Washington (dts Nachrichtenagentur) - Der renommierte US-Historiker und Politologe Robert Kagan warnt vor einer Untergrabung der US-Demokratie durch Donald Trump.
"Auf keinen Fall" werde der US-Präsident "zulassen, dass das Repräsentantenhaus demokratisch wird", sagte Kagan dem "Spiegel". "Es gilt, die Kongresswahlen zu untergraben", so der frühere Berater republikanischer Präsidentschaftskandidaten.
Trump werde dafür ICE einsetzen, "seine eigene SA", etwa indem er demokratisch regierte Bundesstaaten wie Kalifornien kurz vor der Wahl "mit ICE-Schlägertrupps" flute, "die man ermutigt, sich so brutal und drastisch wie möglich zu verhalten". Dies erzeuge massive Proteste, so Kagans Szenario, "die wiederum so eskalieren sollen", dass Trump das Aufstandsgesetz von 1807 heranziehen und Militär schicken könne. So lasse sich ein Vorwand schaffen, angeblichen Wahlbetrug zu inszenieren und sich der Wahlurnen zu bemächtigen.
Kagan, der an der Brookings Institution in Washington forscht, bezeichnete Trump als "Möchtegern-Diktator". "Die Vereinigten Staaten stehen bereits mit einem Bein in der Diktatur. Und zwar ziemlich weit drin", sagte er.
Die Trump-Regierung sei dabei, die "seit 80 Jahren stabile liberale Weltordnung zu zerstören", so Kagan. Eine "multipolare Welt" entstehe, "dominiert von den Großmächten Russland, China - und eben den USA". Es sei keine Übertreibung, zu sagen, dass die Welt auf diese Weise in die gefährlichste Epoche seit dem Zweiten Weltkrieg gerate und der Kalte Krieg dagegen ein Kinderspiel gewesen sei. "Trump will Weltkaiser werden", sagte der Historiker.
"Solange Trump an der Macht ist, sind die USA ein Feind", warnte Kagan mit Blick auf Europa. Den Applaus europäischer Politiker für US-Außenminister Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz sieht er ähnlich wie die Erleichterung über die - aus seiner Sicht vorläufige - Schonung Grönlands. "Wir leiden inzwischen alle unter dem Syndrom des misshandelten Familienmitglieds", sagte Kagan. Versuchten die Europäer indes weiterhin, "Trump zu besänftigen und zu glauben, man könne ihn durch sein Ego manipulieren", seien sie auf dem "Weg in ihren Untergang und ihre Unterwerfung durch die räuberischen Imperien".
Deutschland nannte der Historiker "die wichtigste Bastion des Liberalismus in der Welt". Er hoffe, dass das Land aufrüste, um ihn zu verteidigen - und nicht eigene nationale Interessen.
Trotz möglicher persönlicher Konsequenzen wolle er in den USA bleiben, sagte Kagan. "Ich werde nie gehen. Mir ist klar, was passieren kann. Und wenn es so kommt, dann ist es so."
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US-Historiker fürchtet Untergrabung von Kongresswahlen durch Trump
- dts - 18. Februar 2026, 18:52 Uhr
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