzen ziehen."

Er reagierte damit auf Äußerungen von der Leyens, die zuvor die Abkehr von der Atomkraft als "strategischen Fehler" bezeichnet hatte. Die Technologie bezeichnete sie auf einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich als "zuverlässige, bezahlbare Quelle für emissionsarmen Strom" - und kündigte neue Finanzhilfen der EU für Atomenergie an.

"Noch mehr Steuergeld für neue Risikoreaktoren auszugeben, lehne ich ab", stellte Umweltminister Schneider klar. Für den Bau neuer Reaktoren sei sehr viel Geld nötig, das dann an anderer Stelle fehle. "Dazu kommt: Diese kleinen Atomkraftwerke werden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schaffen aber den Durchbruch nicht und ringen stattdessen um Subventionen."

Deutschland halte am Ausstieg fest, fuhr Schneider fort. Deutschland sei dank des Atomausstiegs "ein ganzes Stück sicherer geworden". Der vor 15 Jahren erreichte Atomkonsens habe Deutschland zudem gutgetan. Schneider betonte vor diesem Hintergrund die Vorteile Erneuerbarer. "Sauberer, ungefährlicher Strom aus Wind und Sonne ist günstiger, treibt längst die Energiewende an und produziert keinen strahlenden Müll", erklärte er.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) sagte zu den Äußerungen von der Leyens, es werde nicht überraschen, "wenn ich sage, dass ich persönlich die Einschätzung von Frau von der Leyen teile". Jedoch hätten frühere Bundesregierungen entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen und dieser "Beschluss ist irreversibel", sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem tschechischen Amtskollegen Andrej Babis. "Ich bedaure das, aber es ist so, und wir konzentrieren uns jetzt auf die Energiepolitik, die wir haben."

Weitere Meldungen

EU-Parlament zeichnet Angela Merkel mit Europäischem Verdienstorden aus

Altkanzlerin Angela Merkel gehört zu den ersten Empfängern des neuen Europäischen Verdienstordens des Europaparlaments. Merkel erhalte gemeinsam mit dem ukrainischen

Mehr
Kulturstaatsminister Weimer sagt nach Kritik Verleihung von Buchhandlungspreis ab

Nach dem Ausschluss dreier Buchhandlungen von der Kandidatenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) die Verleihung

Mehr
Ende der Skepsis: EU will Atomkraft künftig stärker unterstützen

Nach Jahren der Skepsis wendet sich die EU wieder verstärkt der Atomenergie zu: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Abkehr von der Atomkraft - ähnlich wie

Mehr

Top Meldungen

CDU-Wirtschaftsrat mahnt Stromsteuersenkung an

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten durch den Iran-Krieg erinnert der Wirtschaftsrat der CDU die Regierung an das Versprechen der

Mehr
Erleicherung an den Börsen - trotz gesunkenen Ölpreises aber kein billigerer Sprit

US-Präsident Donald Trump hat ein baldiges Kriegsende angedeutet, die Öl- und Gaspreise sind daraufhin deutlich gesunken und die Börsen starteten mit Kursgewinnen in den

Mehr
GKV-Ausgaben steigen erneut deutlich stärker als die Einnahmen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind 2025 erneut deutlich stärker gestiegen als die Beitragseinnahmen. Das Ausgaben-Plus betrug 7,8

Mehr