Politik

Neuer Anführer des Iran: Modschtaba Chamenei tritt Nachfolge seines getöteten Vaters an

  • AFP - 8. März 2026, 23:39 Uhr
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Modschtaba Chamenei
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Acht Tage nach der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei ist dessen Sohn Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Anführer des Iran ernannt worden. Der 56-Jährige sei zum geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik gewählt worden, teilte der Expertenrat mit.

Acht Tage nach der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei ist dessen Sohn Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Anführer des Iran ernannt worden. Der 56-Jährige sei am Sonntag "nach sorgfältigen und umfassenden" Beratungen zum geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik gewählt worden, teilte der Expertenrat mit. Die iranischen Revolutionsgarden sagten dem neuen Anführer umgehend ihre Gefolgschaft zu. US-Präsident Donald Trump hatte sich vor Tagen gegen Modschtaba Chamenei ausgesprochen. Israel hatte damit gedroht, jeden künftigen Anführer des Iran zu töten.

Der Expertenrat erklärte, er habe trotz "der brutalen Aggression" der USA und Israels "keine Minute gezögert", einen neuen Anführer des Iran zu bestimmen. 

Die USA und Israel hatten am 28. Februar massive Luftangriffe auf den Iran gestartet und dabei Ali Chamenei sowie weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Modschtaba Chamenei galt seitdem als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge seines Vaters.

Das Amt des geistlichen Oberhaupts ist die höchste politische und religiöse Autorität im Iran. Der oberste Anführer hat in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort. Gewählt wird er vom Expertenrat, der aus 88 Juristen besteht, die alle acht Jahre von den iranischen Bürgern gewählt werden.

Bislang gab es nur einen Wechsel an Irans Spitze: Als Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini 1989 nach längeren gesundheitlichen Problemen starb, wurde Chamenei zu seinem Nachfolger bestimmt.

Modschtaba Chamenei gilt wie sein Vater, der die Geschicke des Iran mit harter Hand geführt hatte, als konservativer Hardliner. Er hat kein offizielles Regierungsamt inne, doch die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss des Chamenei-Sohns sorgte seit Jahren für Spekulationen.

US-Präsident Trump hatte nach der Tötung Chameneis dessen Sohn als Nachfolger ausgeschlossen und für sich eine Mitsprache bei der Entscheidung beansprucht. "Chameneis Sohn ist für mich inakzeptabel", hatte die Plattform Axios den US-Präsidenten am Donnerstag zitiert. "Wir wollen jemanden, der dem Iran Harmonie und Frieden bringt." 

Am Sonntag bekräftigte Trump seine Forderung nach Mitsprache bei der Auswahl des neuen iranischen Anführers. "Er wird unsere Zustimmung einholen müssen" sagte er dem Sender ABC News vor der Bekanntgabe der Wahl von Chameneis Sohn. "Wenn er von uns keine Zustimmung erhält, wird er sich nicht lange halten." Die israelische Armee hatte gedroht, jeden künftigen Anführer des Iran "ohne Zögern ins Visier zu nehmen".

Die iranischen Revolutionsgarden sicherten Modschtaba Chamenei derweil ihre bedingungslose Unterstützung zu und erklärten, sie seien bereit, ihm "mit vollständigem Gehorsam und Selbstaufopferung zu folgen".

Die Revolutionsgarden hatten zuvor ungeachtet neuer massiver Luftangriffe Israels ihren Kampfeswillen betont. Sie seien in der Lage, "einen intensiven Krieg mit dem derzeitigen Tempo mindestens sechs Monate lang fortzusetzen". Nachdem bislang Raketen der "ersten und zweiten Generation" eingesetzt worden seien, würden in Kürze modernere Geschosse und Raketen mit großer Reichweite verwendet, drohte ein Sprecher.

Trump hatte den Iran am Freitag zur "bedingungslosen Kapitulation" aufgefordert. Der iranische Präsident Massud Peseschkian wies dies scharf zurück: "Die Feinde müssen ihren Wunsch nach der Kapitulation des iranischen Volks mit ins Grab nehmen", sagte er am Samstag. Trump kündigte daraufhin "sehr harte" Angriffe auf den Iran an und drohte mit einer Ausweitung der potenziellen Ziele.

Israelische Kampfjets griffen in der Nacht zum Sonntag fünf Öldepots rund um Teheran an, riesige Feuer brachen aus. Die iranische Militärführung drohte mit Angriffen auf Ölanlagen in der Golfregion, falls Israel weiterhin Energie-Infrastruktur im Iran ins Visier nehme.

Seit dem Beginn der Luftangriffe Israels und der USA greift der Iran als Vergeltung Israel, mehrere Golfstaaten sowie Einrichtungen der USA in der Golfregion an. 

In Israel wurden bei neuen iranischen Raketenangriffen am Sonntag nach Angaben der Rettungsdienste mindestens sechs Menschen verletzt. Iranische Angriffe mit Raketen und Drohnen wurden auch aus Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet. 

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abdul Gheit, sprach am Sonntag bei einer Dringlichkeitssitzung der Außenminister des Staatenbundes von "rücksichtslosen" iranischen Angriffen, die "unter keinem Vorwand und mit keiner Entschuldigung" gerechtfertigt werden könnten. Der iranischen Führung warf er einen "schweren strategischen Fehler" vor.

Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte den iranischen Staatschef Peseschkian in einem Telefonat am Sonntag auf, die Angriffe auf Länder in der Golfregion sofort einzustellen. Zudem müsse Teheran die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr freigeben, erklärte Macron im Onlinedienst X.

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